Mit Tradition in die Zukunft

Heilbronn - Als Adolf Schnepf 1919 seinen Textilgroßhandel gründete, herrschte in der Branche noch Aufbruchstimmung. Das hat sich längst geändert. Das Unternehmen ist der einzige Großhandel für Textilien, der Heilbronn geblieben ist.

Von Bärbel Kistner

Heilbronn - Als Adolf Schnepf 1919 seinen Textilgroßhandel gründete, herrschte in der Branche noch Aufbruchstimmung. Das hat sich längst geändert. Das Unternehmen ist der einzige Großhandel für Textilien, der Heilbronn geblieben ist.

In den 20er und 30er Jahren und in der Nachkriegszeit war die Bahnhofstraße eine wichtige Adresse im Textilgroßhandel. Die Firmen haben nach und nach aufgegeben. Ackermann, später ins Böckinger Industriegebiet umgesiedelt, wurde Ende der 90er Jahre verkauft.


Aufbruch pflegen

Erhard Schnepf, der 1972 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Albert die Geschäfte übernommen hat, will im Jahr des 100. Geburtstags "den Aufbruch pflegen und weniger Rückschau halten". Immer wieder hat sich das Unternehmen Veränderungen des Marktes anpassen müssen.


Drei Außendienstmitarbeiter sind in Baden-Württemberg und Hessen noch tätig, doch deren Umsätze sind nicht mehr am Steigen. Aus den neuen Bundesländern hat sich Schnepf nach verlustreichen Jahren zurückgezogen: "Der Konzentrationsprozess verläuft dort im Zeitraffer." Das bedeute für den Einzelhandel: viele Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese und immer weniger Fachgeschäfte.

Lücken

Nach wie vor gibt es Kunden im angestammten Markt, etwa kleine Lebensmittelmärkte, die eine Abteilung für Textilien aufrechterhalten. Doch die Lücken auf der Kundenlandkarte mehren sich. Alteingesessene Bekleidungsgeschäfte schließen, neue kommen kaum hinzu. "Wir müssen uns mit dem Großhandel weiter öffnen", betont der Inhaber. Unter dem Namen Teamwear hat sich Erhard Schnepf eine solche Nische gesucht. "Wir machen das seit rund vier Jahren, und das Geschäft wird mehr." Gemeint ist Firmenbekleidung für Mittelständler: der Flaschnerbetrieb, der seine Mitarbeiter in einheitlichen Shirts zu den Kunden schicken, oder der Einzelhändler, der seine Verkäuferinnen mit schicken Blusen ausstaffieren möchte.


Ausweise

Die Verkaufsräume in der Bahnhofstraße wurden jüngst modernisiert. Auf vier Etagen und 1300 Quadratmetern Fläche gibt es Damen-, Herren- und Kinderkollektionen, Miederwaren, Strümpfe und Handarbeitsbedarf. Die Gewerbetreibenden sollen sich hier für ihren privaten Bedarf eindecken können, es gibt Einkaufsausweise. Aber: "Wir schicken keinen Kunden weg", verspricht Schnepf. Den Standort in der Innenstadt gehalten zu haben, erweise sich als großer Vorteil.

Überschneidungen zum Einzelhandel sind unvermeidbar, der Kreis zu den Anfängen, dem 1911 gegründeten Laden der Großmutter, schließt sich. Schnepf ist überzeugt: "Unsere momentane Neuausrichtung wird nicht die letzte Veränderung gewesen sein." Das Haus habe viel Potenzial für eigenständige Wege. Und mit Tochter Charlotte steht die nächste Generation bereit. Die 21-Jährige will Mode- und Designmanagement studieren.

Mit Tradition in die Zukunft
Strickwaren sind ein Schwerpunkt des Textilgroßhandels. Auf 1300 Quadratmetern Fläche werden Damen-, Herren- und Kinderkollektionen angeboten.
Mit Tradition in die Zukunft
Firmengründer Adolf und Pauline Schnepf mit Kindern. Das Ehepaar eröffnete 1911 in Böckingen ein Weißwarengeschäft, der Großhandel kam 1919 dazu.Foto: privat