Die Qual vor der Wahl

Der amerikanische Wahlkampf um das Amt des Präsidenten wird sich bis zur eigentlichen Hauptwahl am 4. November ziehen. Bis dahin kann sich noch vieles ändern. Viele US-Amerikaner in der Region favorisieren die ehemalige First Lady

Von Sara Furtwängler

Vorwahlen in New Hampshire

„In Deutschland denkt man doch weitläufig, dass die Amerikaner doof sind.“

Lea Kendall

 

Heilbronn - Weg vom negativen Image möchten die US-Amerikaner aus der Region. Die 20-jährige Lea Kendall hat neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft und lebt in Massenbach. Dieses Jahr wird sie zum ersten Mal den US-Präsidenten wählen. Sie sagt: „In Deutschland denkt man doch weitläufig, dass die Amerikaner doof sind. Das nervt mich und deshalb hoffe ich, dass der nächste Präsident das Amerika-Bild wieder in ein positiveres Licht rückt.“

Ihr amerikanischer Vater Mark Kendall sieht das ähnlich: „Weil ich im europäischen Ausland lebe, weiß ich besser um das negative Bild Amerikas Bescheid als die Amerikaner im eigenen Land.“ Die politische Unzufriedenheit sei aber auch in den USA groß. Eine grundsätzliche Veränderung sei unbedingt notwendig.

James Settler kommt aus Florida, lebt seit 1992 in Deutschland und seit zwölf Jahren in Stetten. Er bestätigt das: „Es ist sicher, dass es einen Wechsel geben wird.“ Kaum einer der Befragten bezweifelt, dass die Demokraten den neuen Präsidenten stellen werden. Nur welcher der Anwärter sich als Kandidat für die eigentliche Wahl im November durchsetzt, ist auch nach der zweiten wichtigen Vorwahl in New Hampshire am Dienstag noch nicht klar.

Die Unterländer US-Amerikaner favorisieren klar Hillary Clinton. „Ich will, dass Hillary Clinton Präsidentin wird und Barack Obama soll ihr Vice President werden“, antwortet der Böckinger US-Commander Charlie Brown prompt und fügt hinzu: „Vielleicht gelingt es ja einer Frau, diesen Krieg endlich zu beenden.“

Frank Riley aus Missouri, der jetzt in Horkheim wohnt, ist seit 23 Jahren in Deutschland. Auch er hofft, dass Hillary zur Präsidentschaftswahl die demokratische Kandidatin wird: „Sie war acht Jahre die First Lady und kennt sich in der Politik gut aus. Ihr Mann war ein toller Präsident“.

Eine Ausnahme bildet Nico Weinmann, der Sohn des ehemaligen Heilbronner Oberbürgermeisters. Er hat die doppelte Staatsbürgerschaft, weil seine Mutter Amerikanerin ist, und darf deshalb in den USA wählen. „Bei Hillary Clinton vermisse ich Führungsstil. Ich halte sie nicht für das verantwortungsvolle Amt des amerikanischen Präsidenten geeignet“. Weinmann favorisiert John Edwards, neben Barack Obama der dritte Kandidat mit Erfolgschancen bei den Demokraten. Von ihm erhofft sich Weinmann, dass er die Lücke zwischen Ober- und Unterschicht zu schließen vermag. Positiv beurteilt er die hohe Wahlbeteiligung in New Hampshire: „Das zeigt doch, dass die Amerikaner wirklich einen Wechsel wollen.“

Der amerikanische Wahlkampf um das Amt des Präsidenten wird sich bis zur eigentlichen Hauptwahl am 4. November ziehen. Bis dahin kann sich noch vieles ändern. Denn auch das ergab die Umfrage unter Unterländer US-Amerikanern: Es geht den meisten in erster Linie um die Person und erst an zweiter Stelle um die Partei. „Mir ist egal, ob einer Demokrat oder Republikaner ist. Die Kandidaten müssen sich im Wahlkampf gut verkaufen und dann entscheide ich, wer sympathisch ist und mir am meisten bietet“, erklärt Frank Riley.