Schlichte Eleganz ist nur zu erahnen

Heilbronn - Wer die Baustelle beim Hagenbucher betritt, glaubt nicht, dass das Science Center pünktlich im Herbst 2009 eingeweiht werden kann. Der einstige Kornspeicher ist bis auf die mächtigen Stahlbetonstützen entkernt, und am Neubau werden gerade die Wände und Decken für das erste Obergeschoss betoniert. Doch Bauleiter Götz Guggenberger gibt sich ausgesprochen zuversichtlich: „ Wir sind absolut im Zeitplan. Bis zum Winter haben wir den Altbau und seinen Zwilling dicht.“

Von Joachim Friedl

Die Stahlbetonpfeiler sind einmal Bestandteil der Ausstellungsflächen.

Heilbronn - Monoton dröhnt die Rüttelflasche. Unablässig beseitigt sie mit großer Präzision Luftblasen aus dem soeben frisch gegossenen Beton. Die Winkelschleifer verrichten mit bis zu 12 000 Umdrehungen peinlich genau ihre Arbeit. Markerschütternd ist der Lärm, den man in jedem Stockwerk hört. Die beiden Kräne, 40 und 20 Meter hoch, schleppen im Takt schweres Material in die Höhe. 40 Bauarbeiter, 30 im Rohbau, zehn im Altbau, sind bei sommerlichen Temperaturen dabei, die neue Hülle für die Technik- und Erlebniswelt Experimenta zu errichten.

Blickbeziehungen

Wer die Baustelle beim Hagenbucher betritt, glaubt nicht, dass das Science Center pünktlich im Herbst 2009 eingeweiht werden kann. Der einstige Kornspeicher ist bis auf die mächtigen Stahlbetonstützen entkernt, und am Neubau werden gerade die Wände und Decken für das erste Obergeschoss betoniert. Doch Bauleiter Götz Guggenberger gibt sich ausgesprochen zuversichtlich: „ Wir sind absolut im Zeitplan. Bis zum Winter haben wir den Altbau und seinen Zwilling dicht.“

Dirk Vogel und Werner Insam (rechts) vom Hochbauamt der Stadt Heilbronn bewundern das Stützenspalier im künftigen Foyer der Experimanta.Fotos: Ulrike Kugler

Der Weg auf das Dach des 1937 erbauten Hagenbucher-Gebäudes führt momentan über eine Gerüsttreppe, die in das 1,6 Kilometer lange Stangenkorsett eingebunden ist und etwa 4000 Quadratmeter Fassade umhüllt. Durchschnaufen heißt es erst einmal, wenn man oben angekommen ist. Dann aber erkennt man eine quadratische Stahlkonstruktion als die ersten Umrisse des neuen Vortragssaales, sieht, wie das einst geneigte Pultdach langsam gerade wird, blickt in den breiten Schacht, in dem ganz unten die ersten Stufen des neuen Treppenhauses sichtbar werden und erahnt die 1,80 Meter breite, architektonisch gewollte verglaste Fuge, die einmal den Altbau vom Neubau trennen wird. Verbindung zwischen den Blöcken schaffen Brücken in jedem Stockwerk.

Geradezu eine Freude ist es, aus den Fenstern den Blick über die Inselspitze, den Bollwerksturm bis zum Wartberg zu richten. Diesen Genuss verhinderte bislang strukturiertes Fensterglas. Künftig werden alle Fenster auf der Seite zum Altneckar diesen Blick nach draußen freigeben. Alle anderen Fenster bleiben bis auf den Gastronomie-Bereich strukturiert. „Wir wollen so gut es geht den Charme dieses Industriebaus erhalten“, erläutert Dirk Vogel, Leiter des städtischen Hochbauamtes, diese Maßnahme. Dazu zählt auch, die Innenwände als Backsteinwand erkennbar zu lassen, und die 22 Säulen in das Experimenta-Konzept zu integrieren.

Ganz oben auf dem Altbau: Die Träger für den Vortragssaal sind montiert.
Wert haben die Berliner Architekten Stefan Schwirtz, Francesca Saetti und Thomas Bochmann darauf gelegt, dass der Neubau eine Fassade aus Kohlebrandklinkern erhält. Dieses sehr robuste Material ziert bereits den Altbau.

Wenn in der ersten Hälfte 2009 die Bauarbeiter die Baustelle verlassen, sind 15,7 Millionen Euro verbaut. „Dann aber beginnt die schwierigste Phase für die Architekten und für die Nutzer der Experimenta“, schaut Werner Insam voraus. Als Grund nennt der vom Hochbauamt für das Projekt zuständige Planer: „Die Konzepte werden geschossweise umgesetzt. Hier gilt es, die Gedanken bestmöglich miteinander zu verzahnen.“ Dass dies gelingt, daran hat derzeit niemand Zweifel.

 
Der Neubau wird mit 25 Meter exakt genau so hoch wie der Altbau.