Böckinger Bürgerhaus-Gaststätte droht das Aus

Heilbronn - Das Böckinger Bürgerhaus soll das schöne Zentrum des größten Heilbronner Stadtteils sein. Mehr als 30 Jahre nach der Einweihung der guten Stube des Ortes bahnen sich im Haus große Veränderungen an. Die Böckinger bangen nun um ihre gute Stube.

Von Helmut Buchholz


Heilbronn - Das Böckinger Bürgerhaus soll das schöne Zentrum des größten Heilbronner Stadtteils sein. Mehr als 30 Jahre nach der Einweihung der guten Stube des Ortes bahnen sich im Haus große Veränderungen an. Die Stadtverwaltung will aus dem Bürgerhaus ein Familienzentrum machen.

Die Böckinger fürchten nun, dass die Gaststätte, die ohnehin mehr Gäste nötig hätte, geschlossen wird − zugunsten der Stadtbibliothek, die mehr Platz braucht. Gegen dieses Szenario setzt sich der noch junge kommunale Arbeitskreis (AK) ein, der Böckingen politisch gegenüber der Stadtverwaltung vertritt. "Wir fordern ein vernünftiges Gastroangebot", formuliert AK-Sprecher Thomas Randecker die Böckinger Haltung. "Für einen Ort mit 20 000 Einwohnern ist eine Gaststätte wichtig, in der Familienfeiern stattfinden können und man sich nach Beerdigungen treffen kann", unterstützt Georg Link, Vorsitzender des Böckinger Rings, diese Position. Für ihn und für viele Böckinger leidet der Ruf des Bürgerhauses und seiner Umgebung schon länger. Vandalismus und die Drogenszene sorgen im Umfeld für keine gute Atmosphäre.

In der jüngsten Sitzung des AK wurde deutlich, dass es abseits des befürchteten Aus" der Gaststätte um ein größeres Konzept geht, die Nutzung des Bürgerhaus völlig umzumodeln. Die Stadtverwaltung will an der Adresse wie in anderen Stadtteilen auch ein Familienzentrum für Jung und Alt aufbauen. In diesem soll sich auch der Jugendtreff mit seinem Angebot neu ausrichten. Ebenso die Stadtbibliothek, die durch ihre guten Ausleihzahlen gerne erweitern würde und mehr Platz braucht. Wo die Bücherei diesen finden soll, ist noch völlig unklar. Schließlich sucht ebenso die Reinöhlschule nach einem Ort für ihre Ganztagsbetreuung und vor allem einem Raum, wo sie ihren Schülern ein Mittagessen anbieten kann. In die Raumneuordnung einbezogen ist außerdem das Alte Rathaus gegenüber des Bürgerhauses.

Konzept fehlt


Wie lassen sich all diese Interessen unter einen Hut bringen? "Wir brauchen ein großes Konzept", moniert AK-Sprecher Thomas Randecker. "Wir sind in konstruktiven Verhandlungen mit der Stadt. Uns fehlt die eierlegende Wollmilchsau." Klar ist für Randecker, dass das Restaurant "in moderner, zeitgemäßer Form hergerichtet werden muss". Ringvorsitzender Link ergänzt: "Wir möchten, dass die Stadt konkret ihre Pläne vorlegt. Ich wünsche mir im Bürgerhaus eine Begegnungsstätte, die man mit Leben erfüllt."

Böckinger bangen um ihre gute Stube
Stadtsprecher Christian Britzke kann die Befürchtungen nicht nachvollziehen. Es gebe keine konkreten Überlegungen, die Gaststätte umzugestalten, zu reduzieren oder ganz aufzugeben. Er versichert außerdem, dass bei der Umwandlung des Bürgerhauses zu einem Familienzentrum "nichts gegen die Böckinger geschehen soll". In Bezug auf das Umfeld des Bürgerhauses gebe es "in jüngster Zeit" keine Beschwerden beim Ordnungsamt.

Neue Angebote

Die Heilbronner Stadtverwaltung will nicht nur in Böckingen ein Familienzentrum aufbauen. Ähnliche Treffpunkte für Familien und Anlaufstellen für Jung und Alt soll es künftig auch im Olga-Zentrum in der Bahnhofsvorstadt und im Augärtle im Industriegebiet geben. Trägerin ist jeweils die Stadt. Zudem plant die Diakonie ein Familienzentrum in Böckingen auf der Schanz und die Arkus gGmbH ein Zentrum in der Happelstraße für die Südstadt. mut