Heilbronner Hafen wieder im Aufwind

Heilbronn - Im Heilbronner Hafen wurden 2008 rund 3,9 Millionen Tonnen Güter verladen. Das sind 3,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Heilbronn laufen bereits Planungen für einen neuen Container-Hafen, der Mitte 2010 fertig sein soll. Außerdem sollen die Ufer am Kanalhafen Zug um Zug saniert werden.

Von Kilian Krauth

Hafen wieder im Aufwind

„Unser Ergebnis steht und fällt mit der Witterung. Wenn es schön kalt ist, geht es uns gut.“

Hafendirektor Feger

Heilbronn - Nach dem bescheidenen Vorjahr ist der Umschlag im Heilbronner Hafen 2008 wieder gestiegen. Mit 3,9 Millionen Tonnen wurden 3,3 Prozent mehr Güter verladen als 2007. In Spitzenjahren steigt der Pegel über fünf Millionen Tonnen; zuletzt war dies 1999 mit 5,3 Millionen Tonnen der Fall, 2006 erreichte man immerhin 4,7 Millionen. In der inoffiziellen Binnenhafen-Bundesliga rangiert Heilbronn inzwischen nur noch auf Platz acht: Der badische Rheinhafen Kehl hat die schwäbische Neckarmetropole 2008 um 36.000 Tonnen überflügelt.

Zwei Säulen

„Unser Ergebnis steht und fällt eben mit der Witterung“, kommentiert Hafendirektor Wolfgang Feger seinen kürzlich vorgelegten Jahresbericht. „Wenn es schön kalt ist, geht es uns gut.“ Hauptumschlagsgüter sind nämlich Kohle, die im EnBW-Kraftwerk verfeuert wird, und Streusalz, das von der Südwestdeutschen Salzwerke AG (SWS) von Heilbronn aus verschifft wird. Salze hat die Heilbronner Versorgungs GmbH (HVG) aus Gründen der Vergleichbarkeit mit anderen Häfen erstmals in der Gruppe „Salz, Steine, Erden“ integriert, bei der sie in der Regel 90 Prozent der Tonnage ausmachen.

Wirtschaftskrise?

Die viel zitierte Wirtschaftskrise lässt sich laut Feger weder in der Jahresbilanz noch in den aktuellen Zahlen ablesen. Dass 2009 in den ersten beiden Monaten mit 599 211 Tonnen rund 100 000 Tonnen weniger verladen wurden als 2008, liege daran, dass die Schifffahrt im Januar wegen Eis für eine Woche ganz ruhen musste.

Die deutsche Binnenschifffahrt verlor 2008 insgesamt 1,4 Prozent, während der Güterverkehr summa summarum um 2,3 Prozent zulegte. „Straße und Schiene alleine sind dem stark zunehmenden Güteraufkommen in absehbarer Zeit nicht gewachsen,“ kommentiert der baden-württembergische Verkehrsstaatssekretär Rudolf Köberle die Entwicklung. Angesichts der „eindeutigen Verkehrsprognosen“ werde die Wasserstraße immer wichtiger. Dieser Entwicklung Rechnung tragen will Heilbronn mit einem Containerterminal. Eigentlich hätte mit dem Bau des ersten, auf elf Millionen Euro veranschlagten Abschnittes im Gewann Wohlgelegen im Herbst 2009 begonnen werden sollen. Wegen Abstimmungsfragen dürfte der Spaten aber später angesetzt werden, die Einweihung soll trotzdem noch 2010 erfolgen.

Parallel zu diesem Großprojekt wird die marode Hafenbahnbrücke erneuert und mit einem neuen Radweg ausgestattet. Kostenpunkt: 7,2 Millionen Euro. Auch an den teils löchrigen und vor allem schrägen Ufern im Kanalhafen soll es nicht länger bei Kosmetik bleiben. Nach der Kritik von Hafenanliegern lässt die Stadt derzeit untersuchen, wie die zwei Kilometer langen Ufer Zug um Zug mit senkrechten Stahlspundwänden befestigt werden können. Das letzte Wort hat dabei der Gemeinderat.

Ihr Bekenntnis zum Standort demonstrierten im Vorjahr allen voran zwei große Firmen: So weihte Beweka vier 62 Meter hohe Getreidesilos ein und Brüggemann eine ganz neue Anlegestelle.

Fit für größere Schiffe werden bekanntlich die 27 Neckarschleusen gemacht. Bis 2024 wird der Bund rund 400 Millionen Euro in die Verlängerung der Kammern von 105 auf 135 Meter fließen lassen. Eine aus dem Wasserschifffahrtsamt ausgegliederte Behörde arbeitet derzeit an einem Ausbaufahrplan, wobei sich dieser vor allem am Sanierungsbedarf orientiert.

Neckarmetropole

2008 sank der Gütertransport auf dem Neckar um 1,7 Prozent auf 7,6 Millionen Tonnen, was vor allem auf Plochingen (minus sechs Prozent) und auf private Anliegestellen (minus 9,7 Prozent) zurückzuführen ist. Auf Heilbronn entfallen 51,3 Prozent des Neckarumschlags, auf Stuttgart nur 14,2 Prozent, auf Plochingen zehn und auf private 24,3 Prozent.