Enkeltrick-Betrüger immer dreister

Heilbronn - Enkeltrick-Betrüger, die vor allem ältere Menschen häufig um Geldbeträge zwischen zehn- und zwanzigtausend Euro bringen, werden immer dreister. Jüngst gab sich eine Tätergruppe am Telefon als Polizei aus.

Von unserer Redakteurin Stefanie Sapara

11 500 Euro für Beerdigung sind weg

"Ich wusste gar nicht, wie ich das meinen Kindern erklären sollte."

Enkeltrick-Opfer

Heilbronn - Als das Telefon klingelt und sich ein Mann am anderen Ende als ihr ältester Enkel ausgibt, wird die 80-Jährige nicht gleich misstrauisch. 11 500 Euro fordert der Anrufer, er wolle sich eine Wohnung in Ludwigsburg kaufen. Weil die Heilbronnerin weiß, dass in der Familie von einem Wohnungskauf tatsächlich die Rede war, hebt sie bei der Bank das Geld ab und geht zum vereinbarten Treffpunkt. Als dort nicht ihr Enkel, sondern eine fremde Person auftaucht, packt sie das Misstrauen. Sie weigert sich, das Geld auszuhändigen und geht nach Hause. "Wenn mein Enkel Geld braucht, dann gebe ich es ihm, aber nur ihm persönlich", sagt die Dame.

Aufklärung

Dann der Anruf: Eine Frau meldet sich, sagt, sie sei von der Polizei. Sie weist die 80-Jährige an, zurückzugehen und das Geld zu übergeben, man wisse von dem Betrug, die Polizei sei vor Ort und würde die Täter festnehmen. "Und das habe ich geglaubt", sagt die Dame. Dass alles ein Lügengeflecht war, erkannte die Frau erst, als das zusammengesparte Geld längst weg war.

"Das ist eine der perfidesten Betrugsarten", sagt Rudolf Eyer, Leiter der Prävention bei der Polizei Heilbronn. Seit Jahren ist der Enkeltrick bei der Polizei bekannt, doch immer wieder entwickeln die Täter neue Maschen. Eyer warnt ausdrücklich vor solchen Anrufern. Niemals würde die Polizei telefonisch um Mithilfe bei der Aufklärung eines Kriminalfalles bitten.

Erneut mögen viele denken: Wie kann man nur auf diese Tricks hereinfallen? Ein Satz, den Alfred Kulka gar nicht gerne hört. Er arbeitet ehrenamtlich für den Weißen Ring, einen Verein, der Kriminalitätsopfern zur Seite steht, und er weiß: "Die Menschen sind nicht dement", betont er. Aber sie würden von den Tätern so sehr unter Druck gesetzt, mit ständigen Anrufen gequält und bedrängt, dass sie am Ende oft nachgeben. Das Schlimme: Die Senioren sind letztlich nicht nur um ihr Geld betrogen, sondern empfinden eine unheimliche Scham. So auch die 80-jährige Heilbronnerin. "Ich wusste gar nicht, wie ich das meinen Kindern erklären sollte", sagt sie. Die fingen ihre Mutter auf, waren froh, dass ihr körperlich nichts zugestoßen ist. Das Geld aber, das die 80-Jährige über Jahre mühsam für ihre Beerdigung zusammengespart hatte, ist weg.

Alfred Kulka vom Weißen Ring konnte dennoch ein wenig helfen: Er überreichte der Frau im Namen des Weißen Rings 2000 Euro. "So können wir ein kleines Stück des Schocks wiedergutmachen."

Gratwanderung

Zur Achtsamkeit ruft die Polizei auch Bankangestellte auf. Wenn ältere Menschen ihr Leben lang gespart hätten und plötzlich hohe Beträge abheben, sollten sie hellhörig werden. Ein schmaler Grat, wissen Alfred Kulka und Rudolf Eyer. Weder dürfen Bankangestellte ihre Klienten bevormunden, noch dürfen sie sich weigern, ihnen Geld auszubezahlen. Dennoch betonen die beiden Fachmänner: Eine gesunde Portion Skepsis und Wachsamkeit können helfen, einen Betrug zu verhindern.

Im Ernstfall können sich Menschen, die von Fremden angerufen werden, am besten durch eines wehren: auflegen. Egal, wie penetrant die Täter sind.

Kriminalpolizeiliche Beratungs-stelle 07131 1042784; Alfred Kulka, Weißer Ring 07131 920737

Enkeltrick

Der Enkeltrick beschreibt eine Form des Betrugs. Die Täter melden sich bei ihren Opfern telefonisch, geben sich als Enkel, Kind, Neffe oder Nichte aus und fordern 10 000 bis 20 000 Euro. Sie geben an, ein neues Auto kaufen oder eine Wohnung anbezahlen zu müssen. Der Enkeltrick richtet sich gezielt gegen ältere Menschen. Sie gelten als hilfsbereit, sind oft daheim erreichbar, teilweise leiden sie unter altersbedingten Beschwerden wie Hörschwächen, so dass sie fremde Stimmen am Telefon womöglich für die eines Verwandten halten. Haken die Senioren nach, weil ihnen die Stimme unbekannt vorkommt, täuschen die Täter eine Erkältung vor. ssp