Außer Äußerlichkeiten hat sich nichts geändert

Heilbronn - Sechs Monate nach Eröffnung des Klosterhof-Kaufhauses zeigt sich die Einkaufsstadt wie eh und je. Als Frequenzbringer war das Großprojekt geplant. Außer am Kiliansplatz bringt es nirgends Frequenz. Nun soll die alte Müllerfiliale in der Sülmerstraße Mitte Oktober geschlossen werden.

Von Franziska Feinäugle

Außer Äußerlichkeiten hat sich nichts geändert
Wird Ende dieser Woche ein halbes Jahr alt: das Klosterhof-Kaufhaus, offiziell „Geschäftshaus am Kiliansplatz“. Erste Bilanz: Architektonisch ein Gewinn, aber was den Einzelhandel angeht, hat sich in Heilbronn nichts verbessert.Fotos: Franziska Feinäugle

Heilbronn - Manchmal sprechen gerade jene Antworten, die nicht vielsagend klingen, Bände. Durch den neuen Klosterhof-Kaufhauskomplex, sagt eine 26-jährige Brackenheimerin bei einer Umfrage unserer Zeitung in der Innenstadt, habe sich an Heilbronn „nichts Grundlegendes verändert“.

Zu Drogeriemarkt Müller geht sie jetzt nicht mehr in die Sülmerstraße, sondern an den Kiliansplatz, weil das „zentraler ist“. Aber sonst? Hat Heilbronn dadurch gewonnen, dass vor einem halben Jahr das neue Geschäftshaus eröffnet hat? „Nicht unbedingt“, findet die junge Frau.

Ganz so würde das Citymanager Jörg Plieschke nicht ausdrücken. „Von der Architektur her ist das Gebäude schön geworden“, sagt er. Enttäuscht seien die Heilbronner Händler aber über fehlende Auswirkungen auf die Seitenstraßen: „Klarastraße, Kilianstraße, östliche Kaiserstraße - da ist nichts zu spüren.“ Als Frequenzbringer war das Großprojekt geplant. Außer am Kiliansplatz bringt es nirgends Frequenz. Plieschke: „Da sind wir, anders als bei der Stadtgalerie, nicht glücklich.“

Reizthema

Außer Äußerlichkeiten hat sich nichts geändert
Aufenthaltsqualität selbst gemacht: Am Kiliansplatz zu sitzen, bleibt beliebt.
Für den Stadtinitiative-Vorsitzenden Thomas Gauß ist der Klosterhof „ein Reizthema. Weil die Chance so groß war und man sie nicht genutzt hat.“ Statt neuer Geschäfte mit hochwertigem Sortiment hat das Geschäftshaus der Einkaufsstadt Dopplungen bereits vorhandener Filialisten beschert. Ein halbes Jahr nach Eröffnung „setzt sich der Eindruck fest, dass sich in Heilbronn, was Einzelhandel angeht, nichts geändert hat“.

Als Geschäftsführer des Sporthauses Saemann an der Kaiserstraße ärgert sich Gauß außerdem über die einseitige Orientierung des Geschäftshauses zum Kiliansplatz hin. Architektonisch sei die Fassade zwar ein „großer Gewinn“. Den kaiserstraßenseitigen Zugang zum Gebäude allerdings halten Passanten eher für einen Ausgang oder Hintereingang, und eines der vier Schaufenster dort steht selbst sechs Monate nach der Eröffnung immer noch leer. Der Nutzen für die Kaiserstraße „ist gleich null“, so Gauß. „Ein Flop.“

Außer Äußerlichkeiten hat sich nichts geändert
Noch immer nicht bestückt: Schaufenster an der Kaiserstraße.
Und wie zufrieden sind die Klosterhofmieter? „Beide Filialen erfüllen unsere Erwartungen“, antwortet für den größten Filialisten CA Thorsten Rolfes von der Düsseldorfer Unternehmenszentrale.

Anders sieht es bei Drogeriemarkt Müller aus. Nach Informationen der Heilbronner Stimme soll die alte Müllerfiliale in der Sülmerstraße Mitte Oktober geschlossen werden. Die Mitarbeiter wurden bereits informiert. Ein Großteil von ihnen wird in die neue Filiale wechseln. „Heilbronn verträgt nicht zwei so große Müller“, kommentiert ein Insider. An Kundschaft mangelt es der alten Filiale dem Augenschein nach allerdings nicht: Viele kaufen aus Gewohnheit dort ein, auch am Freitagnachmittag war sie gut besucht.

Zaungäste

Außer Äußerlichkeiten hat sich nichts geändert
Soll Mitte Oktober schließen: die alte Müllerfiliale in der Sülmerstraße.
Zur „Drehscheibe für Passantenströme“ sollte das neue Klosterhof-Kaufhaus nach Willen der Planer den Kiliansplatz machen. So schlimm, wie sich das anhört, ist es nicht gekommen. Dort, wo früher das Café Presutti war, rücken Passanten jetzt die tragbaren Metallstühle hin und überblicken den Platz. Sabrina Roth aus Heilbronn-Biberach zum Beispiel. „Es könnte ruhig mehr solche Stühle geben“, findet die 19-Jährige. Zwei Sitze weiter analysiert die 69-jährige Dana Pipliza aus Lauffen die Situation. „Heilbronn sieht jetzt besser aus“, lautet ihre Klosterhofbilanz. „Aber man hat immer noch keine Auswahl.“



Heilbronner Großprojekt


Auf den Tag genau ein Jahr nach der Stadtgalerie hat am 5. März 2009 der Klosterhof-Kaufhauskomplex seine Türen für die Kundschaft geöffnet. Die Einkaufsfläche der Stadt wuchs um 11 000 auf 114 000 Quadratmeter. In vier separaten Läden sind Drogeriemarkt Müller und die Textilfilialisten C&A, Madison und New Yorker untergebracht. Madison ist aus der Fleiner Straße umgezogen, die anderen drei Filialisten sind seither doppelt vertreten.

 

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