Heimatbund rettete Schießhaus

Bezirksgruppe feiert 100-jähriges Bestehen mit Festakt − Geschichtlicher Rückblick

Von Joachim Friedl

Heimatbund rettete Schießhaus
Schauplatz des Festakts am 15. April ist das Heilbronner Schießhaus. Dass dieses architektonische Schmuckstück noch steht, ist dem Heimatbund zu verdanken: Oberbürgermeister Emil Beutinger wollte es 1929 abreißen lassen.Foto: Archiv/Kempf

Heilbronn - Die Sorge um Kunst und Handwerk des Fabrikanten Peter Bruckmann war ausschlaggebend für die Entstehung der Bezirksgruppe Heilbronn im Schwäbischen Heimatbund vor 100 Jahren. Am 15. April wird bei einem Festakt im Schießhaus an die Gründung der Sektion gedacht. In den ersten zehn Jahren ihres Bestehens hat die Bezirksgruppe ein zurückhaltendes Vereinsleben geführt, hat der Heilbronner Denkmalschützer Joachim Hennze herausgefunden.

Die Anfänge Von 1920 an engagierten sich drei neue Personen in der Heilbronner Bezirksgruppe: Der Oberreallehrer Gottlieb Löffler (1868 bis 1949), der Redakteur Otto Kienzle (1866 bis 1945) und der Oberbaurat Fridolin Rimmele (1873 bis 1953). Löffler organisierte die Ausstellungen "Wanderung durch die Natur im Wechsel der Jahreszeiten" im November 1923 und "Alt-Heilbronn im Bilde" mit Kupferstichen und Lithografien, die im November 1924 zu sehen war. Nach 1925 widmete er sich einzig der Landschaftsmalerei und verzog als Pensionär nach Ludwigsburg.

Otto Kienzle arbeitete von 1896 an als politischer Redakteur beim Heilbronner Generalanzeiger. Als Vertrauensmann der Bezirksgruppe war er mehrfach in Erscheinung getreten, verlagerte aber nach seiner Pensionierung 1926 seine Aktivitäten in den Verkehrs- und Verschönerungsverein, dessen Vorsitzender er von 1925 bis 1936 war.

1919 wurde Fridolin Rimmele, Chef des Heilbronner Bezirksbauamtes, in der Bezirksgruppe aktiv. Rimmele bekleidete gleichzeitig den Vorsitz der Pflegschaft Heilbronn des Landesamtes für Denkmalpflege und war damit Heilbronns erster hauptamtlicher Denkmalpfleger. Er legte 1926 die erste Denkmalliste Heilbronns vor, sammelte 1929 Mitstreiter und Mäzene zur Gründung des Bauvereins St. Kilian und widersetzte sich im selben Jahr den Forderungen von Oberbürgermeister Emil Beutinger, das Schießhaus von 1771 am Hammelwasen abzureißen.

Nachkriegsära Die Aktivitäten der Bezirksgruppe schliefen während des Dritten Reiches ein und kamen mit der Pensionierung von Fridolin Rimmele 1938 ganz zum Erliegen. Nach der Zerstörung der Stadt 1944 sollte es Jahre dauern, bis wieder an eine regelmäßige und finanzierbare Kulturarbeit zu denken war. 1949 kam der in Ulm geborene Architekt Heinrich Röhm nach der Kriegsgefangenschaft nach Heilbronn. Ihm verdanken die Heilbronner die Reorganisation der Bezirksgruppe 1950. Von 1989 bis 2006 engagierte sich der Stadtverwaltungsdirektor a. D. Willi Lutz erfolgreich in der Position des Vorsitzenden.

Zum 100. Geburtstag des Schwäbischen Heimabundes erscheint im April ein Buch zu seiner Geschichte. Darin enthalten ist auch ein Aufsatz "Geschichte und Engagement. Bezirksgruppe Heilbronn des Schwäbischen Heimatbundes" von Dr. Joachim Hennze, Vorstandsmitglied der Bezirksgruppe Heilbronn und Denkmalschützer der Stadt Heilbronn.