Letzter Bauzeuge der alten Allee fällt

Heilbronn - Pünktlich zum Ablauf des Mietvertrages hat der letzte Nutzer, ein Brautmodengeschäft, das Erdgeschoss geräumt. Heute beginnen in der Allee 18 die Abbrucharbeiten an der Villa Hauck. Wie die bereits abgerissenen Kinos wird sie einem Neubau der Volksbank Platz machen.

Von unserem Redakteur Kilian Krauth



Heilbronn - Pünktlich zum Ablauf des Mietvertrages hat der letzte Nutzer, ein Brautmodengeschäft, das Erdgeschoss geräumt. Am heutigen Mittwoch beginnen in der Allee 18 die Abbrucharbeiten an der Villa Hauck. Wie die bereits abgerissenen Kinos wird sie einem Neubau der Volksbank Platz machen.

Die Villa war vor 100 Jahren im späten Barockstil des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. gebaut und 1944 stark beschädigt worden. Der Nachkriegsbau trägt klassizistische Züge. Die Villa ist der letzte bauliche Zeuge der historischen Allee. Architekt war Adolf Braunwald (1875-1951). Er plante unter anderem die erste Heilbronner Hütte in Südtirol, den Pavillon im Seniorengarten am Wartberg und die Villa Fuchs an der Jägerhausstraße.

Theater-Mäzen

Bauherr Ludwig Hauck (1870-1939) leitete die Zigarrenfabrik Reiner, führte den Reichsverband Deutscher Zigarrenhersteller und war bis 1933 Präsident der Handelskammer Heilbronn. Der weit gereiste Rotarier-Präsident und parteilose Gemeinderat war auch Kulturfreund. Mit einer stattlichen Summe hatte er sich in die Riege der Förderer des Stadttheaters eingereiht, also des Jugendstilbaus, der 1970 gesprengt wurde.

Protest erfolglos

Gegen den Abriss der Villa Hauck protestierte die Bürgerbewegung Lokale Agenda 21 ohne Erfolg. Beim Regierungspräsidium Stuttgart stellte sie sogar einen Eilantrag auf Denkmalschutz. Doch das Landesamt für Denkmalpflege kam zu der Auffassung, "dass es sich nicht um ein Kulturdenkmal" handle. Der Wiederaufbau entspreche nicht der Qualität des Originals, zudem seien bis in die 60er Jahre hinein Umbauten vorgenommen worden. Schöne Details reichten nicht aus. Kurzum: "Ein öffentliches Interesse an der Erhaltung kann nicht festgestellt werden."


Die Volksbank hatte es den Teilnehmern eines Wettbewerbs für ihren Neubau frei gestellt, die Villa in ihr Anforderungsprofil zu integrieren. Doch keiner der acht Planer sah eine Möglichkeit, auch nicht Wettbewerbssieger Mattes Sekiguchi und Partner (Heilbronn). Zwischenzeitlich spielte man mit dem Gedanken, wenigstens Teile zu integrieren, aber auch dies wurde verworfen. Immerhin: Das Stadtarchiv hat Interesse an kleinen Steinengeln angemeldet. Mehr dürfte von dem Haus kaum übrig bleiben. Nach Angaben von Volksbank-Vorstand Matthias Hellmuth soll der Abriss am 18. November abgeschlossen sein.

Volksbank-Neubau

Der auf 30 Millionen Euro veranschlagte Neubau soll Mitte 2013 fertig sein. Die Volksbank wird 40 Prozent der 8000 Quadratmeter großen Nutzfläche belegen. Im Erdgeschoss sind eine Apotheke sowie ein Café und ein Restaurant vorgesehen. Hauptmieter der Obergeschosse ist die bisher an der Pestalozzistraße angesiedelte Chirurgische Privatklink und Gemeinschaftspraxis Mütsch, Kußmaul, Simpfendörfer. Daneben werden drei Facharztpraxen einziehen.

Grundidee des vom Gemeinderat einmütig begrüßten Neubaus ist die Einordnung in den Bestand und die Schaffung einer großstädtischen Torsituation, die in U-förmige Höfe führt. Die an das Klosterhof-Kaufhaus erinnernde Fassade zeigt hellen Muschelkalk. Sie wird durch vertikale Fenster gegliedert. Gestalterisches Glanzlicht soll ein in Glas gehaltener Saal am Haupttor sein.