Friedensaktivisten marschieren und US-Amerikaner salutieren

Heilbronn - Jeder gedenkt auf seine eigene Art und Weise der Fast-Katastrophe vor 25 Jahren: Während die Friedensbewegung gestern um 14 Uhr zu ihrem Marsch über die Waldheide startet, erinnern die US-Amerikaner klassisch an ihre drei Kameraden am Gedenkstein, die bei einer Explosion an einer Atomrakete am 11. Januar 1985 ums Leben kamen.

Von Helmut Buchholz

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Wandern, reden, erinnern: Die Friedensbewegung gedachte mit ihrem Marsch über die Heilbronner Waldheide an den Pershing-Unfall vor 25 Jahren.Foto: Ulrike Kugler
Heilbronn - Jeder gedenkt auf seine eigene Art und Weise der Fast-Katastrophe vor 25 Jahren: Während die Friedensbewegung gestern um 14 Uhr zu ihrem Marsch über die Waldheide startet, erinnern die US-Amerikaner klassisch an ihre drei Kameraden am Gedenkstein, die bei einer Explosion an einer Atomrakete am 11. Januar 1985 ums Leben kamen. Das Musikstück Taps, fester Bestandteil von militärischen Trauerzeremonien in den USA, erklingt vom Band. Die Veteranen salutieren, die rund 30 Gäste halten inne.

Commander Darrel Shannon, Vorsitzender der American Legion in der Region, versicherte, dass die Opfer "nie vergessen sein werden". Er war vor 25 Jahren selbst auf der Waldheide stationiert. "Es war eine Tragödie, wir saßen damals auf einem sehr gefährlichen Pulverfass." Georg Weiland, Oberstleutnant der Bundeswehr, sagte, dass die Opfer des Unfalls "im Frieden für den Frieden ihr Leben gelassen haben". Weiland gestand den Demonstranten der Friedensbewegung von damals zu, dass auch sie "für den Frieden gekämpft haben".

Kalter Krieg

Die Explosion rückte Heilbronn vor 25 Jahren plötzlich in den Blick der Weltöffentlichkeit. Kalter Krieg, die bleierne Zeit, all das ist vorüber. "Länder des damaligen Ostblocks sind heute zum Teil EU-Mitglieder", erklärte Werner Buchberger von der Reservistenkameradschaft Ellhofen. Gerade Heilbronn sei "mit der politischen Entwicklung dieser Zeit verbunden".

Gespräche

Rund 120 Personen beteiligten sich am Marsch der Friedensbewegung über die Waldheide. Werner Winter vom Heilbronner Friedensbüro hielt an einzelnen Stellen an und erläuterte, wie der Atomraketenstandort vor 25 Jahren aussah. Viele Friedensaktivisten aus den 80er Jahren sahen sich bei dem etwa einstündigen Spaziergang wieder. "Wir haben gute Gespräche geführt, der Zusammenhalt war fast wie früher, als wir demonstriert und blockiert haben", sagte der 69-jährige Winter. Dass die Waldheide heute wieder ein schönes Naherholungsgebiet und kein Standort mehr für Atomraketen im Kalten Krieg ist, "ist ein Stück weit unser Verdienst". Zwar wisse er nicht, wie groß der Einfluss des Heilbronner Protestes im Großen und Ganzen war. "Doch ich sehe das heute so: Der Druck der Friedensbewegung und der Demonstranten war nach dem Nato-Doppelbeschluss so groß, dass der russische Präsident Gorbatschow nicht anders konnte, als einen Abrüstungsvertrag zu unterzeichnen."

Offiziell nahm kein Vertreter der Stadt Heilbronn an einer der Gedenkveranstaltungen teil. Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach hatte am Vormittag Stunden vor Beginn der Zeremonie einen Kranz am Gedenkstein der toten US-Soldaten niedergelegt.