Computermaus erkundet Historie

Virtuelles Haus der Stadtgeschichte - Notlösung wird zum Pilotprojekt

Von Kilian Krauth

Computermaus erkundet Historie
Archivdirektor Christhard Schrenk gab gestern erste Einblicke in ein sogenanntes virtuelles Haus der Geschichte. Wohl ab Ostern können sich Internetnutzer einklinken und die dreidimensionale Ausstellung erkunden.Foto: Guido Sawatzki

Heilbronn - Eigentlich sollte das Stadtarchiv Heilbronn für gut zwei Millionen Euro zum "Haus der Stadtgeschichte" ausgebaut werden. Doch wegen der aktuellen Finanznot musste das Projekt aus dem Doppelhaushalt 2010/11 gestrichen werden. "Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, sprich: aus den realen Plänen vorerst ein virtuelles Haus der Stadtgeschichte", erklärt Kulturbürgermeister Harry Mergel. Wie die Beteiligten gestern vor der Presse sagten, sei ihnen bundesweit kein anderes Projekt dieser Art bekannt.

Dreidimensional "Virtuell" bedeutet in diesem Fall, dass alles, was ein solches Haus in Wirklichkeit ausmacht, mit den Mitteln des Internets nachvollzogen werden kann. So kann man etwa in den einzelnen Abteilungen des Stadtarchivs mit Lesesaal, Bibliothek sowie historischen Sammlungen anklopfen und online recherchieren. Kernstück des virtuellen Hauses wird aber eine dreidimensionale Ausstellung zur Stadtgeschichte. Flüchtig betrachtet sieht sie am Bildschirm wie eine Puppenstube von oben aus. Mit der Computermaus lassen sich in einzelnen Räumen bis zu 40 Stationen anklicken, in denen sich wie in einer echten Schau Karten, historische Bilder, Exponate oder Vitrinen finden. Hier kann der Besucher verweilen oder per Mausklick weiter in die Tiefe gehen.

Multimedial Die einzelnen Themenbereiche werden dabei multimedial präsentiert. Es gibt also Texte zum Lesen oder Hören, Bilder, Filme, Grafiken, Karten, aber auch spielerische Elemente, die das Ganze auflockern. Weil alles möglichst lebensnah dargestellt werden soll, spielen Heilbronner Persönlichkeiten und Köpfe eine wichtige Rolle.

Ein Grundprinzip des virtuellen Hauses ist es, dass sich der Nutzer je nach Interesse individuell bewegen kann. Darüber hinaus gibt es Diskussionsforen und auch die Möglichkeit, eigene Materialien in die Ausstellungen einfließen zu lassen.

Wie das "Architektenteam" mit Dr. Christhard Schrenk und Peter Wanner vom Stadtarchiv sowie Kommunikationsdesigner Burkhard Pfeifroth (Reutlingen) und Marco Fackler von Stimme.net gestern sagten, bewege man sich derzeit noch auf einer "Baustelle". Online gehen wolle man mit dem virtuellen Haus an Ostern 2010.

Real Wann das reale Haus der Stadtgeschichte Wirklichkeit wird, vermochte Bürgermeister Mergel gestern nicht zu sagen. Er beobachte jedenfalls eine wachsende Sensibilität für historische Themen und werde das Projekt deshalb in die Etatberatungen für 2012/13 einbringen. Die Neugestaltung des Ausstellungsbereiches im Erdgeschoss des Stadtarchives werde sich dann tatsächlich an den Computerplänen orientieren. Das Archivgebäude bekommt im Zuge des Umbaus auch erstmals einen Eingang zum Innenhof des Deutschhofes. Der Gesamtkomplex soll als eine Urzelle der Stadtgeschichte in eine Art Geschichtszentrum umgewandelt werden. Dazu zählen dann auch Galerie-Flächen der städtischen Museen, die nach Einweihung der Kunsthalle ab Herbst 2010 frei werden.