S21-Gegner verteilen Millionenschecks in Heilbronn

Heilbronn - In diesen Tagen trifft das Für und Wider des umstrittenen Projekts Stuttgart 21 in Heilbronn aufeinander. Seit Donnerstag informieren die Unterstützer, am Freitag machten die Gegner auf sich aufmerksam und für Samstag ist ein Demozug geplant.


Heilbronn - Rote Luftballons in Herzform von den Befürwortern, symbolische Millionenschecks von den Gegnern: In diesen Tagen trifft das Für und Wider des umstrittenen Projekts Stuttgart 21 in Heilbronn aufeinander.

Am Freitagmittag verteilten S21-Gegner symbolische Millionenschecks an die Bürger. Rund 100 Personen versammelten sich am Kiliansplatz, als Sprecher von Bund für Umwelt- und Naturschutz und die Initiative "Heilbronner gegen Stuttgart 21" auf sich aufmerksam machten.

Am Samstag von 10 bis 13 Uhr hält ein Demozug am Heilbronner Hauptbahnhof. Unter dem Motto "Stuttgart 21 bremst aus" finden ähnliche Aktionen am gleichen Tag in weiteren 40 Städten in ganz Baden-Württemberg statt.

Bereits seit Donnerstagmorgen macht ein Infomobil auf dem Kiliansplatz Station. Drei Tage lang wollen die Unterstützer von Stuttgart 21 über die Vorteile informieren.

Standortplus

Dass die beiden Lager auch nach der Schlichtung noch viel trennt, machten schon die ersten Stunden deutlich, in denen das Infomobil auf dem Kiliansplatz parkte. Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach betonte bei seiner Stippvisite, wie wichtig S 21 für den Wirtschaftsstandort Heilbronn-Franken sei. "Das war einer der Gründe, warum wir auf einen regionalen Flugplatz verzichtet haben." Denn mit S 21 werde der Stuttgarter Flughafen besser an Heilbronn angebunden. Es gebe künftig eine Direktverbindung, ohne Umsteigen. "Die Fahrtzeit zum Flughafen wird sich halbieren", hob CDU-Bundestagsabgeordneter Thomas Strobl hervor. Das Projekt habe nur Vorteile für Heilbronner: "Hier gibt es keine Baustellen."

Auch der Heilbronner SPD-Stadtrat und Landtagskandidat Rainer Hinderer bekannte sich als S-21-Befürworter. "Dennoch", räumte er ein, "gibt es auch Argumente dagegen. Ich stehe jedoch uneingeschränkt zur SPD-Forderung eines Volksentscheids."

Vertrauensfrage

In diese Pro-Front brach der Heilbronner S-21-Gegner Georg Viehstaedt ein. Ob das Geld zum Beispiel nicht besser in den Ausbau der Frankenbahn nach Würzburg investiert wäre, wollte er wissen. "Das hört sich am Biertisch toll an", erwidert OB Himmelsbach. Doch diese Haltung sei "irrsinnig". Es handle sich um "zwei Baustellen", so CDU-Generalsekretär Strobl. "Wenn wir Stuttgart 21 nicht machen, fließen keine Mittel in die Region, sondern in andere Bundesländer." Die Diskussionen überzeugten den Gegner nicht: "Es geht doch um das Vertrauen in die Politiker. Das haben die mit ihrer bisherigen Durchsetzung des Vorhabens zerstört." Das Infomobil komme "in letzter Minute, jetzt ist der Käse schon gegessen".

Doch Bahnprojekt-Sprecher Wolfgang Dietrich will mit dem Mobil, das in den nächsten Jahren durchs ganze Land tourt, mehr Sachlichkeit in die Debatte bringen: "Wir wollen unseren Kommunikationsstil ändern. Wir haben gemerkt, dass wir mehr Dialog machen müssen." Denn das Unwissen über Stuttgart 21, so Wolfgang Dietrich, "ist immer noch groß". red/mut
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