Dekan: Denkmäler alleine reichen nicht

Heilbronn - Rund 150 Menschen trafen sich am Montagabend am neu gestalteten Synagogenmahnmal an der Heilbronner Allee 2. Hier war in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde von den Nazis zerstört worden, erinnerte Werner Winter vom Friedensbüro und sprach von "unfassbaren Geschehnissen".

Von Kilian Krauth

Dekan: Denkmäler alleine reichen nicht

"Antisemitische Töne verstummen leider nicht."

Dekan Otto Friedrich

Heilbronn - "Gerade in einer Zeit, in der antisemitische Töne leider nicht verstummen und braunes Gedankengut vor allem bei Jugendlichen wieder hoffähig wird, darf die Erinnerung nicht aufhören". Dies hat der evangelische Dekan Otto Friedrich bei einer Feierstunde zum Gedenken an die Pogromnacht von 1938 betont. Rund 150 Menschen trafen sich am Montagabend am neu gestalteten Synagogenmahnmal an der Heilbronner Allee 2. Hier war in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde von den Nazis zerstört worden, erinnerte Werner Winter vom Friedensbüro und sprach von "unfassbaren Geschehnissen".

Vielerorts in Deutschland sei in jüngerer Vergangenheit jüdisches Leben wieder aufgeblüht, sagte Otto Friedrich. So gebe es inzwischen auch in Heilbronn eine Gemeinde mit eigenen Gebetsräumen, einen christlich-jüdischen Arbeitskreis und vielerlei andere Begegnungen. "Dennoch scheint mir jüdisches Leben immer noch bedroht zu sein", meinte der Seelsorger. Deshalb sei es mit Denkmälern und Gedenkfeiern nicht getan. Allein auf diese Weise ließe sich die "Last der Geschichte" nicht bewältigen. Das Gedenken müsse sich vielmehr im alltäglichen Denken und Handeln bewähren. Ein erster Schritt sei es, die eigene Verantwortung und Schuld zu erkennen, sagte der Geistliche.

Über die Pogromnacht hinaus rief Friedrich zwei andere historische Ereignisse des "schicksalsträchtigen" 9. November in Erinnerung. 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen und 1989 fiel die Berliner Mauer. Freudentränen und Hoffnungen auf "blühende Landschaften" seien heute der Ernüchterung gewichen: über "Besserwessis, Ostalgiker und kaum bezahlbare Folgekosten". Den Fokus legte der Dekan freilich auf 1938 und die Nazizeit.

In dem neuen Ensemble sahen viele Besucher gestern eine Aufwertung der bisherigen Gedenkstätte. Im Zuge des Rückbaus der Postpassage hatte Projektleiter Johannes Straub vom Hochbauamt die Pläne mit dem Museum und mit der jüdischen Gemeinde abgesprochen. Gemeindesprecherin Sprecherin Avital Toren sprach von einer "schönen Komposition". Der bisher in einer Betonmauer platzierte Gedenkstein wurde in einen neuen, anthrazitfarbenen Betonblock integriert. Neben der Kuppelskulptur von Bettina Bürkle, die bisher etwas entfernt von dem Stein stand, findet sich zwischen neuem Kopfssteinpflaster eine Hülse für den neunarmigen Chanukkaleuchter. Flankiert wird das Mahnmal von zwei frisch gepflanzten Platanen. Musikalisch umrahmt wurde die gestrige Gedenkfeier vom Posaunenchor Horkheim.