Experimenta: Grüner Hoffnungsträger für Heilbronn (15.05.09)

Heilbronn - Schlammpfützen und Stolperfallen, Kabelsalat und Krach - auf den ersten Blick ist der Hagenbucher eine Großbaustelle wie jede andere. Doch gibt es gewichtige Gründe für den Bund Deutscher Architekten (BDA), Kreisgruppe Heilbronn-Franken, zum ersten Baustellenrundgang einzuladen.

Von Bärbel Kistner


Grüner Hoffnungsträger für Heilbronn
Mit Hochdruck wird im und um den Hagenbucher gearbeitet. Grün ist die Leitfarbe der neuen Lern- und Erlebniswelt.Foto: Dittmar Dirks
Heilbronn - Schlammpfützen und Stolperfallen, Kabelsalat und Krach - auf den ersten Blick ist der Hagenbucher eine Großbaustelle wie jede andere. Doch gibt es gewichtige Gründe für den Bund Deutscher Architekten (BDA), Kreisgruppe Heilbronn-Franken, zum ersten Baustellenrundgang einzuladen.

Wichtigstes Projekt

„Die Experimenta ist das derzeit wichtigste Projekt in Heilbronn“, bekräftigt BDA-Regionalvorsitzender Marcus Teske. Zu einer Initialzündung für den Städtebau soll das 15,5 Millionen Euro teure Ausstellungsgebäude werden, und das Interesse an Heilbronn weit über die Stadtgrenzen hinaus befördern.

Teske ist sicher: Auch der Architektur wegen wird die Experimenta vielfach Beachtung finden. „Wir haben hier ein Paradebeispiel, was durch einen Wettbewerb herauskommen kann“, unterstreicht Teske den Weg, mit dem die beste Lösung gefunden worden sei. Nur wegen des groß angelegten Wettbewerbs - 32 Architekturbüros konnten sich bewerben - habe ein junges Büro wie das Berliner Studio Inges überhaupt eine Chance gehabt.

Optischer Zwilling

Thomas Bochmann führt routiniert durch sein erstes Großprojekt. Erklärt, warum sich das Inges-Trio für einen Klinker-Anbau entschieden hat. Wie ein Zwilling sitzt der neue Baukörper neben dem alten, verbunden durch eine grün leuchtende Glasfuge. Anders als die meisten Kollegen habe man nicht den filigranen Kontrast in Form und Material gewählt. „Mit dem großen Bruder eins werden“, und damit der besonderen Aura des Hagenbucher gerecht werden, das ist das Ziel der Architekten.

Auch das zeigt der Rundgang: In den künftigen Ausstellungsräumen wird der Lagercharakter des früheren Speichergebäudes nicht mehr zu erkennen sein. „Architektur und Nutzung lassen sich hier nicht zur Deckung bringen“, bedauert Hochbauamtschef Dirk Vogel. Das müsse man akzeptieren.

Leitfarbe

Von außen bereits sichtbar: Grün ist Leitfarbe der Experimenta. Das habe sich „als Glückfall erwiesen“, meint Architekt Bochmann. Blau sei die übliche Farbe für Technikschauen, mit Grün habe Heilbronn ein Alleinstellungsmerkmal. An verschiedenen Stellen in und am Gebäude hängt bereits die Aluverkleidung, unterschiedliche Grüntöne sorgen für Spannung. Einen Vorgeschmack gibt es auf Lichtdesign und Farbeffekte durch LED-Technik.

Begeisterung löst der Blick von der 25 Meter hohen Dachterrasse aus. Heilbronn habe viele markante Aussichtpunkte, doch nirgendwo können so viele Menschen gleichzeitig die Aussicht genießen, freut sich Dirk Vogel.

Bauzeit

Derzeit noch unvorstellbar: Am Samstag, 14. November, soll die Schau für das Publikum öffnen. „Wir sind nur noch knapp hinter dem Bauzeitenplan“, sagt Baubürgermeister Wilfried Hajek. Bei der Planung hatte man zu früh auf Klimawandel und milden Winter gesetzt.

Baukosten und Betrieb

Die Baukosten für die Experimenta liegen inzwischen bei 15,5 Millionen Euro. Bauherr ist die Stadt Heilbronn. 5,5 Millionen Euro investiert die Dieter-Schwarz-Stiftung in Labore und Experimentierstationen und übernimmt zudem einen Großteil des Betriebs. 3,5 Millionen Zuschuss für die Baukosten kommen von Würth, EnBW, Gasversorgung Süddeutschland und den Südwestdeutschen Salzwerken.