Ober sticht Unter bei Abriss der Villa

Heilbronn - Die Nachricht über den Abriss der gelben Villa in der Heilbronner Badstraße sorgt seit Tagen vor allem für erboste Meinungsbeiträge. Lokale Bedürfnisse spielen bei Bewertung historischer Bausubstanz keine Rolle

Von Joachim Friedl


Heilbronn - Die Nachricht über den Abriss der gelben Villa in der Heilbronner Badstraße sorgt seit Tagen vor allem für erboste Meinungsbeiträge auf stimme.de: "So wird mit Kulturdenkmälern umgegangen. Die Stadt sollte sich schämen." "...hier wird Stadtgeschichte unwiederbringlich zerstört." "Was die Bomben nicht schafften, schaffen die Architekten". "Hier muss man abwägen: Eine alte Villa oder ein rentabler Sponsor."

Bewertung


"Heilbronn hat das maximal Mögliche getan", reagierte gestern Joachim Hennze auf das Unverständnis vieler Heilbronner über den Abriss der gelben Villa. Lokale Bedürfnisse spielten bei der Bewertung von historischer Gebäudesubstanz aufgrund der Gleichbehandlung aller Denkmäler im Land aber keine Rolle, stellte der Heilbronner Denkmalpfleger sachlich fest. Dies gelte auch dann, wenn ein Gebäude zwar für die Stadtgeschichte bedeutsam, aus überregionaler Sicht jedoch unwesentlich sei. Im Regierungspräsidium Stuttgart habe man eben eine andere Brille auf als in Heilbronn.

Neuordnung


Deshalb habe auch die städtische Baurechtsbehörde keine Möglichkeiten gesehen, gegen die Entscheidung der baden-württembergischen Denkmalbehörde juristisch vorzugehen. "Ober sticht Unter", bringt es Hennze auf die einfache Formel. Wie berichtet, hatte das Landesdenkmalamt die Villa aus dem Jahre 1925 nicht als Kulturdenkmal eingestuft.

Auch bei einem Vor-Ort-Termin im Dezember des vergangenen Jahres waren die Landesdenkmalschützer zu keiner anderen Auffassung gelangt. Zu viele Details seien im Inneren des von Architekt Hermann Steus erbauten Gebäudes zerstört oder im Lauf der Jahre entfernt worden, heißt es in einer Erklärung. "Diese fachliche Feststellung ist für uns als Untere Denkmalschutzbehörde bindend", fasst Joachim Hennze noch einmal zusammen. Für den Erhalt des 85 Jahre alten Gebäudes hatte auch die Bürgerbewegung Lokale Agenda 21 gekämpft.

Um das Gelände zwischen der Olga- und Badstraße arrondieren zu können, hat die Kaufland-Gruppe die alte Angele-Villa neben dem Handelshof gekauft. Sie stand bislang einer reibungsloseren Warenanlieferung sowie dem neuen internationalen Bemusterungszentrum der Kaufland Dienstleistungs GmbH Co. KG im Wege.