Ratten und Müll

Die ehemalige Rotlichtmeile an der Sontheimer Straße in Heilbronn verkommt zu einem Müll- und Ruinenmileu. Seit der Schließung der Freudenhäuser vor genau zehn Jahren stehen die Gebäude leer und verfallen zusehends

Von Joachim Friedl

Als im Rotlichtmilieu mit Metro-Bar (links), Eden-Bar (Mitte) und den Bordellen S 3 und S 7 noch Betrieb herrschte, sah das Quartier deutlich besser aus als heute.

Heilbronn - Die ehemalige Rotlichtmeile an der Sontheimer Straße in Heilbronn verkommt zu einem Müll- und Ruinenmileu. Seit der Schließung der Freudenhäuser vor genau zehn Jahren stehen die Gebäude leer und verfallen zusehends. Die Fenster sind eingeschlagen, die Dächer zum Großteil undicht. Längst haben wohlgenährte Ratten von der einstigen Metro- und Eden Bar sowie den früheren Bordellen S 3 und S 7 Besitz ergriffen. Am helllichten Tag huschen die Tiere durch Zimmer und Flure. Sie haben sich, hat man den Eindruck, an Menschen gewöhnt. Gelegentlich, wenn es kalt und nass ist, suchen Obdachlose in den offen stehenden Gebäuden Unterschlupf.

Nahrung finden die Tiere in den immer größer werdenden widerwärtigen Müllhalden, die sich rings um die Häuser ekelerregend auftürmen. Plastiktüten, prall gefüllt mit Abfällen jeglicher Art, sorgen beim Anblick für Abscheu und Entsetzen. Vervollständigt werden diese Müllplätze durch herumliegende Windeln, Tetrapacks in fast nicht mehr zählbarer Anzahl, Kinderwagen, Autositzen, Pornoheften und Einkaufswagen – die Palette ließe sich beliebig fortsetzen. Und alles liegt in Zentimeter hohem Taubenkot.

Nur wenige Meter von der Bushaltestelle „Südbahnhof“ an der Sontheimer Straße entfernt sieht es so aus: Unrat in Hülle und Fülle.Fotos: Dittmar Dirks
Eingeständnis „Wie kann die Stadt so etwas nur zulassen? Das ist doch in höchstem Maße gesundheitsgefährdend. Und es wird von Tag zu Tag schlimmer“, schüttelt Esther Engländer fassungslos ihren Kopf. Ihr gehört das Gebäude Sontheimer Straße 9. In diesem Haus befindet sich noch immer die legendäre Imbiss-Gaststätte Latasch. Von den drei Backsteingebäuden ist ihr Haus das einzige, in dem noch Mieter wohnen. Die resolute, kleine Frau sorgt sich: „Wer will hier denn wohnen und sich den Dreck ansehen?“

Zerbrochene Fensterscheiben in allen Gebäuden und die Dächer sind undicht.
Die Polizei, beklagt Esther Engländer, schaue nur hin und wieder vorbei, ziehe aber wenig später unverrichteter Dinge wieder ab. Gut ist sie nicht auf die Stadt und Oberbürgermeister Himmelsbach zu sprechen: „Bei der Südstadt-Begehung vor zwei Jahren hat er versprochen, sich darum zu kümmern. Passiert ist nichts, wie man sieht.“

„Mir ist bekannt, dass es da so furchtbar aussieht“, sagt Emil Hoffacker, der 2004 für 4,5 Millionen Mark zusammen mit seinem Partner Peter Schnatterer die Gebäude von der Stadt gekauft hat. Sie planten zusammen mit der Kölner Firma SanVital ein Altenpflegeheim mit 175 Plätzen zu eröffnen. 60 000 Euro blätterten sie für die Baugenehmigung hin. Doch ein Vertrag mit SanVital kam nie zustande. Zwischenzeitlich genießt der ehemalige Hoffacker-Kompagnon Schnatterer das angenehme Klima in der Dominikanischen Republik. „Ich hab’ die Häuser jetzt an der Backe. Wenn jemand kommt und sie kaufen will – sofort“, sagt Hoffacker, Chef der Stromberg-Wohnbau (Bönnigheim) und hofft, dass sich jemand bei ihm meldet.