Rettung des Baudenkmals steht bevor

Investoren-Duo will Laubenganghaus sanieren – Erfolg für Agenda 21

Von Kilian Krauth

Saniertes Vorbild in Dessau, fotografiert vom Stimme-Leser Rolf Richter.

Heilbronn - Eigentlich hatte die Heilbronner Stadtverwaltung das Laubenganghaus in der Bahnhofsvorstadt schon in den 80ern zum Abbruch freigegeben. Doch Denkmalschützer, zuletzt vor allem aus den Reihen der Lokalen Agenda, machten das Baudenkmal zum Politikum. Nun scheint der Einsatz von Alfred Huber, Claus Kohout und ihren Mitstreitern von Erfolg gekrönt zu werden. Die Sache hat nur noch einen Haken: die Parkplatzfrage.

„Wir sind auf einem guten Weg“, ließ Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach am Dienstag gegenüber der Heilbronner Stimme durchblicken. „Zielgerichtet“ verhandele das Rathaus derzeit mit einem potenziellen Investor, der das Gebäude kaufen und sanieren würde. Bis Ende Februar müsse man noch über Details verhandeln, so dass die Sache im März den Gemeinderatsgremien vorgelegt werden könne.

Stolperstein? Eigentlich schien der Verkauf schon Ende 2008 unter Dach und Fach. Doch im Advent klopfte ein potenter Nachbar an, der gerne entlang der Kornacherstraße einen rund zwei Meter breiten, insgesamt 240 Quadratmeter großen Streifen kaufen würde. Es handelt es sich um den zu Lidl & Schwarz gehörenden Handelshof. Am Standort Olgastraße plant das Unternehmen auf einem derzeit freien Grundstück nördlich des Laubenganghauses ein großes Parkhaus.

Die potenziellen Laubengang-Investoren betonen allerdings, dass sie auf den Streifen nicht verzichten können, weil sie hier 22 Stellplätze für ihre Mieter anlegen wollen. Die anderen Bereiche rund um das Gebäude würden nicht ausreichen.

Es wäre „schwer zu vermitteln“, wenn die Rettung des Baudenkmals ausgerechnet an der Stellplatzfrage scheitern würde, gibt Agenda-Sprecher Huber zu verstehen, nachdem sich neben SPD und Grünen sogar der OB für den Erhalt eingesetzt habe. Ähnlich sieht es Architekt Kohout. Er warnt vor einer „fatalen Bausünde, die man bald ähnlich bedauern würde, wie die vielen anderen in der Nachkriegszeit“. Gleichzeitig bezeichnen beide die Investoren-Pläne als „dem Charakter des Gebäudes angemessen“.

Das Laubenganghaus wurde 1930/31 von Ludwig Knortz (Heilbronn) gebaut. Wie Architekturhistoriker Tilmann Riegler (Universität Stuttgart) am Montagabend bei einer Info-Veranstaltung in der VHS unterstrich, handelt es sich um eines der wenigen wegweisenden Gebäude der Moderne aus den 20er und 30er Jahren in Heilbronn. Laut Denkmalliste gar um ein „unverzichtbares Dokument zur Geschichte und Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus“. Vorbilder finden sich etwa in Hamburg und in der Bauhaus-Stadt Dessau. Von den dortigen, vorbildlichen Sanierungsprojekten wissen in Wort und Bild die Stimme-Leser Boris und Rolf Richter zu berichten.

Studentenhaus Die beiden Heilbronner Investoren Hans Orban und Manuel Hermoso würden das zuletzt stark vernachlässigte Wohnhaus in Absprache mit dem Denkmalamt sanieren und für heutige, aber eher einfache Ansprüche modernisieren. Als Mieter für die 39 jeweils rund 40 Quadratmeter großen Zimmer kämen Studenten in Frage, aber auch Monteure, die ein Zimmer auf Zeit benötigen.

Das Laubenganghaus wurde 1930/31 erbaut und gilt als Prototyp eines modernen Mietshauses im Bauhaus-Stil. Die Formensprache des Expressionismus ist an der rechteckigen Form und der Symmetrie zu erkennen.Foto: Andreas Veigel
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