Anne Allinger sagt der Politik leise lebe wohl

SPD-Stadträtin scheidet nach 32 Jahren heute aus dem Gemeinderat aus

Von Joachim Friedl

Anne Allinger sagt der Politik leise lebe wohl
Anne Allinger saß 32 Jahre lang für die SPD im Gemeinderat.Foto: Dennis Mugler

Heilbronn - Still und leise, wie es ihre Art ist, sagt heute Nachmittag Anne Allinger der Kommunalpolitik lebe wohl. "Ich bin jetzt 68. Es reicht", sagt sie mit Wehmut in der Stimme. 32 Jahre lang saß Anne Allinger für die SPD im Heilbronner Gemeinderat und verkörperte in diesen drei Jahrzehnten ein gutes Stück Neckargartacher Sozialdemokratie. Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach wird die Stadträtin, die sich stets als Anwältin der kleinen Leute verstand und vielen von ihnen auf dem sogenannten kleinen Dienstweg helfen konnte, offiziell verabschiedet.

1975 kandidiert Anne Allinger erstmals für den Gemeinderat. Der damalige Neckargartacher SPD-Ortsvereinsvorsitzende Willi Söhner animiert sie zu diesem Schritt: "Er wollte eine Frau auf der Liste", erinnert sich Allinger. Doch der erhoffte Erfolg bleibt zunächst aus. Erst als 1979 Irmgard Bock-Kreyer ausscheidet, rückt die gebürtige Cleebronnerin nach. Bei den folgenden sieben Gemeinderatswahlen wird die Mutter zweier Kinder und heute vierfache Oma stets eindrucksvoll als Stadträtin bestätigt.

Unvergesslich In diesen mehr als drei Jahrzehnten erlebt Anne Allinger aufregende Zeiten. Als ob es gestern gewesen wäre, erinnert sie sich an den mit der Mehrheit von einer Stimme gefassten Beschluss, die Friedrich-Ebert-Brücke stadtbahn-tauglich umzubauen. Unvergessen sind der Kampf um das Lkw-Nachtfahrverbot in Neckargartach, die Anstrengungen um den Ausbau der Saarlandstraße, der Ruß-Konflikt mit der EnBW und die Rettung der Hammerschmiede. "Ich möchte keine Stunde missen", versichert die Liebhaberin klassischer Musik und wird nachdenklich: "Oftmals konnten wir bei unseren Entscheidungen nicht einschätzen, wie weitreichend sie letztlich waren."

Aber nicht nur im Rathaus findet sie Gehör, sondern auch in der SPD, zu der sie 1970 wegen der Ostpolitik von Willy Brandt gefunden hatte. Sie wird unter Friedrich Niethammer stellvertretende Fraktionsvorsitzende, wirkt an der Seite von Peter Alltschekow als Vize im SPD-Kreisverband und ist bei Landtagswahlen Zweitkandidatin: 1984 an der Seite von Günter Erlewein, 1991 stärkt sie Dieter Spöri, der später Wirtschaftsminister wird, den Rücken.

Akzente setzt Anne Allinger zudem im Ehrenamt. Mit 15 wird sie Kinderkirchenhelferin. Mit den Jahren kommen Aufgaben bei der Arbeiterwohlfahrt, im Kreisseniorenrat, bei den Naturfreunden, im Verein Frauen helfen Frauen, Pro Familia, im Sportkreis und bei VfL Neckargartach hinzu. Der Rat der Frau der leisen Töne ist gefragt.

Für ihr vielfältiges gesellschaftspolitisches Wirken erhält Anne Allinger 2008 das Bundesverdienstkreuz. Die Krönung eines erfolgreichen Miteinanders mit vielen anderen Menschen. Ab heute stehen andere Menschen in ihrem Lebensmittelpunkt: die Familie. Anne Allinger wird die kommenden Jahre nutzen, um mit ihrem Mann Horst auf Reisen zu gehen, und sie wird viel Zeit mit Sophie, Jule, Jos und Leni verbringen. Die Enkel sind ihr ganzer Stolz. Und sie wird mitverfolgen, wie sich ihr Nachfolger im Gemeinderat, der Böckinger Markus Scheffler, schlägt: "Ihm wünsche ich eine glückliche Hand."