„So ein Gebilde braucht Platz“ (23.01.08)

Kaum einer Baustelle in der Innenstadt schenken die Heilbronner so viel Aufmerksamkeit. Schon in der Planungsphase schieden sich an der ECE-Stadtgalerie und an ihrer Architektur die Geister. Sechs Wochen vor der Einweihung des Einkaufszentrums zeigt die Außenfassade schon weitgehend ihr endgültiges Gesicht. Das markante Gebäude zieht die Blicke magisch auf sich. Die Meinungen gehen weit auseinander.

Von Kilian Krauth

Die neue ECE-Stadtgalerie liegt in der südlichen Heilbronner Altstadt zwischen Deutschhof (links), Galeria Kaufhof und Fischergasse (unten). Der Haupteingang zeigt zur Fleiner Straße (oben).Foto: Werner Kuhnle  

Heilbronn - Kaum einer Baustelle in der Innenstadt schenken die Heilbronner so viel Aufmerksamkeit. Schon in der Planungsphase schieden sich an der ECE-Stadtgalerie und an ihrer Architektur die Geister. Sechs Wochen vor der Einweihung des Einkaufszentrums zeigt die Außenfassade schon weitgehend ihr endgültiges Gesicht. Das markante Gebäude zieht die Blicke magisch auf sich. Die Meinungen gehen weit auseinander.

Verzwungen „Also, ich bin überhaupt nicht begeistert“, sagt Hannelore Gurr. Sie arbeitet im zweiten Stockwerk eines Geschäfts- und Bürogebäudes an der Ecke Fleiner Straße / Deutschhofstraße und hat quasi einen Logenplatz. Wenn die Bauzeichnerin aus dem Fenster schaut, kann sie in der Glasfassade ihr eigenes Spiegelbild erkennen. Die neuen Perspektiven findet sie „ganz nett“, aber insgesamt ist ihr das ECE „doch zu groß und etwas verzwungen“.

Blickfang an der Fleiner Straße: Haupteingang und Gasse zum Götzenturm.
Der südliche Nachbar sieht es ganz anders. Karl Pommée, Chef der Galeria Kaufhof, räumt ein, dass ihm das Modell nicht so recht gefallen hat. Vor allem mit dem „gewölbten, bauchigen Ring“ hatte er Probleme. Inzwischen nennt der Kaufmann das Gebäude sogar „fast anmutig“: „Die eigenwillige Spitze zur Fleiner Straße, die Glasfassade zum Deutschhof: Das hat schon was.“ Und die schmale Gasse zur Galeria Kaufhof „wird eine ganz belebte Wegeverbindung“.

 

 

Während viele Passanten die Blickbeziehung zum Götzenturm schätzen, spricht Matthias Hekler von einer „dunklen Schlucht“. Er nennt das ECE „insgesamt zu klobig und zu riesig, der historische Deutschhof wird ja schier erdrückt.“ Dennoch kann er der Architektur dem Bau auch Positives abgewinnen. „Die Formensprache ist zwar recht futuristisch. Aber etwas Mut tut Heilbronn vielleicht ganz gut“, meint der Grafikdesigner.

Alt und neu am Deutschhof: Großstädtisch oder gequetscht?Fotos: Dirks
Der Chef der Kreisgruppe des Bundes Deutscher Architekten (BDA), Matthias Müller, geht mit dem ECE härter ins Gericht. Er spricht von einem „Ufo“ und von „schlechtem Städtebau, der überhaupt nichts mit Heilbronn zu tun hat. So ein Gebilde braucht Platz und gehört auf die grüne Wiese.“ Wie man mit einem Neubau auf den Standort reagieren könne, zeige etwa der Klosterhof mit seiner Sandstein- und Muschelkalkfassade und einer der Umgebung angemessenen Baustruktur. Immerhin nennt Müller „die Materialien und manche Details ganz frisch“.

Spannend „Größte Befürchtungen“ hatte ursprünglich Architekt Holger Feldmann. Inzwischen zeigt er für den umstrittenen Baukörper Sympathie. „An manchen Perspektiven ergeben sich richtig großstädtische Einblicke und Fugen.“ Spannend sei etwa der Blick vom Neckar her: „Die gewölbte Fassade im Wechsel mit den Wohnhäusern, das hat schon was.“ Wer die Größe kritisiert, sollte nicht vergessen, dass die Architekten auch wirtschaftliche Aspekte zu beachten hatten, erklärt Feldmann.

Manche Architekten entdecken Anleihen bei großen Kollegen. Die schwarze Südwand mit langen Lichtstreifen erinnert an Daniel Libeskinds Jüdisches Museum in Berlin. Die Glasstruktur zum Deutschhof ist ein Gestaltungselement, das auf Sauerbruch Hutton (Berlin) zurückgeht und vielerorts zitiert wird.