Auf den Spuren der Vergangenheit

Heilbronn - Neckargartach besitzt 20 Denkmale: Neben den prominentesten Beispielen wie der evangelischen Pfarrkirche mit Pfarrhof und Schulhaus sind dies die Wohnhäuser an der Mittelstraße 13 und 21 sowie zwei Villen an der Böckinger Straße. Das Wohnhaus Nr. 98 errichtete der Heilbronner Architekt und Oberbürgermeister Emil Beutinger (1921 bis 1933), das Haus Nr. 104 baute Jakob Saame für den Kaufmann Gustav Binder. In Neckargartach steht auch Heilbronns jüngstes Denkmal, die katholische Michaelskirche an der Sudetenstraße aus dem Jahre 1957.

Von Joachim Friedl

Interessiert verfolgen Neckargartacher Bürger die geschichtlichen Ausführungen von Joachim Hennze (links). Feuer und Kriege ließen wenig Altes übrig.Fotos: Ulrike Kugler

Heilbronn - Neckargartach besitzt 20 Denkmale: Neben den prominentesten Beispielen wie der evangelischen Pfarrkirche mit Pfarrhof und Schulhaus sind dies die Wohnhäuser an der Mittelstraße 13 und 21 sowie zwei Villen an der Böckinger Straße. Das Wohnhaus Nr. 98 errichtete der Heilbronner Architekt und Oberbürgermeister Emil Beutinger (1921 bis 1933), das Haus Nr. 104 baute Jakob Saame für den Kaufmann Gustav Binder. In Neckargartach steht auch Heilbronns jüngstes Denkmal, die katholische Michaelskirche an der Sudetenstraße aus dem Jahre 1957.

Die Geschichte des viertgrößten Heilbronner Stadtteils ließ bei einem Abendspaziergang, organisiert vom SPD-Ortsverein, Joachim Hennze von der Unteren Denkmalbehörde Revue passieren. Da sich das Wetter im Verlauf nicht besserte, wurde die Geschichtsstunde in die Peterskirche verlegt; Pfarrer Torsten Krannich öffnete kurzerhand für die 60 Bürger seine Kirche.

Am Gebäude Mittelstraße 21 lässt sich der Charakter des Ortes noch ablesen.

Aufstrebender Ort Spätestens im 6. Jahrhundert entstand Neckargartach. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse finden sich im Lorscher Kodex: In diesem Schenkungsregister des berühmten Klosters an der Bergstraße aus dem Jahre 767 wird der Ort „Gardaha“ erwähnt. „Dieser Name kann zweifelsfrei dem späteren Dorf Neckargartach zugeordnet werden“, ließ Hennze keine Zweifel offen. Aus ursprünglich fünf Morgen Land (1,5 Hektar) wurden bald mehr: Bis 853 war der Ort schon vier Mal so groß.

Spätestens seit dem 11. Jahrhundert hat das Hochstift Worms die Herrschaft über den Ort. „Den Hinweis auf Worms erkennt man daran, dass die evangelische Kirche St. Peter heißt. Der Hauptheilige des Bistums Worms war Peter“, klärte Hennze auf.

Von 1323 an waren die Herrschaftsrechte an Weinsberg verliehen, kurz danach kamen die Heilbronner Patrizierfamilien hier zu Rechten. Erst sehr spät konnte Heilbronn dann 1754 die Lehenshoheit von Württemberg abkaufen, das 1504 in den Besitz von Neckargartach gekommen war.

Den alten Ort Neckargartach umschlossen ursprünglich Wall und Graben mit drei Toren. Sie boten jedoch nur einen begrenzte Schutz. 1399 zerstörten württembergische Truppen den Ort, 1622 wüteten spanische Heerscharen nach der Schlacht bei Wimpfen. In jenem Jahr brannten mehr als 180 Häuser nieder. Übrig blieben nur die Kirche und die ehemalige äußere Mühle an der Frankenbacher Straße. 1664 zerstörten ein Brand und 1675 die französischen Truppen den Ort. „Hätte Neckargartach heute ohne Brände und Kriege mehr Denkmale?“, fragte Joachim Hennze und lieferte die Antwort umgehend nach: „Nein. Vieles wäre im Lauf der Jahrhunderte abgerissen worden.“

Schon bald nach 1800 wandelte sich Neckargartach zum Industriestandort. Am Böllinger Bach entstanden Sägemühle und Meierei (landwirtschaftliches Pachtgut), im Neuböllinger Hof eine weitere Meierei und im Widmannstal schließlich die Mechanische Werkstätte Widmanns. „Sie ist eines der frühesten süddeutschen Beispiele für einen Fabrikanten, der seine eigenen Maschinen konstruierte und dann mit ihnen maschinell Papier verarbeitete“, entschlüsselte Hennze. Weitere Fabriken waren die chemische Fabrik Wohlgelegen, die Dampfziegelei und drei Bierbrauereien.

Überreste Während sich an der Frankenbacher Straße über die Jahrhunderte keine historischen Gebäude mehr erhalten haben, ist an der Mittel- und Gebwinstraße der ehemals bäuerliche Charakter noch ablesbar. Hier bestimmen zweigeschossige Giebelstellungen und noch erhaltene rückwärtige Ökonomiegebäude das Bild. Allen voran das ehemalige Rathaus.