CGH feiert wieder mit Schnapszahl

55 Jahre Carneval-Gesellschaft: Auf und nieder in der Faschingsdiaspora

Von Kilian Krauth

CGH feiert wieder mit Schnapszahl
Mit großem Tamtam wurde 1966 das Prinzenpaar Elisabeth vom See und Erwin von Weltenburg inthronisiert. In der Harmonie ging es früher an Fasching hoch her. Inzwischen feiert die CGH in Sontheim und Neckargartach.Fotos: Archiv

Heilbronn - Anno 1993 wollte man eigentlich "555 Jahre Fasching in Heilbronn" feiern − bis sich zeigte, dass die angebliche Geburtsurkunde gefälscht war. Jetzt stellt die Carneval-Gesellschaft Heilbronn ihre Kampagne unter das Motto "55 Jahre CGH". Ganz schön mutig. Lassen die Narren Fünfe grad sein? Wollen sie uns schon wieder an der Nase herumführen? Der dienstälteste Elferrat, Walter Weinhöpl (68), steckt solchen Spott locker weg − und zaubert aus seinem Archiv mit 25 Leitz-Ordnern das mit Schreibmaschine getippte Gründungsprotokoll hervor. Es trägt das Datum 12. Februar 1956. Zehn Heilbronner und drei Böckinger hoben den Vereins damals im Lokal Staufenberg aus der Taufe. Sie wählten auch gleich eine Führungsmannschaft, mit fünf Köpfen: Herbert Becker, Oskar Dörr, Hans Böhringer, Albert Müller und Fritz Wilde.

Traumstart Allen Unkenrufen zum Trotz kamen die gut organisierten Narren in der evangelisch geprägten Faschingsdiaspora zunächst gut an. Die ersten Lumpenbälle im Haus des Handwerks und in der Harmonie waren laut Weinhöpl "hoffnungsvoll überfüllt". Auch der Kinderfasching platzte aus allen Nähten. Die Schunkelrunden führten bald über eine "Soziale Woche" durch Kindergärten und Altenheime.

Prompt gab der Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine (LWK) 1960 der Käthchenstadt die Ehre und richtete hier seine zentrale Prunksitzung aus. Auf dem Höhepunkt der Erfolgswelle führte 1961 ein großer Umzug durch die City, zwei CGH-ler wurden 1962 in den LWK-Vorstand berufen und 1963 kamen am Bahnhof zwei überregionale Sonderzüge voller Narren an. Der vom badischen Gründungsmitglied Emilio Biundo komponierte Gassenhauer "In Heilbronn muss man sein, wenn der Wein blüht" war in aller Munde.

Als man 1966 mit dem DRK den Polkafasching installierte, schien der Scheitelpunkt überschritten. Weinhöpl führt den Besucherschwund auf die Wirtschaftsdelle Anfang der 70er und auf die aufkommende Konkurrenz aus dem Umland zurück. Wehmütig blickt er nach Bad Wimpfen, wo ausgerechnet ein Neckargartacher, Gunther Werner, zum Zugpferd mutierte.

Stargäste Doch die CGH ließ nicht locker. Weinhöpl selbst fungierte 1967 als Prinz, seine später mit der Goldenen Münze der Stadt und als Sportpionierin geehrte Prinzessin und Ehefrau Marlies legte den Grundstein für die Kükengarde.

Mit einer Wegezoll-Aktion anlässlich der Eingemeindung Klingenbergs oder mit Marie und Sofie, den legendären Batschweibern, meldet man sich auch kommunalpolitisch zu Wort. Ein Partnerpaar der US-Army und Prinzessin Madeleine I. de Beziers zeugten ebenso vom Blick über den Tellerrand wie prominente Sitzungsgäste: von Kurt Edelhagens Tanzorchester über die Jacob Sisters bis hin zu Roberto Blanco, dessen Tochter später gegen die CGH vor Gericht zog, weil man 1991 wegen des Golfkriegs die Sitzung abblies. Für Aufsehen sorgte die CGH zuletzt 2005 und 2007, als der umtriebige Präsident Bernhard Kilgus zwei erfolgreiche Umzüge durch die City auf die Beine stellte − allen Unkenrufen zum Trotz.

CGH feiert wieder mit Schnapszahl
Der erste Umzug im Zeichen des Giggers führte im Jahr 1961 vors Rathaus.