Für Schlampereien hat er einen siebten Sinn

Sicherheitsexperte Peter Greiner ist mit dem Weihnachtszirkus-Zelt hoch zufrieden

Von Bärbel Kistner

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Er weiß, wo er hinschauen muss: Sicherheitsexperte Peter Greiner (rechts) entdeckt keine Schwachstellen im Zirkuszelt.Fotos: Ulrike Kugler

Heilbronn - Er ist inzwischen ein alter Zirkuszelt-Hase. Peter Greiner vom Heilbronner Baurechtsamt kommt seit neun Jahren im Dezember auf die Theresienwiese, um das Zelt des Heilbronner Weihnachtszirkus’ abzunehmen. „Es geht um die Sicherheit von 2500 Besuchern. Da können Sie keinen Neuling rausschicken“, sagt der erfahrene Bauverständige für Brandschutz und Sicherheitsvorschriften. Greiner weiß, worauf es ankommt: „Ich seh’ auf den ersten Blick, wenn beim Aufbau Schlamper am Werk waren. Denen klopfen wir auf die Finger.“

Die Kontrolle gestern Morgen, sechs Tage vor der Zirkuspremiere, fördert kein bisschen Schlamperei der „Fliegenden Bauten“ zu Tage. Als solches wird das weiß-rote Zirkuszelt eingestuft. Tribüne, Notausgänge und Verankerungen gilt es unter die Lupe zu nehmen. 248 Euro wird für die Abnahme von Peter Greiner fällig, inklusive der Feuerwehr in Person von Brandschutzexperte Michael Krebs. „Die Feuerwehrleute kosten nachher viel Geld“, scherzt Zirkusdirektor Uwe Gehrmann. In jeder Vorstellung müssen zwei Leute sitzen, ab 1500 Besuchern einer Veranstaltung ist das vorgeschrieben. „Ein netter Dienst, für den sich gerne Kollegen eintragen“, berichtet Krebs.

Stolperstelle Ein paar wenige Kleinigkeiten haben die zwei Fachleute bei ihrem Rundgang entdeckt – nichts, was einer Abnahme im Wege stehen würde: etwa ein nicht benötigter Anker vor dem Zelt, der wegen Stolpergefahr wieder aus dem verdichteten Asphalt geholt werden muss. Um Tribünen zusätzlich zu sichern, rät Greiner, noch Kabelbinder ums Gestänge zu schlingen. „Dann kann das keiner ausheben.“

Feuerprobe: Entspricht die Dekowatte den Herstellerangaben?
Feuerwehrmann Krebs macht mit einem Stück Dekowatte – Schnee von den Weihnachtsbuden im Vorzelt – per Feuerzeug die Feuerprobe: Die Watte muss zusätzlich imprägniert werden, ist das Ergebnis. Das kommt vor, obwohl Uwe Gehrmann eine Bescheinigung vom Hersteller in Händen hält, nachdem das Material schwer entflammbar sein soll.

Stichproben In den anderthalb Stunden kann Peter Greiner nicht jede Verbindung kontrollieren: „Ich wäre einen Tag beschäftigt.“ Stichproben genügen dem Experten, vorausgesetzt, sein Eindruck ist entsprechend. Dass hier ordentlich gearbeitet wurde, ist Greiner sich sicher: „So reibungslos geht das aber nicht überall.“

Für Hochseilbauten der Artisten ist der Mann vom Baurechtsamt nicht zuständig: „Diese gehen jedoch sorgsam mit ihren Geräten um, schließlich hängt ihr Leben davon ab.“ Für alle Zirkusleute habe Sicherheit einen hohen Stellenwert, meint Uwe Gehrmann: „Wenn ein Teil der Tribüne nicht richtig sitzt, könnte das zur Katastrophe führen.“ Fazit für Peter Greiner: „Folgen die Besucher den Anweisungen, dürfte nach menschlichem Ermessen nichts passieren.“ Und trotzdem ist er jedes Mal froh, wenn der Zirkus wieder vorbei ist.

Der Heilbronner Weihnachtszirkus gastiert vom 19. Dezember bis 6. Januar auf der Theresienwiese. Info unter Telefon 07131/59800.

www.weihnachtscircus.com