Agenda kämpft um historisches Gebäude (19.03.2009)

Heilbronn - Der Bauherr hat sich schon entschieden, die moderne Architektur für den Neubau ist seit wenigen Tagen beschlossene Sache. Nun melden sich Mitstreiter der Lokalen Agenda und schlagen Alarm. Der Grund: Für den Bau des Bildungscampus an der Mannheimer Straße in Heilbronn soll ein Backsteingebäude abgerissen werden.

Von Iris Baars-Werner

Agenda kämpft um historisches Gebäude
Die Farbe ist neu, die Dachkonstruktion auch, doch das Haus ist geschichtsträchtig. Es soll für die Campus-Neubauten abgerissen werden.Foto:Dittmar Dirks
Heilbronn - Der Bauherr hat sich schon entschieden, die moderne Architektur für den Neubau ist seit wenigen Tagen beschlossene Sache. Nun melden sich Mitstreiter der Lokalen Agenda und schlagen Alarm. Der Grund: Für den Bau des Bildungscampus an der Mannheimer Straße in Heilbronn soll ein Backsteingebäude abgerissen werden. Es ist das letzte Überbleibsel der einst viel größeren Schaeuffelen 'schen Papierfabrik.

Schmerzhafte Vorstellung

Den Agenda-Mitarbeiter und Architekten Claus Kohout schmerzt die Vorstellung, dass mit dem Gebäude eines der letzten gemauerten Zeugnisse einer großen Industriekultur verschwinden soll. Und seine Mitstreiterin Julia Bauer meint, dass gerade eine durch den Krieg zerstörte Stadt wie Heilbronn mit ihren wenigen historischen Gebäuden sorgsamer umgehen sollte. Als positives Beispiel verweist sie auf Mosbach, das die Alte Mälzerei zu einer Veranstaltungshalle umgebaut und die Fassade erhalten hat.

In Briefen hat sich der Arbeitskreis Wohnen der Lokalen Agenda 21 Heilbronn inzwischen an die Stadtverwaltung und an Dr. Erhard Klotz, den Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung als privaten Bauherrn des Bildungscampus, gewandt. Das Anliegen: Bei der Architektur möge „das bestehende Gebäude (früher Möbel Fritzsch) einbezogen und damit erhalten“ werden. In dem Brief heißt es weiter: „Die Papier- und Maschinenfabrik Schaeuffelen war eines der bedeutendsten Unternehmen der Stadt, sowohl was die technischen Innovationen als auch die Beschäftigtenzahl betrifft.“ Die Agenda-Akteure sind der Ansicht, das „charakteristische Gebäude könnte ein Schmuckstück des künftigen Campus werden und gleichzeitig an frühes Unternehmertum in Heilbronn erinnern“. Immerhin, so die Agenda-Gruppe, sollen sowohl in der privaten Heilbronn Business School (HBS) als auch in der Dualen Hochschule (der früheren Berufsakademie) ökonomische Studiengänge unterkommen.

Skelettkonstruktion

„Der Abbruch wäre ein totaler Fehler“, warnt Claus Kohout, der das Gebäude und die darunterliegenden Keller erkundet und mit Fotos dokumentiert hat. Die Fassade, an der ihn nur die rote Farbe stört, und das Innere des Hauses haben es dem Architekten angetan: Er schwärmt von der Skelettkonstruktion und den noch vorhandenen gusseisernen Säulen.

Seit den 1970er Jahren hat Kohout den Verlust zahlreicher historischer Bauten miterleben müssen: Silberwarenfabrik Bruckmann, Seifenfabrik Flammer, Zuckerfabrik, Unternehmen Himmelein. „Die Schwelle des Erträglichen“ war bei ihm erreicht, als „Kaiser Otto“ fiel, das klassizistische Bauwerk der einstigen Lebensmittelfabrik Kaiser und Otto. Nun hofft er darauf, dass die Dieter-Schwarz-Stiftung wenigstens Anleihen aus dem historischen Erbe erhält.

„Viel Verständnis“ äußert Stiftungsgeschäftsführer Erhard Klotz für das Anliegen. Ebenso wie Erste Bürgermeisterin Margarete Krug verweist er jedoch auf die Anforderungen der Campus-Nutzer und den Flächenbedarf. Dies mit einem wirtschaftlichen Architekturkonzept zu vereinbaren sei ohnehin schwierig, aber kaum verwirklichbar mit dem Erhalt des historischen Gebäudes.

Große Geschichte

Im 19. Jahrhundert war die Papierfabrik der Familie Schaeuffelen zeitweise der größte Heilbronner Industriebetrieb – und die modernste Papierfabrik Deutschlands. Die Papiermühle stand, von Neckar und „Fabrik-Canal“ umgeben, auf einer Insel beim Bollwerksturm. 1927 ging die Firma in Konkurs, die Stadt kaufte das Areal. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Wasserläufe mit Schutt aufgefüllt, die Mannheimer Straße entstand. Unter anderem Möbelhäuser waren dort untergebracht. Das Gebäude, das die Eisenhandlung Schedler vorne an der Mannheimer Straße beherbergte, wurde 1979 abgebrochen.

 
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