Schließung der Büchereizweigstellen in Biberach und Böckingen sorgt für heftige Reaktionen

Heilbronn - Auch vier Tage nach der "Vogel-friss-oder-stirb-Information" durch die Verwaltung, dass die Biberacher Büchereizweigstelle vom 1. Mai bis zum Ende der Sommerferien geschlossen wird, bleiben die Fronten verhärtet.

Von Joachim Friedl und Helmut Buchholz

Erstaunt, sprachlos und verärgert

"So etwas habe ich als Ortspolitiker noch nicht erlebt."

S. Dodenhöft

Heilbronn - "Ich war wie vor den Kopf gestoßen. So etwas habe ich als Ortspolitiker noch nicht erlebt." Auch vier Tage nach der "Vogel-friss-oder-stirb-Information" durch die Verwaltung, dass die Biberacher Büchereizweigstelle vom 1. Mai bis zum Ende der Sommerferien geschlossen wird, hat sich der Adrenalinspiegel von Siegfried Dodenhöft nicht entscheidend gesenkt.

Argumente
 
Bürgermeister Harry Mergel, dem die Stadtbibliothek untersteht, begründete den Schritt mit Sparmaßnahmen und krankheitsbedingten Ausfällen. Auf Bedenken, die Außenstellen könnten auch nach der Sommerpause geschlossen bleiben, entgegnet er: "Aus heutiger Sicht werden sie wieder geöffnet." Im Namen der SPD-Fraktion forderte gestern der Biberacher Stadtrat Erhard Mayer die Verwaltung auf, die Außenstellen auch im Mai, Juni und Juli für mindestens zwei Stunden pro Woche zu öffnen.

Insbesondere die Art und Weise, wie das Gremium über die Entscheidung informiert wurde, kritisiert Dodenhöft (CDU): "Zu Sitzungsbeginn wurde uns eine vorgefertigte Mitteilung ausgehändigt. Als wir sie gelesen hatten, waren wir alle erstaunt, sprachlos und verärgert darüber, wie es mit der Bücherei weitergehen soll", schildert der Beiratssprecher seine Eindrücke.

Auf den Vorschlag aus der Mitte des Gremiums, die sieben ehrenamtlichen Büchereihelfer könnten doch teilweise den Betrieb aufrecht erhalten, habe Bibliotheksleiterin Monika Ziller nur geantwortet: "Sie können das Computersystem nicht bedienen." Ein Argument, das bei Dodenhöft, nicht unbedingt als Temperamentsbolzen bekannt, empfindlich aufschlug: "Das haut doch dem Fass den Boden raus."

"Falls es so abgelaufen ist, möchte ich mich entschuldigen", versucht Bürgermeister Mergel Schärfe aus der Geschichte zu nehmen. In der Summe steht er jedoch hinter der Entscheidung: "In der Bibliothek können wegen der Wiederbesetzungssperre zwei Stellen nicht besetzt werden. Außerdem ist eine Mitarbeiterin langzeiterkrankt." Angesichts der Finanzkrise müssten die Bürger Einschränkungen akzeptieren. Wichtig ist Mergel, dass "die Arbeit der Bücherei in der Substanz nicht beeinträchtig wird".

Nach der Kritik aus Biberach hat Mergel Bibliotheksleiterin Ziller gestern beauftragt, "umgehend mit den Bezirksbeiräten und den Ehrenamtlichen vor Ort das Gespräch zu suchen". Vor diesem Hintergrund hat Harry Mergel die Hoffnung, dass "die vorübergehende Schließung verhindert oder zeitlich reduziert werden kann".

Befürchtung

Im selben Zeitraum und mit derselben Begründung wird auch die Zweigstelle in Böckingen geschlossen. Vom Böckinger Ring war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Der Böckinger SPD-Stadtrat Herbert Tabler ist jedoch "wenig begeistert" über die vorübergehende Schließung. Er ist nicht damit einverstanden, dass die Außenstelle gleich komplett geschlossen wird und fragt darum: "Hätte man das Problem nicht anders lösen können?" Tablers Befürchtung, wenn er an das Sparpaket der Stadt denkt, ist, dass die Zweigstelle in Böckingen trotz guter Ausleihzahlen am Ende ganz dicht gemacht wird.

Hintergrund: Rückgabemöglichkeiten

Wer Bücher ausgeliehen hat, kann sie in den Bürgerämtern in Biberach und Böckingen sowie in der Hauptstelle abgeben. Werden Medien, bedingt durch die Schließung, verspätet zurückgegeben, entstehen keine Versäumnisgebühren. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 07131/562673. jof


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