Preisgekrönt und kritisiert

Im Badener Hof ist in zehn Jahren ein neues, modernes Stadtgebiet entstanden

Nach dem Abriss der Kaserne war das 6,7 Hektar umfassende Bauland eine Brache, das mit dem Bebauungsplan 1998 zu neuem Leben erweckt wurde.

Heilbronn - Im Heilbronner Osten wurde vor genau zehn Jahren mit dem Badener Hof ein Neubaugebiet in bevorzugter Lage zwischen Weinbergen und Feldern geschaffen: Am 26. März 1998 trat der Bebauungsplan in Kraft, heute sind rund 60 Prozent der Flächen in dem Areal verkauft. Rund 750 Personen, darunter 220 Kinder, haben hier eine neue Heimat gefunden. Wie sich das Baugebiet entwickelt hat und vor allem, wie es sich im als nobel geltenden östlichen Stadtteil Heilbronns architektonisch einfügt, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Während die Stadtverwaltung das Konzept lobt, sehen Kritiker im Badener Hof ein Beispiel für eine viel zu dichte Bebauung, die die Gegend „ausmostet“ und die überhaupt nicht in den Osten passe.

Wer das Wohngebiet heute betrachtet, kann von der Vergangenheit dieses Standorts nichts mehr erkennen. Vor langer Zeit beherbergte hier die Ludendorff-Kaserne deutsche Soldaten, nach dem Zweiten Weltkrieg zog die US-Army ein. Als die amerikanischen Streitkräfte 1992 abgezogen waren, erwarb die Stadt Heilbronn 1994 das gesamte Gebiet vom Bund.

Außergewöhnlich Seitdem hat sich im Heilbronner Osten ein Wohngebiet entwickelt, das in mancherlei Hinsicht außergewöhnlich ist, lobt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung ihr eigenes Zutun. Auf dem etwa 6,7 Hektar umfassenden Bauland seien nicht nur über 130 Bauplätze entstanden. Auch ein Kindergarten und ein Bolzplatz seien gebaut worden. Außerdem wurden Grünanlagen mit Spielgeräten geschaffen. Noch ein Vorteil: An der Bushaltestelle mitten im Wohngebiet fährt die Linie 11 ab, die in wenigen Minuten die Innenstadt erreicht, und auch die Stadtbahn ist nur einen Spaziergang weit entfernt.

Die Heilbronner Planer im Rathaus fühlen sich durch eine Auszeichnung bestärkt: Im Jahr 2000 erhielt der Badener Hof als eine von bundesweit sechs Kommunen das LBS-Wappen „Wohnen auf Brachen“. Der erste Preis dieses Wettbewerbs, der für vorbildliche und innovative Leistungen bei der Brachflächenaufbereitung in Ballungsräumen vergeben wird, wurde Heilbronn und dem Badener Hof auch wegen seines ökologischen Planungskonzepts zugesprochen. So bietet das Neubaugebiet mit dem angrenzenden Köpfertal und den umgebenden Naturschutzgebieten für die Anwohner optimale Naherholungs- und Freizeitmöglichkeiten vor der Haustür.

Weitere Pluspunkte aus Sicht der Wertungsrichter: Das Wohngebiet wurde kinderfreundlich angelegt, alte Baumbestände wurden trotz der Umgestaltung des Areals weitgehend erhalten. Außerdem wurden von Beginn der Planungen für das Neubaugebiet Badener Hof an auch ökologische Gesichtspunkte mit einbezogen und umgesetzt, so fließt das Regenwasser nicht in den Kanal ab, sondern schlängelt sich im Bachbett den Hang hinab. Etwa 15 Prozent des Wärmebedarfs des gesamten Baugebietes werden durch Solarenergie, der Rest durch umweltfreundliche Nahwärme abgedeckt.

Diese Vorzüge sind zwar unbestritten. Das versöhnt die Kritiker aber nicht, die den Badener Hof durch seine dicht stehenden modernen Wohnblocks als ästhetischen Fremdkörper in der eher konservativen Architektur des Heilbronner Ostens empfinden. red/mut

Die Ludendorff-Kaserne beherbergte deutsche Soldaten, nach dem Zweiten Weltkrieg zog die US-Army ein.Fotos: Archiv/Schwab
So sieht der Badener Hof heute aus: Wie gut passen die modernen Wohnblocks in die Landschaft und das gewachsene architektonische Gefüge im Heilbronner Osten?Foto: Dittmar Dirks