Heilbronner Kanalhafen: Qualitätssprung am Neckar

Heilbronn - Der Heilbronner Kanalhafen wird heute 75 Jahre alt. Die Einweihung vom 28. Juli 1935 markiert gleichzeitig den Ausbau des Neckars für die Großschifffahrt. Mit großem Hallo, Reden und mit einer Bootsregatta wurde das Jahrhundertprojekt gefeiert.

Von Kilian Krauth



  

Heilbronn - Der Heilbronner Kanalhafen wird heute 75 Jahre alt. Die Einweihung vom 28. Juli 1935 markiert gleichzeitig den Ausbau des Neckars für die Großschifffahrt. Die restlichen 90 Kilometer bis Plochingen sollten nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1952 folgen.

Als das 113 Kilometer lange, mindestens 2,80 Meter tiefe und mit elf Schleusen versehene Hauptstück zwischen Heilbronn und Mannheim an einem Sonntag seiner Bestimmung übergeben wird, ist das Hallo groß. Mitglieder der württembergischen, badischen und hessischen Landesregierungen sitzen ebenso im Boot wie Reichsverkehrsminister Paul von Eltz-Rübenach. Allen voran beschwört Oberbürgermeister Heinrich Gültig die Wettbewerbsfähigkeit der Schifffahrt.

Peter Bruckmann

Mit der Freigabe des 2300 Meter langen Kanalhafens endet die Epoche der Neckaresel. So nannte man die Schiffe, die mit Dampfmaschinen sich und mehrere angehängte Frachter an einer im Fluss verlegten Kette ab Heidelberg neckaraufwärts zogen. Ihnen folgten fortan Boote mit Schiffsschrauben, die von Diesel- oder Dampfmotoren angetrieben werden.

Die Kanalisierung in die Gänge gebracht hat maßgeblich Peter Bruckmann. Der legendäre Heilbronner Silberwarenfabrikant, Landtagsabgeordnete und Mitbegründer des Deutschen Werkbundes machte sich als Vorsitzender des Südwestdeutschen Kanalvereins 1919 bis 1933 für den Ausbau stark. Begonnen wurde mit dem Jahrhundertprojekt 1921 an verschiedenen Stellen. Schon 1925 war die Strecke Kochendorf-Neckarsulm fertig, danach folgten Abschnitte in Baden, 1935 schließlich Neckargerach − Gundelsheim − Kochendorf und Heilbronn.

Auf der städtischen Seite des neuen Kanalhafens siedelten sich sogleich ein halbes Dutzend bedeutende Speditions- und Lagerfirmen an, besonders für Kohle und Getreide. Zu den Pionieren gehörte die Rederei Schwaben, die neben Rhenus und Wincanton bis heute zu den großen drei Logistikern gehört. In besonderem Maße profitierten von der Wasserstraße die Salzwerke, aber auch Maschinenbauer wie Drauz. Zur Jahreswende 1935/36 drehte sich der erste, 24 Meter hohe Kran. 1939 wurden zwei Millionen Tonnen umgeschlagen (2009: 3,6); das übertraf alle Erwartzungen.

Mit den neuen Hafenanlagen verbunden ist das damals einmalige "Heilbronner Modell": Die Grundstücke gehören der Stadt, die sie an Firmen verpachtet, die darauf selbst investieren. Heute zählt der Kanalhafen 20 Anlieger, auf die zwölf Prozent des Hafenumschlags entfallen.

Aktuelle Projekte

Ein für 2010 ins Auge gefasstes Jubiläumsfest fiel übrigens ins Wasser: "Wegen allgemeiner Sparzwänge", wie Hafendirektor Wolfgang Feger erklärt. Aber der Hafenbetreiber, die Heilbronner Versorgungs GmbH (HVG), wolle dies 2011 nachholen: bei der Grundsteinlegung für das auf elf Millionen Euro veranschlagte Containerterminal. Er dürfte den bisher überwiegend von Massengütern wie Kohle, Salz und Baustoffen geprägten Umschlag in Heilbronn um eine tragende Säule erweitern. Noch 2010 wird mit der auf sieben Millionen Euro bezifferten Erneuerung der Hafenbahnbrücke begonnen. Endlich angepackt werden soll 2011 auch der etappenweise Einbau von Spundwänden, derzeit ist der Kanalhafen mit Schrägufern ausgestattet, die das Verladen erschweren.

Schleusenausbau

Einen Qualitätssprung erhoffen sich die Neckarschiffer von einem Projekt ganz anderer Dimension: Bis 2024 will der Bund für 575 Millionen Euro alle 27 Neckarschleusen sanieren und von 105 auf 135 Meter verlängern. Der Neckar wäre frei für die neue Generation von Großschiffen − und die Umschlagskurve dürfte nach Jahren der Talfahrt nach oben zeigen.



Kommentar hinzufügen