Ein Platz der Extreme

Heilbronn - Das Bürgerhaus steht vor einer Zäsur. Die Stadtverwaltung will die gute Stube Böckingens zu einem Familienzentrum umwandeln. Wie gut die Stube mehr als 30 Jahre nach ihrer Eröffnung heute ist, darüber gehen die Meinungen der Anwohner extrem auseinander.

Von Helmut Buchholz


Heilbronn - Das Bürgerhaus steht vor einer Zäsur. Die Stadtverwaltung will die gute Stube Böckingens zu einem Familienzentrum umwandeln (wir berichteten). Wie gut die Stube mehr als 30 Jahre nach ihrer Eröffnung heute ist, darüber gehen die Meinungen der Anwohner extrem auseinander.

Eier fliegen


Eine 78-Jährige, die in der Nähe der Bürgerhaus-Gaststätte wohnt, benutzt nicht druckreife Eigenschaftswörter, um das Ambiente zu beschreiben. Sie fühle sich abends draußen nicht mehr sicher. Jugendliche würden sich hier treffen und Alkohol trinken. "Dann wird es laut." Das gehe bereits seit Jahren so. Ihr Haus sei schon mit Eiern und Tomaten beworfen worden. Irgendjemand kotete in einen Blumenkübel. "Zurzeit geht es aber", meint die ältere Dame. Sie wundert sich nicht, dass es nun Überlegungen gebe, etwas am Bürgerhaus zu ändern. "Früher hat es funktioniert."

Der Pächterin der städtischen Bürgerhaus-Gaststätte, Verica Knöttig, macht sich wie viele im Ort Sorgen, dass bei der Neuausrichtung ihr Lokal auf der Strecke bleibt − auch wenn die Stadtverwaltung dies dementiert. "Es ist ein Riesenproblem, dass Jugendliche vor dem Bürgerhaus nachts Alkohol trinken", sagt die Wirtin. Das sei schlecht fürs Geschäft. Morgens müsse sie den Müll auf der Restaurantterasse wegräumen. Sie sei froh, dass sie einen Hund hat, der sie nach Hause begleite. "Ohne den würde ich Angst haben." Verica Knöttig wünscht sich mehr Gäste. "Manchmal ist es voll, manchmal ist niemand da. Das war schon immer das Problem hier." Der Gaststätte fehle Flair, sie sei vielleicht zu groß, nicht so gemütlich. Ein Umbau würde helfen, wieder mehr Kunden anzulocken, denkt die Pächterin.

Roland Müller wohnt erst seit einer Woche in der Schuchmannstraße, sein Balkon ist nur wenige Meter vom Bürgerhaus entfernt. Dass sich hier abends Jugendliche treffen, hat er schon bemerkt. "Es wird ein bisschen lauter", sagt er, "aber das macht mir nichts aus. Wir waren ja auch mal jung." Auf etwa 20 Personen taxiert er die Gruppe.

Guter Standort

In der Adler-Apotheke, die rund 80 Meter vom Bürgerhaus entfernt ist, "fiel es noch nicht auf, dass es vor dem Bürgerhaus ein Problem gibt", sagt Horst Brück. "Tagsüber merkt man nichts und nachts sind wir nicht da." Der Standort der Apotheke in der Schuchmannstraße sei okay, ergänzt Martina Wiegerling. Sie wisse zwar, dass sich Jugendliche in der Straße aufhielten. "Aber das sind Jungs, die man kennt, die tun ja nix."

Magnetwirkung

Jahrelang wurde es gefordert, darum gestritten, dann endlich die Einweihung 1975. Heilbronns Oberbürgermeister Hans Hoffmann wünschte dem Böckinger Bürgerhaus bei seiner Eröffnung, dass es wie ein Magnet wirken solle. Es sei der hoffnungsvolle Beginn für die Entwicklung des Stadtteils, sagt der OB. Die Baukosten betrugen 7,5 Millionen Mark. mut