Auf den Spuren des Malers Ernst Bader

Ausstellung in Horkheim bringt Spannendes aus dem Leben des Künstlers zutage

Von unserer Redakteurin Franziska Feinäugle

Auf den Spuren des Malers Ernst Bader
Wer Details betrachtet, sieht mehr und anders: Mit Ausschnitten wie diesem aus "Der jüngste Tag" erschließt die Ausstellung Ernst Baders Bilder neu.Foto: Hermann Bader

Heilbronn - Viele der Kunstwerke, die man von Ernst Bader zeigen könnte, kann man nicht mehr zeigen. Weil sie nicht mehr existieren. "Teils stehen die Gebäude nicht mehr, teils sind die Bilder übertüncht", fasst Hermann Bader zusammen, was mit vielen Wandmalereien des 1860 in Horkheim geborenen Künstlers geschehen ist.

Umso kostbarer sind jene Werke, die noch erhalten sind. Und umso erfreulicher ist es, dass im März eine kleine, feine Ausstellung des Kulturtreffs Burg Horkheim Bilder, Leben und Wirken des 1915 verstorbenen Ernst Bader näher beleuchtet (siehe Hintergrund). "Rein zufällig" sei die Idee für die Ausstellung zustande gekommen, erzählt Hermann Bader, der nicht nur Namensvetter, sondern tatsächlich mit dem Maler verwandt ist: Ernst Bader war der Bruder seines Großvaters.

Eingerollt Alles begann mit der Renovierung der Horkheimer Georgskirche. Das dortige große, holzgerahmte Bader-Gemälde "Der jüngste Tag" musste vorübergehend den Sanierungsarbeiten weichen, und das Burgherren-Ehepaar Hermann Bader und Gabriele Schüz-Bader wurde gefragt: Ob man das Bild nicht bei ihnen unterstellen dürfe, da doch im Turm in etwa die gleichen Temperaturen herrschten wie in der Kirche? Man durfte.

Da erinnerte sich Hermann Bader des zusammengerollten Bildes, das er vor Jahrzehnten auf dem Dach seines VW Käfer von Ernst Baders Tochter Elsa Hägele aus Stuttgart nach Horkheim gebracht hatte. "Das neue Jerusalem" heißt das vier mal vier Meter große Kunstwerk, und schon das Aufhängen im Burgturm war ein Kunststück.

Auch "Der jüngste Tag", das Gemälde aus der Kirche, wird ohne seinen kunstvoll geschnitzten Holzrahmen zu sehen sein: Er passt nicht durch die Tür. Ebenso interessant wie diese beiden Originale sind die Fotografien, die Hermann Bader ihnen zur Seite stellt: Mit seiner Digitalkamera hat der Fotograf und Grafiker Ausschnitte der großen Werke aufgenommen. "Es ist faszinierend, diese Details zu betrachten: viel extremer."

Tatsächlich entdeckt man auf diese Weise bei einem Maler, der dem Historismus und dem Jugendstil zugerechnet wird, auf einmal Züge der Neuen Sachlichkeit, sieht aus Menschenmengen ragende Figuren, die etwas Dixhaftes haben.

Letzte Woche ist Hermann Bader nach Rottweil gefahren, um sich den Pflugsaal anzusehen, den Ernst Bader dort ausgemalt hat: Noch heute essen die Rottweiler zu Mittag zwischen seiner Darstellung der Belagerung Rottweils und den in Blautönen gehaltenen Tanz- und Musikszenen. Auch die Heilbronner Wein Villa zählt zu den Orten, an denen Baders Kunst noch erhalten ist.

Ausgemalt Viele Heilbronner Villen haben einst seine Bilder getragen, die Uhrenfabrikanten im Schwarzwald ließen ihre herrschaftlichen Häuser von ihm ausmalen, selbst das königliche Arbeitszimmer in Stuttgart wurde im Auftrag Wilhelms II. zur Baderschen Wirkungsstätte. Wer sich die Ausstellung in Horkheim ansieht, handelt auch im Sinne von Ernst Baders Tochter, die vor über 50 Jahren nach Horkheim schrieb: "Keine schriftliche Schilderung kann das tatsächliche Bild an Anschaulichkeit ersetzen."

Auf den Spuren des Malers Ernst Bader
Beeindruckende Dimensionen: "Das neue Jerusalem" im Turm der Burg.
Auf den Spuren des Malers Ernst Bader
Mit Bader-Bildern: Hermann Bader und Gabriele Schüz-Bader.Fotos: Feinäugle