Mietshaus und Pension in einem

Heilbronn - Nach einem fast 20-jährigen Überlebenskampf erstrahlt das immer wieder vom Abriss bedrohte Laubenganghaus an der Olgastraße in Heilbronn in neuem Glanz. Voraussichtlich Anfang April soll das sanierte Gebäude in der Bahnhofsvorstadt, eines der wenigen herausragenden Baudenkmäler der Stadt, seiner Bestimmung übergeben werden. Am Samstagnachmittag informierten sich der Agenda-Arbeitskreis Wohnen und gut fünf Dutzend interessierte Bürger über den Stand der Arbeiten.

Von Joachim Friedl

Mietshaus und Pension in einem
Das Angebot des Agenda-Arbeitskreises Wohnen, das Laubenganghaus an der Olgastraße zu besichtigen, fand eine große Resonanz.Fotos: Dittmar Dirks

Heilbronn - Nach einem fast 20-jährigen Überlebenskampf erstrahlt das immer wieder vom Abriss bedrohte Laubenganghaus an der Olgastraße in Heilbronn in neuem Glanz. Voraussichtlich Anfang April soll das sanierte Gebäude in der Bahnhofsvorstadt, eines der wenigen herausragenden Baudenkmäler der Stadt, seiner Bestimmung übergeben werden. Am Samstagnachmittag informierten sich der Agenda-Arbeitskreis Wohnen und gut fünf Dutzend interessierte Bürger über den Stand der Arbeiten.

Nachfrage ist groß

1,5 Millionen Euro haben die Investoren Hans Orban und Manuel Hermoso, ein Reeder und ein Rechtsanwalt, die sich schon seit längerem mit „wirtschaftlich interessanten Immobilien“ beschäftigen, in die Hand genommen. Mit viel zeitlichem Aufwand und intensiven Gesprächen mit dem Landesdenkmalamt haben sie in dem 1930/31 von Ludwig Knortz (Heilbronn) im Bauhausstil errichteten Laubenganghaus eine Kombination von Mietwohnungsbau und Einfach-Hotellerie verwirklicht.

In den beiden Obergeschossen entstanden 40 Wohnungen mit Größenzuschnitten von 40, 44 und 53 Quadratmetern. Die relativ günstige Miete reicht von 290 bis 370 Euro. Wie Architekt Frank Habicht (Flein) betonte, seien zahlreiche Türen zwar überarbeitet, aber noch im Originalzustand eingebaut worden. In den kommenden 14 Tagen sollen hier die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Gut 50 Prozent dieser Wohnungen sind vermietet und zwar überwiegend an Beschäftigte der umliegenden Firmen und Dienstleister.

Mietshaus und Pension in einem
Tilmann Riegler (rechts) im Gespräch mit einem Bauhandwerker.

Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss entsteht ein Gästehaus für reduzierte Ansprüche. 39 Appartements mit jeweils zwei Zimmern, Küche und Bad sind hier vorgesehen. Im Vorbau wird die Rezeption angesiedelt.

„Obwohl die Stadt Heilbronn das Haus vor der Übergabe geräumt hatte, haben wir nochmals 72 Müllcontainer abgefahren“, erinnert sich Manuel Hermoso an die Anfänge des Sanierungsprojekts. Im Gedächtnis haften geblieben sind ihm auch die aufwendigen Arbeiten, um die Graffiti-Schmierereien von der Hauswand zu entfernen: „Das war ein richtiges Problem, da aufgrund der unterschiedlichen Sprühlacke auch unterschiedliche Abbeitzvorgänge notwendig wurden.“

Die Fassade selbst wurde drei Mal mit dem Dampfstrahler behandelt und zeigt sich heute wieder im Ursprungszustand. Risse und fehlende Klinker wurden mit Materialien behandelt und ersetzt, die in den 20er und 30er Jahren zum Baustandard gehörten.

Handarbeit

Erneuert wurden alle Fenster - bis auf eines. „Das war ein Zugeständnis an das Landesdenkmalamt“, verrät Manuel Hermoso. Und man sieht dem Fenster auch seine Vergangenheit noch an: Der Rollladen sitzt schief und ist verschmutzt, das Holz ist verwittert, die Scheibe ist kaputt. Bis zum April jedoch wird das Fenster in Handarbeit so gerichtet, dass es wieder dem Ursprungszustand wie im Einbaujahr entspricht.

Den „spannenden und langen Überlebenskampf“ des Laubenganghauses ließ Alfred Huber vom Agenda-Arbeitskreis Wohnen Revue passieren. Diplomingenieur Tilmann Riegler von Strebewerk Bauaufnahme und Dokumentation Stuttgart erläuterte im Rahmen einer Führung den gesellschaftlichen Hintergrund, die Formensprache des Gebäudes und gab interessante Baudetails dieses Zeugnisses sozialen Wohnungsbaus bekannt.