Hells Angels haben neue Bleibe

Ein paar Farbeimer an der Hausecke sind derzeit das einzige äußere Anzeichen, dass die Biberacher neue Nachbarn bekommen. „Es stimmt. Zwei von uns haben das Haus für rund 160.000 Euro gekauft.“ Eric Lago, einer der Chefs der Hells Angels, bestätigt, was in Biberach zurzeit die Runde macht: Die Rockergruppe hat eine neue Bleibe gefunden

Von Nicole Amolsch

"Hell's Angels"
Die Kutte mit dem Schriftzug ist ebenso Markenzeichen der Rockergruppe wie die Harley.Foto: dpa  

Heilbronn - Ein paar Farbeimer an der Hausecke sind derzeit das einzige äußere Anzeichen, dass die Biberacher neue Nachbarn bekommen. „Es stimmt. Zwei von uns haben das Haus für rund 160.000 Euro gekauft.“ Eric Lago, einer der Chefs der Hells Angels, bestätigt, was in Biberach zurzeit die Runde macht: Die Rockergruppe hat eine neue Bleibe gefunden. Am Förstle 4. Bis vor rund eineinhalb Jahren hatte die neuapostolische Gemeinde das Gebäude gegenüber des Täler- und Auenparks genutzt.

Ende 2007 sollten die „Höllenengel“ ihr ehemaliges Clubhaus am Weinsberger Sattel räumen – sie hatten es ohne Baugenehmigung erweitert. „Die Stadt wollte uns bei der Suche helfen, da kam aber nichts“, sagt Lago. „Deshalb sind wir auf eigene Faust aktiv geworden.“ Und fündig. „Wir sind noch in der Anfangsphase, planen in dem Gebäude aber unser neues Vereinsheim.“

Bei der Stadt hält man den Ball flach: „Offiziell haben zwei Privatpersonen das Gebäude gekauft“, sagt Christian Britzke, Pressesprecher der Stadt Heilbronn. Der Kauf sei seines Wissens nach rechtmäßig und ohne Beteiligung der Stadt abgelaufen. „Bislang liegt bei uns jedoch kein Antrag vor, die Räumlichkeiten in ein Vereinsheim umzuwandeln.“ Diesen müssten die Betreiber zuerst stellen. Die Genehmigung hinge dann von mehreren Umständen ab. Britzkes erste Einschätzung: „Die Stadtverwaltung wird sich aber wohl schwer tun, die Genehmigung nicht zu erteilen, dazu gibt es kaum Grundlagen.“

Wenn es nach den Hells Angels geht, ist Am Förstle 4 in Biberach künftig ihr Treffpunkt. Das Gebäude hatte bis vor rund eineinhalb Jahren die neuapostolische Gemeinde genutzt. Foto: Ralf Seidel  
Keine Vorurteile schüren Jörg Greiner, Vorsitzender des Biberacher Ortskartells, möchte keine Vorurteile schüren. „Wir wollen keine Gegnerschaft aufbauen, so lange wir nicht wissen, wie sie sich verhalten. Das ist uns ganz wichtig.“ Bezirksbeiratssprecher Siegfried Dodenhöft sieht das ähnlich: „Ich gehe davon aus, dass es keine Probleme gibt.“ Am Weinsberger Sattel seien sie auch nicht weiter aufgefallen. Das bestätigt auch Heilbronns Polizeisprecher Peter Lechner: „Im eigenen Revier sind sie ruhig.“

Dennoch sorgen die Neuigkeiten in Biberach für Gesprächsstoff. „Natürlich spricht man am Stammtisch darüber“, sagt ein 60-Jähriger. „Wenn die anfangen, mit ihren zwanzig, dreißig Motorrädern zu knattern, ist schon etwas los hier.“ Obwohl sie „eigentlich keine Vorurteile hat“, ist eine 41-jährige Biberacherin skeptisch: „So ganz wohl ist es mir nicht, der Name schreckt schon ab.“ Und ein 70-Jähriger spricht sogar von der Angst, „dass es jetzt in Biberach zu Ausschreitungen kommt.“

Eine 49-Jährige sagt dagegen: „Ich habe schon ein paar von ihnen gesehen in ihren Kutten. Die stören doch keinen. Ich sage: leben und leben lassen.“ Ihre Namen wollen sie allesamt nicht nennen. Die Skepsis ist dann doch zu groß. „Ich kann verstehen, dass ein paar Anwohner nicht begeistert sind“, sagt Eric Lago. „Aber wenn wir erst mal eine Weile da sind, werden die Leute merken, dass man mit uns umgehen kann.“