Auch die jungen Oldies wollen in die Stadt

Heilbronn - Liebevoll gepflegte Fahrzeuge hatten ihre Besitzer am Samstag auf den Kiliansplatz gerollt: Protest von Käfer-, Enten- und Trabantfahrern gegen das bevorstehende Fahrverbot

Von Heiko Fritze

Käfer, Ente, Trabbi: Wenn nächstes Jahr die Umweltzone für Heilbronn kommt, dürfen die jüngeren dieser Modelle nicht mehr in die Stadt hinein. Dagegen wehren sich ihre Besitzer.Foto: Guido Sawatzki

Heilbronn - Wäre ihr Auto älter als 30 Jahre, wäre alles kein Problem: Für ein Fahrzeug, das ein H-Kennzeichen hat, gilt das Fahrverbot nicht, das vom kommenden Jahr an im Zuge der Feinstaubgesetze auch Heilbronn zur Umweltzone macht. So aber muss zum Beispiel Thomas Feeser seine heißgeliebte Ente wohl bald in der Garage lassen: Sie ist nur 19 Jahre alt, und eine Umrüstung würde mehr Geld kosten, als sie am Markt noch wert ist.

„Ente fahren ist Spaß pur“, sagt Feeser, der seit 1972 nur noch solche Kult-Autos lenkt. „Man kommt eben etwas langsamer voran, aber im Stau sind ja eh alle gleich schnell.“ Dabei nutzt er sein gutes Stück eher selten: Gerade mal 81 000 Kilometer hat sein Wagen auf dem Tacho, jährlich kommen höchstens 5000 hinzu.

Verschrottung

Doch wenn die Umweltzone Heilbronn in Kraft tritt, darf Feeser schon nicht mehr aus seiner Garage fahren. Und deshalb war er am Samstag mit 30 anderen Autobesitzern auf den Kiliansplatz gekommen. Zusammen mit dem Trabant-Team Hohenlohe und dem Käfer-Club Heilbronn protestierten sie gegen das drohende Fahrverbot für jene Autos, die zwar alt sind – aber nicht alt genug, um ein H-Kennzeichen zu bekommen.

„Es droht eine Lücke in der Kraftfahrzeuggeschichte von etwa 15 Jahren“, warnte Hans-Walter Benz, Vorsitzender des Käfer-Clubs Heilbronn. Alle Fahrzeuge zwischen dem Baujahr 1978 und dem ersten Jahr, in dem es die Modelle mit Katalysator gab, stünden quasi vor der Verschrottung. „Dabei wurden sie in all den Jahren unverändert gebaut – warum sollen die Jüngeren nicht in die Umweltzonen dürfen?“, fragte Benz.

Uwe Peikert vom Trabant-Team Hohenlohe zählte als Hauptredner zahlreiche Argumente gegen das Fahrverbot auf: Würden alle 4357 Fahrzeuge, die im Stadtgebiet von Heilbronn davon betroffen wären, tatsächlich nicht mehr fahren, würde nach seinen Berechnungen die Feinstaubbelastung gerade mal um 0,72 Prozent zurückgehen – „vorausgesetzt, es sind alles Diesel“. Denn Benziner, wie etwa Käfer, Enten und Trabants, blasen nämlich überhaupt keinen Feinstaub aus dem Auspuff. „Doch über Nacht erklärt uns der Staat plötzlich zu Umweltmonstern.“

Sympathieträger

Liebevoll gepflegte Fahrzeuge hatten ihre Besitzer auf den Kiliansplatz gerollt: Trabbis mit Airbrush-Lackierung oder originalem grauen Anstrich, VW-Busse, ein Ford Taunus GT, ein Porsche 911. Sogar ein seltener Matra, eine französische Marke, die nur einige Jahre hergestellt wurde, war vertreten. Auch einige neue Autos waren dabei – die Teilnehmer waren aus Solidarität teilweise aus Ludwigsburg, Pforzheim und Heidelberg angereist. Sofort bildeten sich um die glänzenden Karossen Menschentrauben. „Unsere Fahrzeuge sind Sympathieträger“, sagte Hans-Walter Benz. „Jeder verbindet damit Geschichten aus seinem Leben.“

Und manche können gar nichts anderes fahren. So las Christian Bauer vom Trabant-Team die Geschichte jener 65-Jährigen aus einer Landkreisgemeinde vor, die mit ihrem Mann und dem Trabant, Baujahr 1986, nach der Wende in die Region kam. Sie ist nie einen anderen Wagen gefahren. „Wenn sie vom nächsten Jahr an ihre Tochter und ihre Enkel in der Stadt besuchen will, darf sie damit nicht mehr fahren“, sagte Bauer.