Nazi-Turm wird wohl umgetauft

Heilbronn  Die Stadtverwaltung will sich von Nazi-Namensgeber General Wever distanzieren. Deswegen soll der Turm auf der Theresienwiese einen neuen Namen bekommen: „Bunkerturm Theresienwiese“. Darüber will der Heilbronner Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag entscheiden.

Von Kilian Krauth

Manche sehen in ihm das Wahrzeichen der Heilbronner Theresienwiese. Hunderten Menschen hat er im Zweiten Weltkrieg das Leben gerettet. Ein städtischer Amtsleiter meinte einmal: „Der steht doch nur rum, wir würden ihn am liebsten abreißen.“ Der Mann sprach für Viele, die mit diesem Koloss aus unheilvollen Tagen nichts mehr anfangen können. Gleichwohl hat ihn die Stadt 2014 sogar saniert: für knapp 100 000 Euro.

Hohe Rückbaukosten

Ganz abgesehen von mutmaßlich unverhältnismäßig hohen Rückbaukosten: Dem Abbruch des angeblich bundesweit einmaligen Turmes steht vor allem der Denkmalschutz im Wege. Immerhin dies soll sich nach Informationen der Heilbronner Stimme aber nun ändern: Der Name.

In seiner Sitzung von Dienstag, 2. Februar, die um 15 Uhr im Großen Ratssaal beginnt, wird der Gemeinderat darüber entscheiden. Die Empfehlung der Stadtverwaltung lautet so: Der Name General-Wever-Turm sei „heute nicht mehr zeitgemäß; er wurde vom NS-Regime vergeben, hat keinen Bezug zu Heilbronn und lässt die frühere Funktion des Turmes nicht erahnen.“ Vorgeschlagen wird eine Umbenennung in „Bunkerturm Theresienwiese“.

Dadurch soll sowohl die frühere Funktion als auch der Standort deutlich gemacht werden. Die Umbenennung, so heißt ausdrücklich, geschehe unabhängig von einer möglichen künftigen Nutzung. Von einer Champignon-Zuchtanstalt bis zur Bunker-Bar sind bisher alle Ideen gescheitert. Soviel steht fest: Der Turm wurde im Herbst 1940 von der Firma Dyckerhoff & Widmann aus Düsseldorf im Auftrag des Reichsluftfahrtsministeriums durch das für Heilbronn zuständige Luftgaukommando VII München errichtet.

Namensherkunft

Seinen Namen bekam er laut Stadtarchiv „wohl nach 1942“: zur Erinnerung an den 1936 in Dresden mit einem Flieger tödlich verunglückten Generalstabschef der Luftwaffe Walther Wever (1887-1936). Der Preuße gehörte im Ersten Weltkrieg der Obersten Heeresleitung an. Er setzte seine militärische Laufbahn über die Weimarer Zeit hinaus in Hitlers NS-Staat fort, wo er im neu eingerichteten Reichsluftfahrtministerium zum ersten Generalstabschef der Luftwaffe avancierte. Nach dem Krieg wurde sein Name beibehalten. Wegen später installierten Reklamelettern sprachen viele auch vom MAN-Turm. Teilweise gab es aufgrund der Schreibweise die Meinung, Wever sei ein amerikanischer General gewesen.

Der ursprüngliche Name geriet erst wieder ins allgemeine Bewusstsein, als der Turm im Jahr 2000 zum Tag des offenen Denkmals vorübergehend zugänglich gemacht wurde. Das Rechtsamt der Stadt hat laut Ratsdrucksache erst 2015 festgestellt, dass der General-Wever-Turm tatsächlich im Eigentum der Stadt ist und die Namensgebung letztlich Sache des Gemeinderates ist, der bereits anderen bestehenden Gebäuden nachträglich neue Namen gab, etwa dem Wilhelm- Waiblinger-Haus und dem Otto-Rettenmaier-Haus.