Eindrucksvolle gärtnerische Vielfalt

Heilbronn - Mit einem Paukenschlag erfolgt am 24. Mai 1985 bei Kaiserwetter in Heilbronn der Auftakt für die 6. baden-württembergische Landesgartenschau. Mit Böllerschüssen, Fanfaren, Trommlern und Bläsern wird vor 20.000 Besuchern durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten, Gerhard Weiser, diese Schau der gärtnerischen Vielfalt eröffnet.

Von Joachim Friedl

 

Heilbronn - Mit einem Paukenschlag erfolgt am 24. Mai 1985 bei Kaiserwetter in Heilbronn der Auftakt für die 6. baden-württembergische Landesgartenschau. Mit Böllerschüssen, Fanfaren, Trommlern und Bläsern wird vor 20 000 Besuchern durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten, Gerhard Weiser, diese Schau der gärtnerischen Vielfalt unter dem Motto "Freizeit, Spiel, Erholung" eröffnet. Mehr als 25.000 Sommerblumen stehen in herrlicher Pracht.

Eindrucksvolle gärtnerische Vielfalt
24. Mai 1985: Die 6. baden-württembergische Landesgartenschau wird im Heilbronner Wertwiesenpark eröffnet. 20 000 Menschen waren damals dabei. An den folgenden 107 Tagen finden mehr als 1500 Veranstaltungen statt.Fotos: HMG
Bereits in den ersten vier Tagen erweist sich das floristische Großereignis als Magnet. 80 000 Menschen erleben über die Pfingstfeiertage die grüne Demonstration am Neckar, in deren Verlauf 70.000 Frühjahrsblumen, 45 000 Sommerblumen und 125.000 Stauden blühen. In der Kalkulation haben damit bereits ein Fünftel der erwarteten Besucher die Blumenschau durchwandert. Der größte Besucherandrang wird am 4. August mit 34.000 Gartenfreunden gezählt.

Insgesamt besuchen an den 108 Tagen eine Million Menschen die Schau. Mit Ausschlag gebend für den Boom ist das Wetter: trocken und nicht zu heiß. Bei der Schlussabrechnung werden noch einige hunderttausend Mark erwirtschaftet und das Defizit bleibt unter den genehmigten zehn Millionen Mark.

Breites Spektrum

Zu den Höhepunkten zählen zweifellos drei herrliche Hallen-Schnittblumenschauen des württembergischen Gärtnereiverbandes. Ein Novum ist ein Kunst-Symposium. Einen Monat lang arbeiten acht Künstler mit Stein, Holz, Stahl und Keramik. Der Stuttgarter Künstler Ottmar Mohring stellt mit zwei Skulpturen, eine aufbrechende Knospe und ein Tierschädel, symbolhaft das Wachstum dar. Im Gärtnerzentrum konzentriert sich das breite Spektrum des gärtnerischen Berufsstandes.

Fernsehpremiere erlebt erstmals eine Landesgartenschau vom 6. bis 17. Juni. Täglich drei Stunden Fernsehen präsentiert das Medienunternehmen Heilbronner Stimme unter Mitwirkung der Fränkischen Nachrichten, des Haller Tagblatts, des Hohenloher Tagblatts und der Vaihinger Kreiszeitung. Das Programm besteht aus einem unterhaltsamen Showteil und einer neuartigen Nachrichtenshow.

Publikumserfolg

Auf starkes Interesse stößt bei den Besuchern der am Neckar angelegte Streichelzoo mit Vogelvolieren, Leihgaben des Freizeitparks Tripsdrill, und die Dauerpräsentation der Unterländer Imker. Glanzvoll geben sich die Partnerstädte Béziers, Stockport, Port Talbot und Solothurn. Das von Peter Klein bewirtschaftete Restaurantzelt, zu Beginn als Negativum abgetan, entpuppt sich wie das Heilbronn-typische Weindorf als wahrer Renner.

Eindrucksvolle gärtnerische Vielfalt
So sah das spätere Gartenschaugelände im Jahre 1966 aus: eben und öde. Am alten Neckar entsteht das Hochwasser-Sperrwerk. Dahinter der VfR-PlatzFoto: Stadtarchiv
Zur Gestaltung der ebenen und landwirtschaftlich genutzten Überschwemmungsflächen in den Wertwiesen werden mehr als 25 000 Kubikmeter Erde angefahren. Durch Erdmodellierungen und die Neupflanzung von 330 Bäumen (36 Arten) und 7800 Sträuchern (110 Arten) gelingt es, in diesem Talauenbereich interessante Räume zu schaffen. Im Winter 1984/1985, 101 Tage vor der Eröffnung, sorgen Kälteeinbrüche, Schnee und Eis für Frostschäden an Pflanzen von rund 250.000 Mark.

Bestand

Gewinner der Landesgartenschau sind zweifelsohne Böckingen und Sontheim, zwei Stadtteile, die bis 1985 mit Grün- und Freizeitanlagen nicht gerade verwöhnt waren. Die Attraktivität des Parks besteht bis heute in seinen unterschiedlich gestalteten Erholungs- und Freizeitflächen, zu denen zwei Spielplätze, ein Kneippbecken, ein Grillplatz, eine Minigolfanlage und verschiedene Gärten (Duft-, Muster-, Staudengarten) gehören. Allein im Rosengarten (2100 Quadratmeter) blühen noch immer 4200 Rosen von 50 Arten; bei der Schau waren es 136 Arten gewesen.
 


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