Im Alltag ist viel Psychologie gefragt

Reiner Hettinger ist neuer Präsident des Amtsgerichts und arbeitet dabei auch weiter als Richter

Im Alltag ist viel Psychologie gefragt
Zeitung, Nachschlagewerke und ein bisschen süße Nervennahrung: Reiner Hettinger hat an seinem neuen Schreibtisch Platz genommen.Foto: Stefanie Sapara

Heilbronn Reiner Hettinger ist eine kleine juristische Besonderheit. Der neue Präsident des Heilbronner Amtsgerichts kommt aus dem Badischen ins Württembergische. "Die Justiz wird oft noch als getrennt angesehen", erklärt Hettinger, bisheriger Vizepräsident des Landgerichts Mosbach, schmunzelnd. "Ich sehe da eher den Bindestrich zwischen beiden Landesteilen."

Doppelfunktion Derzeit hat Hettinger noch eine Doppelfunktion. Weil im Mosbacher Landgericht die Präsidentenstelle nicht besetzt ist, übernimmt der 52-Jährige bislang die Vertretung.

Zum ersten Juli wird beim Amtsgericht Heilbronn ein Zentrum eröffnet, welches Grundbücher digitalisiert. 45 neue Arbeitsplätze entstehen dadurch. 2018 steht die große Notariatsreform an. In Heilbronn wird dann beim Amtsgericht ein zentrales Grundbuchamt entstehen. Es vereinigt die Grundbücher für das Gebiet der Amtsgerichte Heilbronn, Besigheim, Brackenheim, Künzelsau, Marbach, Öhringen, Schwäbisch Hall und Vaihingen an der Enz. "Es gibt viel anzupacken, das ist eine spannende Aufgabe", sagt Reiner Hettinger. 230 Beschäftigte hat das Amtsgericht bisher schon, dazu kommen rund 150 Beschäftigte in den dem Amtsgericht zugeordneten Notariaten.

Trotz vieler Verwaltungsaufgaben hat er sein Richterdasein nicht an den Nagel gehängt. Ein Drittel seiner Stelle fällt auf die Arbeit als Zivilrichter am Amtsgericht. "Ich würde das sehr vermissen, ich arbeite unheimlich gerne als Richter. Es ist wichtig, an der Basis dranzubleiben." Das Spannende an seinem Beruf? "Es ist das pralle, buntgemischte Leben, mit dem ich zu tun habe", erklärt Hettinger. Ob Verkehrsunfälle, Bau- oder Darlehenssachen, "jeder Fall ist anders". Bei allem müsse man immer neutral bleiben. "Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Sympathie erkennen zu lassen." Eine Herausforderung, vor allem wenn bei den Parteien die Emotionen hochkochen. "Verhandlungsführung hat viel mit Psychologie zu tun", verrät Reiner Hettinger.

Ganz automatisch nehme er die Arbeit gedanklich auch mit nach Hause. "Den Schalter im Kopf habe ich noch nicht gefunden", sagt er lachend. "Etwas runterkommen, nachdenken, die 40 Minuten Fahrzeit nach Hause kommen mir eigentlich ganz gelegen." Hettinger wohnt mit seiner Familie weiterhin im Raum Mosbach, pendelt täglich nach Heilbronn.

Familie Bei allem darf eines nicht zu kurz kommen: "Meine Familie hat bei mir einen hohen Stellenwert." Hettinger ist verheiratet, hat zwei sechzehnjährige Zwillingstöchter. Und auch wenn der Amtsgerichtspräsident derzeit "von einem Acht-Stunden-Tag weit entfernt" ist und für Hobbys kaum Zeit bleibt: Das Radfahren hat der gebürtige Wertheimer nicht aufgegeben. Ab und an packt er den Drahtesel in den Kofferraum und startet abends von Heilbronn aus eine kleine Tour durch die Region: am Neckar entlang nach Lauffen, durchs Jagsttal oder die Heilbronner Innenstadt − "es gefällt mir hier".