Grüne Oase für Bürger der Nordstadt

Neuer Quartiersgarten lässt Bewohner zusammenwachsen

Von Kilian Krauth

Grüne Oase für Bürger der Nordstadt
Arkus startete mit der Eröffnung des Gartens gestern das Projekt Flechtwerk (von links): Doris Häber (Wartbergschule), Brigitte Matt (Dammgrundschule), Jutta Determann-Scharfy (Dammrealschule), Karolin Bühler (Evangelische Jugendhilfe), Birgitt Wölbing (Arkus), Erste Bürgermeisterin Margarete Krug.Fotos: Kilian Krauth

Heilbronn - Während die Nikolai-Kindergartenkinder Sawar, Karim, Melinda, Zahara, Samir, Denis und Sila Unkraut jäten, Himbeeren verzehren − oder ganz einfach Bienen beobachten, feiern Erwachsene im Quartiersgarten der Heilbronner Nordstadt gestern die offizielle Schlüsselübergabe für diese viel zitierte "grüne Oase". Als Schlüsselanhänger dienen Ginkgo-Blätter. Der Baum steht symbolisch für die Erneuerung des mit vielen städtebaulichen, verkehrstechnischen und sozialen Problemen ringenden Stadtteils. Die familiären Wurzeln von 62 Prozent der 5050 Bewohner reichen ins Ausland.

Förderprojekt Zur Integration und Identifikation, aber auch zur optischen Aufwertung hat das Rathaus mit Bewohnern und Künstlern seit 2002 in dem Stadt-Land-Bund-Förderprogramm Soziale Stadt etliche Projekte angestoßen. Eines ist der Quartiersgarten. Er wurde seit 2008 auf dem 13 Ar großen Gelände eines ehemaligen Bauernhofs für 750 000 Euro angelegt und Schritt für Schritt ausgeschmückt. Wie Erste Bürgermeisterin Margarete Krug erklärte, soll der neue "Sozialraum" die Lebensqualität und das Zusammenleben fördern: vor allem durch botanische, pädagogische und künstlerische Projekte.

Kernstück der durch Gemüsebeete, Duftgarten, Obstbäume und Spielwiesen strukturierten sowie von Kunstwerken, Sandsteinmäuerchen und Möbeln aufgelockerten Anlage ist eine Sommerhalle. Krug ließ durchblicken, dass sie "nicht reibungsfrei" erstellt wurde, da manche Stadträte und Anwohner lieber eine Scheune erhalten wollten. "Doch das Ergebnis zeigt, dass wir richtig entschieden haben." Ein Teil der Materialien sei zudem im Gartenbau verwendet worden.

In der Aufbauphase dient der Garten vorwiegend als "grünes Klassenzimmer". Zugang haben unter anderem die Wartberg-Hauptschule, die Dammgrund- und Dammrealschule, die Ganztagesbetreuung der Dammgrundschule, der Nikolai-Kindergarten sowie das Familienzentrum Olgakrippe. "Sich selbst organisierende Bewohnergruppen", so heißt es, sollen später folgen.

Freizeitspaß Ab sofort ist das "Flechtwerk" der Arkus Arbeits-, Kultur- und Selbsthilfe gGmbH aktiv. Kindern und Jugendlichen werden dabei an schulfreien Nachmittagen, Samstagen sowie in den Schulferien qualifizierte Spiel- und Programmangebote rund um die Natur bereitgestellt. Wie Geschäftsführerin Birgitt Wölbing und Pädagogin Friederike Sammet erklärten, wolle man in Anlehnung an die Waldorfpädagogik "Menschen mit den elementaren Rhythmen der Natur in Kontakt und damit in Balance bringen". Der Jahresuhr folgend soll gesät, gepflegt, geerntet und Naturwissen erworben werden. Es wird aber auch künstlerisch gewerkelt.

In vielen Bereichen sei auch die "städtische Kompetenz" genutzt worden, so Projektleiterin Silvia Fidel vom Liegenschaftsamt: angefangen beim Grünflächenamt über die Museen bis zum Stadttheater. Nicht zuletzt ist das Projekt mit den Namen bekannter Kreativer verbunden: von Lee Babel über Michael Hieronymus bis hin zu Wolfgang Folmer − an dessen farbenfroher Tafel es gestern Festbowle gab, auch für Kinder, natürlich alkoholfrei.

Grüne Oase für Bürger der Nordstadt
Die Kindergartenkinder Denis, Melinda, Zahara, Sawar, Karim, Samir und Sila haben Spaß an der Gartenarbeit. Kein Wunder, die ersten Himbeeren sind schon reif.
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