Chinesen nach deutschem Muster ausbilden

Heilbronn/Maanshan - Berufsschullehrer Elmar Stockhausen fliegt mehrmals im Jahr in spannender Mission vom Unterland nach Asien

Von Franziska Feinäugle

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Chinesen nach deutschem Muster ausbilden
So geht das: Elmar Stockhausens Schüler schauen aufmerksam hin.Foto: privat

Heilbronn/maanshan - Dass er eines Tages statt in Neckarsulm plötzlich in China unterrichten würde, das hätte sich Elmar Stockhausen vor einigen Jahren vermutlich nicht träumen lassen. Damals bildete der Heilbronner als stellvertretender Schulleiter der Christian-Schmidt-Schule Neckarsulm Zerspaner, Industriemechaniker und Werkzeugmacher aus und sah seinem Ruhestand im August 2010 noch aus einer gewissen Entfernung entgegen.

Das Abenteuer China begann, als er dem Senior Experten Service sein Profil schickte, einer Stiftung, die Experten auf Antrag in alle Länder der Welt vermittelt (siehe Hintergrund). In den Pfingstferien 2009 fliegt er, als Experte gebucht vom Chinesischen Zentrum Hannover, zum ersten Mal nach Maanshan, "ein 1,5-Millionen-Seelen-Dorf" südlich von Peking, in dem der drittgrößte Stahlhersteller Chinas ansässig ist, das Unternehmen MaSteel.

Auftrag

Sein Auftrag: An der beruflichen Schule von Maanshan sollen Zerspanungsmechaniker nach deutschem Muster ausgebildet werden, allerdings anders als in Deutschland ohne dualen Partner in Gestalt echter Industriebetriebe. Die Lehrer dort, schildert der Heilbronner die Lage in dem aufstrebenden Land, haben an der Universität studiert und "sollen industrielle Praxis lehren, die sie noch nie gehabt haben".

Für die neuartige vollschulische Ausbildung gilt es nun, "eine betriebliche Realität nachzubilden", erklärt Stockhausen (63) die Herausforderung. Dazu bedarf es einer "pseudoindustriellen Struktur mit Serienfertigung und entsprechendem Verbrauch an Werkzeug und Werkstoffen". Bei seinem ersten Besuch machte er Bestandsaufnahme, Investitions- und Unterrichtsplan, beim zweiten, November 2009, standen neben den teuren computergesteuerten Maschinen nun auch sechs konventionelle Fräsmaschinen chinesischer Bauart da, an denen er Lehrer und Schüler zu schulen beginnen konnte.

Nicht nur die Arbeit an sich möchte er ihnen dabei zeigen, "sondern eine andere Arbeitsweise: Arbeit im Team, selbstgesteuert und nicht fremdgesteuert". In einem Land, in dem sich gewöhnlich der Lehrer auf einen Stuhl stellt und die Schüler in Viererreihen davorstehen und zuhören, versucht Stockhausen zu vermitteln, "dass man weiterkommt, wenn man diskutiert". Auch das ist Ausbildung nach deutschen Muster.

Seine Bemühungen tragen auch in dieser Hinsicht bereits Früchte, hat er bei seinem jüngsten Besuch im November 2010 bemerkt: "Die Schüler der Folgeklassen sind schon ein bisschen bissiger."