Bewegen, verändern, begeistern

Hanspeter Faas macht ab April 185 Tage Koblenz, danach bis 2020 Heilbronn

Bewegen, verändern, begeistern
Hanspeter Faas ist von der Idee Gartenschau seit Jahrzehnten überzeugt. Diese Faszination möchte er auch in dieser Region vermitteln.Foto: Dittmar Dirks

Gartenschau - Manchmal steckt hinter einer Entscheidung gar keine tiefgreifende Überlegung. Und manchmal merkt man erst später, dass sie trotzdem prägend war fürs ganze Leben. Bei Hanspeter Faas war das so, dem Mann, der künftig Geschäftsführer der Bundesgartenschau Heilbronn ist.

Gerade mal 14 Jahre war der südschwarzwälder Bub alt, als er nach der Volksschule eine Lehre begann. Eigentlich wollte der Sohn eines Maurers Technischer Zeichner werden. Aber dann hatte der Onkel in seinem Garten- und Landschaftsbaubetrieb eine Stelle für ihn. Und so wurde Hanspeter Faas Gärtner. Danach drückte er noch einmal die Schulbank, studierte in Berlin Gartenbau. Dass die Gesellschaft für bayerische Landesgartenschauen einen Referenten suchte, war kurz darauf sein ganz persönlicher "Glücksfall".

Inzwischen ist sein 31. Jahr Gartenschau angebrochen. Zehn Landesgartenschauen ("oder waren es zwölf?"), zwei Bundesgartenschauen und eine Internationale Gartenbauausstellung hat der ebenso bodenständige wie eloquente 56-Jährige seither gestemmt. In knapp vier Wochen steht die Buga-Eröffnung in Koblenz an. Danach beackert er bis 2019 als Geschäftsführer die Bundesgartenschau Heilbronn. "Ideal" erscheint ihm eine Buga in einer Stadt dieser Größenordnung: "Weil man wirklich etwas bewegen kann".

Dauereinsatz Im Juli 2012 wird er in Heilbronn zu arbeiten beginnen. Wenn sein Vertrag im Juni 2020 endet, wird die Buga am Neckar schon wieder Vergangenheit sein. Die Abwicklung einer Gartenschau kann bis zu einem dreiviertel Jahr dauern. So wird es nach 185 Tagen Nonstop-Einsatz in Koblenz sein. So war es in all den Jahrzehnten. Vor jeder Schau muss Hanspeter Faas Hunderte von Vorträgen halten, "vor 400 Leuten oder nur vor drei". Dann kommen zwei Millionen Besucher. Danach kann er für eine Weile keinen Menschen mehr sehen, braucht nur noch eines: Ruhe. Die findet der passionierte Wanderer und Skifahrer in einer "ganz kleinen Hütte", einem ausgebauten Kuhstall auf 1700 Metern Höhe.

All die Jahre etwas Neues, andere Menschen, ein Projekt anfangen und es beenden, "nicht zehn oder 20 Jahre auf dem Flur immer die gleichen Leute", das ist das eine, was "Mister Gartenschau" reizt. Fasziniert aber ist er vor allem davon, "unglaublich viel verändern zu können, und das dauerhaft".

Nachhaltig ist ein Wort, das Hanspeter Faas nicht aus Marketinggründen in seinen Wortschatz aufgenommen hat. Nachhaltigkeit, das merkt man seinen Gartenschauen an, ist sein Maßstab für alles. Koblenz, anfangs so gar nicht gartenschaubegeistert, war, so erzählt Faas, "jahrzehntelang eine autofreundliche Stadt". Die Buga hat inzwischen aus Parkplätzen Parks und Spielflächen gemacht. Und aus der Skepsis der Menschen Neugierde, "fast schon Euphorie."

Das Geheimnis des Erfolges? "Du musst die Menschen mitnehmen, das Mütterchen ebenso wie den Unternehmer." Es gelang Hanspeter Faas sogar, den Funken auf die reservierte Region um Koblenz überspringen zu lassen. Den Schulterschluss bezahlen 30 Umliegerkommunen mit je 10 000 Euro. Sie präsentieren sich auf der Buga, weil sie erkannt haben: 50 Prozent der Aufträge blieben in der Region, 160 000 Übernachtungen kommen nicht alleine Koblenzer Hotels zugute, 14 000 Busse bringen ihre Fahrgäste irgendwohin zum Essen − auch zu ihnen. "Ein Jahr Werbung durch die Gartenschau ist Werbung für die lange Zeit danach", sagt Faas.

Wochenendbeziehung Die Abwechslung im Berufsleben bezahlen Hanspeter Faas und seine Familie mit einer Wochenendbeziehung. Der Familienrat hat beschlossen, dass seine Frau Claudia und die schulpflichtigen Töchter Catherina und Friederike nicht immer umziehen, wenn Hanspeter Faas sich aufmacht zur nächsten Gartenschau-Baustelle. Egal wo er ist, Memmingen bleibt Familienwohnort. Die Wochenenden im Allgäu sind konzentrierte Gemeinsamkeit. Wenn Hanspeter Faas montags wieder losfährt, kann er sich des Verständnisses seiner Frau gewiss sein: Claudia Knoll ist diplomierte Landschaftsarchitektin, ihr Arbeitgeber die bayerische Gartenschaugesellschaft.