Mord in Weststraße: Lebenslange Haft

Heilbronn  Neun Monate nach dem Mord an seiner Ehefrau in Heilbronn ist ein 41-Jähriger am Donnerstag zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Von Carsten Friese

„Das war keine spontane Tat. Und das macht man nicht aus Verzweiflung. Es war eine ungeheuerliche, verabscheuungswürdige Tat.“ Mit diesen Worten hat Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth am Donnerstag einen 41-jährigen Familienvater vor dem Heilbronner Landgericht zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Es war der Schlusspunkt in einem emotional aufgeheizten Verfahren, in dem sich der türkische Ehemann für tödliche Stiche an seiner Ehefrau und Mutter von vier Kindern verantworten musste.

Aus ganz egoistischen Motiven habe der Angeklagte Anfang Oktober 2015 gehandelt und seine vermeintliche Ehre „über das Leben seiner Ehefrau gestellt“, so der Richter. Das Schwurgericht sah es als erwiesen an,dass er in jenen frühen Morgenstunden seiner Frau auf dem Weg zur Arbeit gezielt auflauerte, um sie zu töten.

 

 

Nach einer jahrelangen Ehe voller Gewaltattacken hatte sich die 39-Jährige von ihrem Mann getrennt und nach weiteren Drohungen die Scheidung eingereicht. Anfang Oktober wollte der älteste Sohn des Ehepaares heiraten, an dem Tag wäre für alle Gäste sichtbar geworden, dass die Ehe der Eltern nicht mehr funktionierte.

Für den Vater mit seiner mittelalterlichen Denkweise wäre dieser Gesichtsverlust der Super-GAU gewesen, verwies der Richter auf Zeugenaussagen. Die Tat sei aber auch eine Bestrafung der Kinder gewesen, die sich nach Jahren der Gewalt gegen den Vater positioniert hatten. 

Nach Auffassung des Gerichts wollte der Angeklagte seine Frau mit deren Kopftuch erwürgen. Diese hatte aus Angst vor einem Übergriff ihres Mannes ein Messer dabei, das sie dann auch zog. Der Angeklagte habe es ihr abgenommen, ihr Stiche in den Körper und einen tiefen, breiten Schnitt in den Hals versetzt. Selbst als die 39-Jährige vor der Haustür niedersackte und nach einem hohen Blutverlust im Sterben lag, hat der Angeklagte nach Überzeugung der Richter noch mehrfach massiv zugestochen.

Anschließend floh er zu Fuß vom Tatort und wurde wenige Tage später im Auto mit seinem Vater an der ungarisch-rumänischen Grenze festgenommen. Eine besondere Schwere der Schuld, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, sah die Kammer dagegen nicht. 

Auffallend still war es beim Urteil im Gerichtssaal, in dem viele Mitglieder der zwei Familien zuhörten. Kurz danach flammten nach einigen Sätzen die Emotionen wieder auf, so dass der Richter lautstark zur Ruhe mahnte und die Justizvollzugsbeamten anwies, die Familien getrennt aus dem Gericht zu bringen. Drei der vier Kinder waren als Nebenkläger aufgetreten. „Ich bin zufrieden“, sagte eine der Töchter nach dem Urteil. Weil ihr Vater „eine gerechte Strafe bekommen hat“. 

Lebenslang bedeutet: Nach 15 Jahren Haft wird geprüft, ob dem Gefangenen die Reststrafe auf Bewährung erlassen werden kann. Dazu müsse man aber auch die Tat aufarbeiten, ermahnte der Richter den Angeklagten, sich mit seinem Versagen auseinanderzusetzen. 

Der Angeklagte wird das Urteil offenbar nicht akzeptieren. Er werde zunächst in Ruhe mit seinem Mandanten reden. Aber „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ werde man in Revision gehen, kündigte Verteidiger Andreas Baier an. 

 

 

 

 

 

 


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