Rückblende in die Zeit vor dem Käthchenhof

Heilbronn - Wo bald ein Bio-Markt Ankermieter wird, war vor 25 Jahren Großbaustelle

Von Franziska Feinäugle

Heilbronn - Manchmal werfen Nachrichten Fragen auf, und die Fragen wiederum führen zu neuen Erkenntnissen. Die Nachricht, dass in der Heilbronner Käthchenhof-Passage im Frühsommer der vermutlich größte Bio-Supermarkt des Landes als Ankermieter eröffnet, regte aufmerksame Beobachter zu der Überlegung an: Wenn es den Käthchenhof seit 1986 gibt − was war dann dort vorher?

Für alle, die zu jung sind, um sich zu erinnern, oder zu spät nach Heilbronn gezogen sind, um es aus eigener Anschauung wissen zu können, fördert ein Blick ins Archiv der Heilbronner Stimme interessante Antworten zutage.

Dort, wo zurzeit lediglich eine Ladenfläche umgebaut wird, um einer über 1000 Quadratmeter großen Niederlassung von Bio-Mammut aus Lauffen angemessenen Raum zu bieten (wir berichteten), war vor 25 Jahren eine Großbaustelle im Herzen der Stadt.

Eine Großbaustelle, wie man sie in vergleichbarer Form von zwei anderen innerstädtischen Stellen aus jüngerer Vergangenheit kennt: vom Landerer-Areal, wo bis März 2008 das Einkaufscenter Stadtgalerie emporwuchs, und vom Klosterhofgelände am Kiliansplatz, auf dem bis März 2009 das große Klosterhofkaufhaus mit rund 11 000 Quadratmetern Einkaufsfläche entstand.

Warenhaus Fuchs

Was dem Klosterhofkaufhaus der verwinkelte Beilharz-Komplex war und der Stadtgalerie die innerstädtische Wiese, das war dem Käthchenhof das sogenannte Fuchs-Areal: das Gelände des früheren Warenhauses Gustav Fuchs, das 1977 spektakulär in Konkurs gegangen war. Am 1. März 1983 kaufte die Albingia-Lebensversicherungsgruppe das Fuchs-Areal westlich des Marktplatzes. Festgefahrene Verhandlungen mit einem Heilbronner, der im Bereich des Bebauungsgebietes ein Stück Grund und Boden besaß, verzögerten zunächst den Baubeginn; eine Umlegung von Grundstücken, vom Gemeinderat im Juli 1983 angeordnet, machte den Weg frei für eine zügige Bebauung des Geländes.

Architekturpreise

Im November 1983 beginnen die Abbrucharbeiten an den ersten Gebäuden in der Rosengasse, Ende Januar 1984 meldet die Stimme, die letzten Mauern seien gefallen, das "Fuchs-Areal jetzt fast kahl". Das historische Käthchenhaus und einige benachbarte Gebäude bleiben freilich stehen.

In den zweieinhalb darauffolgenden Jahren wächst zwischen Marktplatz, Kaiserstraße, Gerberstraße und Rosengasse ein Wohn- und Geschäftsgebäudekomplex in die Höhe, in dem das Stuttgarter Architektenteam Fiedler/Aichele/Schmidt-Hieber die Gesichtspunkte der traditionellen Stadtplanung mit zeitgemäßen Ideen verbindet. Drei Architekturpreise erhält das lichtdurchflutete Bauwerk später.

Am 6. November 1986 eröffnet der neue Käthchenhof am Marktplatz: Auf dem früheren Fuchs-Gelände sind 19 Geschäfte auf 3200 Quadratmetern Einkaufsfläche entstanden. Manche davon, wie das Café Münch, gibt es bis heute.

Rückblende in die Zeit vor dem Käthchenhof
Typisch Nachkriegsheilbronn: Baulücken und ein eingeschossiges Gebäude grenzten Ende der 1970er Jahre das Fuchs-Areal zum Marktplatz hin ab.Foto: Archiv/Wendt