Große Portion Gefühl für den Neckar

Start einer neuen Serie: Die Ader des Unterlandes soll zu einer Marke werden - Teil 1

Von Klaus Mandel

Große Portion Gefühl für den Neckar
Attraktive Flusslandschaften wie hier bei Gundelsheim tragen zu den Standortqualitäten einer Wirtschaftsregion bei. Für die Zukunft gilt deshalb nach Expertenmeinungen, das Neckartal als regionalen Neckarpark auszugestalten.Foto: Regionalverband

Editorial - Der Neckar kommt in Mode. Darauf deuten viele Zeichen hin. Neckarprogramm, Neckarplattform, Neckartalradweg, Neckarevent, Neckarterrassen, Wohnen am Wasser, Was(s)erleben und vieles mehr.

Vor 20 Jahren hätte sich kaum jemand vorstellen können, welcher Sinneswandel heute stattfindet. Während es lange Zeit nur um den Tiefgang für die Güterschifffahrt und um die Kühlwasserversorgung der Kraftwerke ging, zugleich die Hochwassergefahr durch Baumaßnahmen gebannt werden sollte und die Städte dabei dem Fluss den Rücken zukehrten, ist heute immer öfter von "Qualität" die Rede. Dabei geht es nicht nur um die Wasserqualität, sondern vor allem um Lebensqualität. Letztendlich stellt sich sogar die Frage, wie eine attraktive Flusslandschaft zu den Standortqualitäten einer Wirtschaftsregion beitragen kann.

Umdenken erforderlich Es ist förmlich zu spüren, dass immer mehr Menschen den Zugang zum Fluss suchen, weil er in einer Welt, die sehr gleichförmig und austauschbar geworden ist, Identität und Ausgleich bietet. Falls Goethes Wort "man sieht nur was man weiß" nach wie vor Gültigkeit hat, dann kommt es jetzt darauf an, den Menschen den Zugang zum Wasser zu verschaffen, und zwar mit dem Kopf, dem Herzen und den Füßen.

Den Zugang zum Fluss zu verbessern ist damit Aufgabe der Stadt- und der Fachplanungen, aber auch der Erlebnispädagogik, der Schulen und Weiterbildungseinrichtungen. Denn der Neckar ist zugleich Teil der Natur-, der Kultur- und der Stadtlandschaft. Deshalb kann es nicht darum gehen, ein möglichst romantisches Bild vom Neckar und dem Kranz der Burgen und Schlösser bewahren zu wollen. Damit soll die Bedeutung dieser Kulturdenkmäler nicht geschmälert werden. Burgen und Schlösser bieten einen hervorragenden Zugang zur Geschichte und zur Identität der Region Heilbronn-Franken.

Wer aber den Neckar und die Neckarlandschaft des 21. Jahrhunderts verstehen und weiterentwickeln will, der muss auch Schleusen, Hafenanlagen, Straßen und Kraftwerke ins Visier neben. Denn am Neckar haben Industrie, Handel und die technische Infrastruktur gleichberechtigt ihren Platz.

Emotionen Es wird in Zukunft darauf ankommen, die Funktionen aufeinander abzustimmen, damit aus Flächennutzungskonflikten verträgliche Nachbarschaften werden und die Menschen ein neues Gefühl für Landschaft bekommen. Solange die meisten erst 30 oder 40 Kilometer mit dem Auto fahren, bevor sie "in der Landschaft" angekommen sind, stimmt etwas nicht: entweder an der Landschaft oder in der Wahrnehmung - oder auch bei beiden. Unbestritten ist, dass Landschaftserlebnis auf jeden Fall eine gehörige Portion Emotion braucht.

Es gibt viele Zugänge zum Neckar und zur Landschaft, ob über ökologische Maßnahmen, Landschaftskunst, Landschaftsevents oder Landschaftsgeschichte(n). Zugegeben ist es aber eine Aufgabe, die Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Der Emscher Landschaftspark im Ruhrgebiet und der Regionalpark Rhein-Main zeigen, dass dieses Ziel zu erreichen ist, wenn das Konzept stimmt, die Kooperationen stehen und das Geld vorhanden ist. Die Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn kann dabei einen Meilenstein für den regionalen Neckarpark setzen, dessen Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann.

Diese Serie aus der Feder von Ekkehard Hein, langjähriger Direktor des Regionalverbands Heilbronn-Franken, von Ulrich Frey, früherer Heilbronner Baubürgermeister, und Klaus Mandel, Direktor des Regionalverbands, soll eine Diskussionsgrundlage schaffen, um den Neckar in der Region zu einer Marke zu machen.

Teil 2: Fluss und Gewässer.