S-Bahntrasse sorgt für Unmut

Heilbronn - Regen, Wind und Kälte waren vergessen, als beim Auftakt des Kommunalwahlkampfes der Heilbronner Liberalen am Dienstag das Thema Stadtbahntrasse Nord in den Mittelpunkt gerückt wurde. Bei einem vorabendlichen Rundgang durch die Innenstadt wurde mächtig Dampf abgelassen.

Von Joachim Friedl

S-Bahntrasse sorgt für Unmut
FDP-Wünsche: Kein Kleinpflaster bei Kiliansplatz-Sanierung...Foto: Archiv/Veigel
Heilbronn - Regen, Wind und Kälte waren vergessen, als beim Auftakt des Kommunalwahlkampfes der Heilbronner Liberalen am Dienstag das Thema Stadtbahntrasse Nord in den Mittelpunkt gerückt wurde. Bei einem vorabendlichen Rundgang durch die Innenstadt wurde mächtig Dampf abgelassen.

„Die Stadtinitiative trägt die S-Bahn-Führung in der Allee nicht mit“, bekräftigte Thomas Gauß die Haltung der Einzelhändler und kritisierte heftig Baubürgermeister Wilfried Hajek ob seiner Aussage, gestalterische Gründe seien für die Trassenplanung ausschlaggebend: „Da fühle ich mich vor den Kopf gestoßen. Es kann nicht sein, dass Gestaltungsfragen über Existenzen gestellt werden“, empörte sich der Stadtinitiative-Vorsitzende unter dem Beifall von einem guten Dutzend FDP-Mitgliedern und Sympathisanten.

S-Bahntrasse sorgt für Unmut
...händlerfreundliche Stadtbahntrasse in der Allee...Foto Archiv/Sawatzki
Für das Quartier um den Franziskanerhof sei es lebensnotwendig, dass auch künftig aus der Karlstraße in dieses Innenstadt-Viertel eingefahren werden könne. Sollte die Verwaltung an ihrer Planung festhalten, sieht Gauß dramatische Folgen, die er an zwei Beispielen aufzeigte: „Blumen Kramer müsste wohl schließen, und die Investoren, die rund fünf Millionen Euro in den Kachel-Umbau stecken, schauen sich die Entwicklung sehr genau an.“

Das tun nach Erkenntnissen von Nico Weinmann auch die Unternehmer in der Austraße. Wie berichtet, kritisieren auch sie die Trassenführung in ihrem Bereich. „Bei meinen Gesprächen hörte ich immer wieder heraus, dass geplante Investitionen zurückgestellt werden, falls sich bei der Trassenplanung nichts ändert“, sagt der FDP-Fraktionschef.

Unter dem Gesichtspunkt, dass die Weipertstraße gegenüber der Paulinenstraße angesichts der dort ansässigen Unternehmen das größere Fahrgastaufkommen garantiere, forderte Weinmann von der Verwaltung eine Neuberechnung der sogenannten standardisierten Stadtbahn-Trassenbewertung. Und in Anbetracht der um acht Meter tiefergelegten Trasse beim Sülmertor merkte er an: „Damit die S-Bahn hier durch kommt, müssen die Gleise auf Höhe des Arbeitsgerichts abgesenkt werden. Das ist keine Verschönerung für die Paulinenstraße.“

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...Markthalle auf dem Gerberstraßen-Parkplatz...Foto: Archiv/Sawatzki
Markthalle

„Ein solches Projekt auf dem Gerberstraßen-Parkplatz hinter dem Käthchenhof wäre das ideale Scharnier zwischen Marktplatz und Neckarvorstadt“, hält Nico Weinmann viel von einer derartigen Einrichtung. Thomas Gauß sprach mit Blick auf eine Markthalle von einem „Stück Lebensgefühl“, und für FDP-Stadtrat Gottfried Friz ist dieses Thema wie „ein Bazillus, das man nicht mehr los wird“. Einen guten Rat gab Citymanager Jörg Plieschke den Befürwortern mit auf den Weg: „Eine Edelmarkthalle à la Stuttgart funktioniert hier nicht.“

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...kein Verzicht auf zwei verkaufsoffene Sonntage 2009.Foto: Archiv/Veigel
Verkaufsoffene Sonntage

Mitten auf dem Kiliansplatz stehend und mitten in der Kritik am gewählten Kleinpflaster bei der Sanierung des Platzes entbrannte eine lebhafte Diskussion um die Entscheidung des Gemeinderates, auf zwei verkaufsoffene Sonntage in Böckingen und Neckargartach in diesem Jahr zu verzichten. „Wenn diese Sonntage ausfallen, droht bei Bierstorfer Arbeitsplatzabbau“, weiß Stadtinitiative-Vorsitzender Thomas Gauß, der „die Entscheidung nicht nachvollziehen“ kann. „Wir müssen Kunden von auswärts in die Stadt locken. Das geschieht am besten mit verkaufsoffenen Sonntagen“, stellt sich der FDP-Kreisvorsitzende und baden-württembergische Wirtschafts-Staatssekretär Richard Drautz an die Seite des Handels. Und Nico Weinmann gab zu bedenken: „Umliegende Städte machen es. Sie sind unsre Konkurrenz.“