Der Mensch ohne Vorname

Heilbronn - Mahmood Ismail Issa: Der Mann, der so heißt, hat keinen Vornamen. Zumindest nicht nach deutschem Recht. Diese Kuriosität beschäftigt das Standesamt in Heilbronn immer wieder - und vor allem: immer häufiger. So kommt es, dass in der Vornamensstatistik der Stadt plötzlich mehr Kinder geboren werden als Vornamen vergeben. Wer keinen Vornamen in deutschem Sinn trägt, taucht nicht auf.

Von Katja Feiler

Der Mensch ohne Vorname
Nicht jeder Rufname, den ein Baby erhält, gilt hier als Vorname.Foto: dpa

Heilbronn - Mahmood Ismail Issa: Der Mann, der so heißt, hat keinen Vornamen. Zumindest nicht nach deutschem Recht. Diese Kuriosität beschäftigt das Standesamt in Heilbronn immer wieder - und vor allem: immer häufiger. So kommt es, dass in der Vornamensstatistik der Stadt plötzlich mehr Kinder geboren werden als Vornamen vergeben. Wer keinen Vornamen in deutschem Sinn trägt, taucht nicht auf.

Eigenname

Das deutsche Namensrecht ist eindeutig: Ein Kind bekommt einen oder mehrere Vornamen und einen Nachnamen. Die Kultur in arabischen Ländern kennt diese Aufgliederung nicht. Der Ägypter Mahmood Ismail Issa zum Beispiel trägt Mahmood als Eigenname, der ihm gegeben wurde. Ein Vorname ist es aber für Deutsche nicht, da kein Nachname folgt. Stattdessen werden der Vorname des Vaters und Großvaters angehängt. Der Leiter des Heilbronner Standesamts, Michael Frank, hat vor allem dann mit diesen Fällen zu tun, wenn Menschen aus diesem Kulturkreis eingebürgert werden. Dann darf sich der Betroffene aussuchen, welcher Name sein Vor- und welcher sein Nachname werden soll.

Vatersname

Auch Tamilen haben eine Namensgebung, die mit der unseren nicht übereinstimmt. Ein Beispiel: Kulalingam Tharatnataram. Hier bekommt das Kind zuerst den Vaternamen und dann einen Eigennamen. Auch das gilt dann in Deutschland nicht als Vor- und Nachname. Um die 50 Personen im Jahr sitzen mit diesen Problemen in den Büros von Michael Frank und seinen Kollegen. Zusammen mit Dolmetschern versuchen die Namensrecht-Experten, eine Lösung zu finden, wie der Name als eingebürgerter Deutscher heißen soll. Indonesier zum Beispiel haben auch ein Problem, wenn sie einen deutschen Pass wollen. Hier kann jemand einfach nur Herati heißen. Der Eigenname der Person reicht. Einen Nachnamen gibt es nicht.

Die Lösung: Derjenige kann sich bei der Einbürgerung einen deutschen Familiennamen aussuchen. „Leider ist diese Anpassung sehr schwierig. Denn auch nach langem Erklären verstehen viele einfach nicht, was der Unterschied zwischen Vor- und Nachname ist. Es gehört eben nicht zu ihrer Kultur.“