Böckinger Zug in Hollywood-Film

Eisenbahnmuseum stellt Kulisse und Statisten für "Ein russischer Sommer"

Von Helmut Buchholz

Ein Zug aus Böckingen im Hollywood-Kino
Abendstimmung im Böckinger Ringlokschuppen: Dieser umgebaute Wagen des Eisenbahnmuseums hat in dem Hollywood-Film über das Leben von Leo Tolstoi einen Auftritt. Er kann am Wochenende besichtigt werden.Fotos: Dittmar Dirks
Heilbronn - So schnell macht man in Hollywood Karriere. Während das Süddeutsche Eisenbahnmuseum in Heilbronn-Böckingen schon seit Jahren darum kämpft, noch bekannter zu werden, haben es eine Lok und ein Waggon aus seinem Fuhrpark längst geschafft. Dem Kino sei Dank: Im Januar geht der Film "Ein russischer Sommer" bundesweit an den Start. In den Hauptrollen des Hollywood-Dramas über das Leben des Schriftstellers Leo Tolstoi treten internationale Schauspielerstars wie Helen Mirren auf. Zur prächtigen Kulisse des üppig ausgestatteten Werkes tragen ein Waggon und eine Lok aus dem Böckinger Museum bei - inklusive den Statisten Jörg Badmann und Jochen Auerbach als Lokführer und Heizer. Keine kleine Nebenrolle: Denn immerhin starb der berühmte Russe, der der Weltliteratur "Krieg und Frieden" schenkte, 1910 auf einer Zugreise in einem Bahnwärterhäuschen. Den Tod lässt eines der weltweit größten Cinema-Imperien, die Warner Bros. Pictures, mit Böckinger Material in Szene setzen.

Hoher Besuch im Museum

Wie das Museum aus der Provinz den Durchbruch auf der Leinwand schaffte? "Alles begann mit einer E-Mail im Mai 2008", erzählt Museumsvereinsvorsitzender Oliver Sauer. Die Entstehungsgeschichte hört sich selbst schon fast wie ein Drehbuch für einen fantastischen Film an. "Die amerikanische Produktionsfirma hat in ganz Deutschland einen Waggon und eine Lok gesucht, die sich für einen Umbau zu einem russischen Zug aus dem 19. Jahrhundert eignen. Dabei sind die durch Zufall über uns gestolpert."

Ein Zug aus Böckingen im Hollywood-Kino
Traum in Rot-Braun: Der Filmwaggon versprüht ein Hauch von Luxus. Oliver Sauer vom Vorstand des Eisenbahnmuseumsvereins fühlt sich in der Filmkulisse wohl.
Die bekannte Bühnenbildnerin Patrizia von Brandenstein schaute sich das Material im Eisenbahnmuseum selbst an. Nach den Plänen der Requisiteurin, die 1985 für ihre Entwürfe zum Hollywood-Blockbuster "Amadeus" den Oscar erhielt, verwandelte eine Schreinerei den preußischen Abteilwagen der dritten Klasse aus dem Jahr 1911 in ein luxuriöses Schienengefährt aus dem Zarenreich. Mit Plüschvorhängen, Kanonenofen und allem Drum und Dran. Der Schlot der Lok erhielt einen dicken Bauch, so dass er fast einem Zwiebelturm der orthodoxen russischen Kirche gleicht. Das Rohr erinnert Oliver Sauer jedoch eher an die Dampfloks aus "Western und gestern".

Böckinger Zug in Hollywood-Film
Ein Porträt von Tolstoi hängt an der Wand des Waggons.
Man merkt es schon: Das Museum und sein Team sind auf den Geschmack gekommen. Während des Umbaus und des zweiwöchigen Drehs auf einem Privatgleis an der deutsch-polnischen Grenze war das Tolstoi-Projekt noch geheime Kommandosache. An diesem Wochenende ist der Zug beim Julbockmarkt zu besichtigen (Öffnungszeiten siehe Hintergrund). Die Böckinger arbeiten weiter an ihrer Kintoppkarriere.

Fantasie

Längst hat sich in der Filmwelt herumgesprochen, wie gut die Böckinger und ihre Züge auf Zelluloid wirken. Eine weitere Produktionsfirma aus Hollywood, die einen Zug für eine Lenin-Filmbiographie sucht, hat sich gemeldet. Studenten der Ludwigsburger Filmakademie haben im Museum ihre Abschlussarbeit gedreht. Oliver Sauer kann sich gut vorstellen, dass die ARD hier auch mal einen Tatort spielen lässt. Ohne Fantasie ist Kino nicht denkbar.