Kunterbunte Lebensfreude bei "Inside Africa"

Heilbronn  „Inside Africa“ vermittelt Besonderheiten afrikanischer Kultur: Trommeln, Akrobatik, Flechtkunst, würzige Speisen. Der Innenhof des Mobilats war gut besucht.

Von Carsten Friese

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Bunt, rhythmisch, exotisch: Wer am Samstag bei der Veranstaltung „Inside Africa“ den Innenhof des Heilbronner Mobilats ansteuerte, war als Einheimischer mit einem Schlag in einer anderen Welt. Die Veranstaltung des Deutsch-Afrikanischen Vereins bot viel für Gaumen, Augen und Ohren. „Trommeln ist für uns Freude und Kommunikation. Wir drücken aus, wie es uns geht, und vergessen auch viel, wenn wir trommeln.“

Trommeln mit Ziegen- statt Antilopenhaut

Als Vereinsvorsitzender Angelo Bengui die Instrumente Djembe, Kpauagu und Balaphon erklärt, ist noch relative Ruhe im Hofrund. Mit Ziegen- statt Antilopenhaut wie zu Hause werden die Trommeln in Mitteleuropa bespannt. Wenige Minuten später zeigen die Trommler der Gruppe „Maobe“ in bunten Kostümen, wie sich überlagernde Rhythmen phonstark anschwellen. Sie spielen mit sichtbarer Begeisterung, einer bearbeitet sein Instrument, als wolle er Rekorde brechen. Mit einem Tänzer tanzen erste Gäste mit, ein Akrobat führt mit großen Metallschüsseln, Stab, Tennisbällen und Flaschen Jonglage im Liegen, Stehen und Sitzen vor.

Spontan vom Akrobaten auf die Bastmatten-Bühne geholt, macht der Bad Friedrichshaller Javier Seoane (32) mit. Er lässt sich auf drei Liegestütze ein und hilft, den schwarzafrikanischen Künstler auf dessen Wunsch in den Spagat zu drücken. „Ich finde es schön, dass so etwas hier stattfindet und Afrikaner ihre Kultur darbieten“, sagt der aus Spanien stammende Seoane. Es sei eine Lebensfreude, die sonst im Alltag fehle. Das afrikanische Essen hat er schon probiert. „Sehr lecker.“

„Sie sind nicht scharf, sondern moderat“, sagt Köchin Juliet Eisele, eine Deutsch-Nigerianerin, über die Speisen mit Kochbanane, Bohnen, Karotten, Reis, Hähnchen mit spezieller Tomatensoße. Ganz wichtig seien die Soßen, die koche man lange, bis der Geschmack stimmt. „Das kann auch drei Stunden dauern.“

Treff in einer fremden Welt

Die Veranstaltung soll auch ein Treff für neu angekommene Afrikaner sein, um sich in der fremden Welt zurechtzufinden. „Wir lernen von unseren Brüdern, wie sie laufen, die Sprache lernen, wie man Arbeit bekommen kann“, erzählt der Togolese Ramanon Hodjim. Er ist seit drei Jahren hier, sein Asylverfahren läuft noch.

Eine Akrobat bei der Jonglage. Foto: Friese

Die Mehrheit der rund 1600 Afrikaner in Heilbronn seien keine Flüchtlinge, viele in der sehr heterogenen Gruppe seien Studenten, erklärt Roswitha Keicher, Leiterin der Stabsstelle Partizipation und Integration. Sie unterstützt Vernetzungen über den Verein, moderiert auf einer kleinen Bühne Erzählungen über den Kulturschock, den Afrikaner in Deutschland oft erleben.

Weil das Essen ein ganz anderes, die Konsumvielfalt so immens ist. „Da tun sich Schwarzafrikaner schwer“, weiß Sibylle Schmid als Vorstandsmitglied des Vereins. Roswitha Keicher findet das Fest „klasse“ und „total bunt“. Sie überlegt, ob es künftig an einem anderen Standort etwas größer aufgezogen werden kann.

Stände mit bunten Taschen und Kleidern, ein Strategie-Spiel mit kugelartigen Früchten eines afrikanischen Baumes und ein Stand, an dem Rastazöpfe geflochten werden, fallen ins Auge. Für eine ganze Frisur brauche man bis zu sechs Stunden, erklärt die Kamerunerin Nanga Joice. Der Vorteil sei die weniger intensive Pflege. Sie trägt die Zöpfe in Lila – „weil es Sommer ist“.

Angelo Bengui (48) lebt seit 28 Jahren hier. Er arbeitet als Versandangestellter, fühlt sich in Deutschland und Angola zu Hause. Bengui spricht nahezu perfektes Deutsch. Für ihn ist der Verein „eine Herzenssache für die Integration“.