Ohne Stellwerk kein Bahnhof

Heilbronn - Moderne Technik stellt Weichen für einen reibungslosen Bahnverkehr

Von Laura Eßlinger

Der Team- und Feinleiter des Heilbronner Stellwerks, Dieter Bruckner, erklärt im Relais-Raum, wie die Züge gelenkt werden.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Wer denkt schon bei einer Zugfahrt daran, ob die Weichen richtig gestellt, die Signale alle eingeschaltet oder die Zugstrecke überhaupt frei und befahrbar ist? Solange die Züge fahrplanmäßig unterwegs sind, spielen solche Überlegungen für die meisten keine große Rolle. Anders so für rund 70 lokalhistorisch Interessierte, die diesen Fragen bei der sechsten Führung der „Heilbronner Einblicke 2008“ durch das Stellwerk Heilbronn auf der Spur sind.

Entwicklung

Das Stellwerk steuert und koordiniert den gesamten Zugbetrieb in und um den Heilbronner Hauptbahnhof. Team- und Feinleiter der Leit- und Sicherungstechnik des Heilbronner Stellwerks, Dieter Bruckner, macht den Technikbegeisterten schnell klar, dass sich gerade hier die rasche und bedeutende Veränderung durch die technische Entwicklung bemerkbar macht: Wurden die Geräte und Weichen anfänglich noch von Hand bedient, so setzen die drei Fahrdienstleiter des Stellwerks heute auf Technik. Verblüfft sind die Teilnehmer, als sie hören, wie häufig hier Daten überprüft und eingegeben werden müssen. Erst wenn alle Aus- und Einfahrzeiten der Züge passend aufeinander abgestimmt sind, können diese auch tatsächlich rollen.

Die vielen Absicherungen haben jedoch auch ihren Grund. „In den 80er Jahren entgleiste hier ein Zug, weil eine Weiche falsch eingestellt war“, erinnert Bruckner. Daraufhin wurde die Region Heilbronn zum Vorreiter in Sachen Sicherheit: Bundesweit wurden zusätzliche Sicherungen an den Gleisen angebracht. Computer und Stellwerksmitarbeiter überprüfen diese nun doppelt.

„Die Entwicklung ist mittlerweile sogar so weit, dass die Stadtbahn theoretisch auch aus Hamburg gelenkt werden könnte“, wirft Dieter Bruckner in die Runde. Schon staunen die Zuhörer wieder.

Historie

Nun kommt Roland Rösch zum Zug. „Vor 50 Jahren hatte ich hier meinen ersten Stellwerksdienst“, erklärt der ehemalige Eisenbahner. Den dicken Wälzer für die Ausbildung zum Fahrdienstleiter trägt er unter dem Arm. „Einzelne Passagen kann ich auch heute noch zitieren.“

In den 50er Jahren gab es hier zehn Stellwerke. „Da hat man noch mit dem Auge entschieden, ob ein Gleis frei war.“ Heute macht das die Technik, indem sie die Gleise mittels Impulsen, die sie durch die Leitungen schickt, auf Widerstände prüft. „Und wie besprechen sich die verschiedenen Stellwerke untereinander?“, fragt ein älterer Herr. „Das wird auch heute noch per Telefon gemacht“, beruhigt ihn Rösch.

Am Freitag, 15. August, ist die letzte Führung zu den „Heilbronner Einblicken 2008 “. Ab 14 Uhr geht es mit dem Zug durch die Waschanlage zum Rangierbahnhof Böckingen. Anmeldung: 07131/562806.