Alle Skepsis weggesungen

Arcobaleno führt mit vier Schulchören Orffs Carmina Burana auf

Von Gertrud Schubert

Alle Skepsis weggesungen
Carmina live. Ralf Ellinger und die Arcobaleno-Sängerinnen und -Sänger beim Probenwochenende in der Magdalenenkirche.Foto: Thomas Braun

Heilbronn - Wenn ich mal einen Chor habe“, das hat sich Ralf Ellinger schon als kleiner Junge geschworen, „dann singen wir die Carmina Burana.“ Seinerzeit hat er im Mönchseegymnasium begeistert mitgesungen, heute überredete er seinen Sontheimer Popchor Arcobaleno, doch mal „modern Mittelalterliches“ zu wagen. 120 Sängerinnen und Sänger führen am Samstag, 16. Mai, in der Fleiner Flina Carl Orffs gigantisches Chorwerk auf.

„Ich freu mich auf die Asperger.“ Die Altsängerin Ursula Ansel findet es „total spannend“, wie Ellingers Chöre jetzt im Großprojekt zusammenwachsen. Noch probt jeder für sich: Kammerchor, Unterstufenchor, Oberstufenchor und der Elfenchor, die musikalische Mischung aus Eltern, Lehrern, Freunden und Ehemaligen des Friedrich-List-Gymnasiums in Asperg. Dort ist Ralf Ellinger Musiklehrer. Und zum 40-Jahr-Jubiläum der Schule war Großes angefragt. Was lag da näher, als alle Musikbegeisterten miteinander auf die Bühne zu bringen? Arcobaleno ist mit dabei. Für drei Aufführungen lohnt sich alle Mühe.

Da ist Musik drin Samstag um die Mittagszeit, Freizeitheim Magdalenenkirche in Beilstein. Im Hof ein Durcheinander von Autos. Kreuz und quer haben die Sänger geparkt - in Eile. Das Einsingen mag keiner verpassen, das wäre doch ein Fehlstart ins gemeinsame Probenwochenende. Zwei Tage und Nächte, von Freitag- bis Sonntagnachmittag, „versingen“ die Arcobalenos in der frühgotischen Kapelle und im großen Zimmer im Kirchenhimmel. Mit der Übung wächst das Können - und die Liebe zur Carmina.

Beifall Noch brummeln die Männer ihre Liebeslied „Si puer cum puellula moraretur in cellula“, aber es gibt anspornenden Beifall von den Sängerkolleginnen. Die suchen mit Stimmbildnerin Judith Schneider nach vertrauten Rhythmen, „Chili con carne“ (von The Real Group) wird zum großen Chorfest in Heilbronn wieder aufgewärmt. Da muss die musikalische Erinnerung wach gekitzelt werden. Aber gemeinsam geht es nachmittags mit der Carmina weiter.

Längst ist die Skepsis vor Latein und Mittelhochdeutsch, vor gregorianisch anmutenden Klängen und ungewohnter Rhythmik der Singfreude gewichen. Genau das zählt für den Tenor Andreas Scharf zum elementaren Chorerlebnis: „Dinge gemeinsam meistern, die alleine nie gelingen würden.“ Das ist ein großartiges Gefühl, nicht nur bei den Konzerten, schon beim geduldigen Proben wie am Wochenende.

Aufführungen in der Fassung mit zwei Klavieren und Schlagzeug: Samstag, 16. Mai, 19.30 Uhr, Flina Flein; Sonntag und Dienstag, 17. und 19. Mai, Stadthalle Asperg.