Kneipeninitiative: Der Traum vom autonomen Zentrum

Serie: Noch Fragen?  In den 1980er-Jahren strebten junge Leute in Heilbronn nach einem Treffpunkt, der ohne städtische Unterstützung und ohne den Einfluss der Konsumwelt auskommen sollte. Was wurde aus der Kneipeninitiative?

Von Tobias Wieland

Das Thema ist heute so aktuell wie damals: Wo finden Jugendliche Raum für ihren Wunsch nach Selbstverwirklichung? Erst kürzlich ploppte die Nachricht auf, dass bald eine Event-Halle für die Jugendin der Hafenstraße entstehen könnte.

Anlässlich unserer Serie "Noch Fragen?", bei der Leser Rechercheanfragen an die Onlineredaktion der Stimme schicken, hat Armin Peters eine Frage eingereicht, die zwar in einem anderen Jahrzehnt zu verorten ist, die aber auf dem gleichen Feld angesiedelt ist: Der Heilbronner interessiert sich dafür, was aus der sogenannten Kneipeninitiative geworden ist. 

Der lange Weg zum Jugendzentrum

In seiner Erinnerung habe die Initiative Ende der 1970er-Jahre "gut besuchte Konzerte" veranstaltet, etwa im Bürgerhaus Böckingen oder der Gemeindehalle Frankenbach. Ziel sei es laut Peters gewesen, mit den Gewinnen aus den Veranstaltungen "eine Wirtschaft für Jugendliche zu eröffnen". 

Archivmitarbeitern der Stimme und Stadt war die Kneipeninitiative zunächst kein Begriff. Doch eine Vermutung gab es: Womöglich hängt die Initiative mit der Suche nach einem Jugendhaus zusammen. Dies war in Heilbronn über Jahrzehnte hinweg ein Thema - wie unsere historische Bildergalerie zeigt. 

Kneipe sollte das autonome Zentrum finanzieren

In der Tat: Ein Stimme-Artikel aus dem März 1982 zeigt auf, dass sich die Kneipeninitiative, oder offiziell der Verein zur Förderung der Lebensfreude, um ein "Autonomes Zentrum" bemühte. "Autonom" stehe dabei für selbstverwaltet, ohne städtische Unterstützung. Und hier kommt nun eine Kneipe ins Spiel: Die Kosten für das Zentrum sollten, da Zuschüsse der Stadt nicht gewollt waren, aus dem Gewinn der Kneipe gedeckt werden. 

Wie man an dieser Aufnahme von Ende August 1981 sieht, war auch das Helix ein beliebter Treff für junge Menschen. Das Lokal war allerdings ein gastronomisches Angebot und kein Teil der Kneipeninitiative. Foto: HSt-Archiv

Armin Peters, der die Frage eingereicht und mit Bekannten immer mal wieder diskutiert hatte, äußerte die Vermutung, ob das Helix in der Lixstraße diese Kneipe sein könnte. Heute ist dort das ungarische Lokal Paprika beheimatet. Dies lässt sich allerdings ausschließen. Zum einen zeitlich, da das Helix bereits 1980 eröffnete, die Kneipeninitiative aber noch zwei Jahre später aktiv war. Zum anderen wollte die Initiative eben kein kommerzielles Angebot schaffen, sondern eines als Abgrenzung zum gastronomischen Angebot. 

Mehrere Standorte für Zentrum waren im Gespräch

Wolfgang Maurhoff kann das bestätigen. Er war damals einer von drei Vorsitzenden der Kneipeninitiative. "Die Grundidee war, eine Kultur- und Freizeitinitiative zu gründen, die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung außerhalb des Konsumbereichs bietet." Zwei oder drei Jahre habe die Initiative bestanden. Mit dem autonomen Zentrum samt integrierter Kneipe wurde es aber nichts. Obwohl nach Maurhoffs Erinnerung Gespräche mehrmals weit fortgeschritten waren - etwa bei Standorten in der Happelstraße oder der Innovationsfabrik.

Letztlich konzentrierte sich das Interesse auf das Areal einer früheren Maschinenbaufabrik in der Olgastraße. "Es hat einige Chancen gegeben", sagt Maurhoff. "Wir haben keine davon genutzt. Mit mehr Biss wäre es etwas geworden." Doch die Unsicherheit, genügend Mitstreiter zu haben, und die einsetzende berufliche Laufbahn erschwerten das Engagement. 

Einige Jahre später, im Juni 1989, eröffnete in der Olgastraße tatsächlich ein Jugendzentrum. Die Kneipeninitiative hat es da schon nicht mehr gegeben. Doch andere Bewegungen hatten sich ebenfalls für diesen Standort ausgesprochen. Auch wenn es mit dem autonomen Zentrum nichts wurde und sich die Kneipeninitiative wegen dieser "Erfolgslosigkeit" auflöste, blickt Wolfgang Maurhoff gelassen zurück: "Die Konzerte haben gut funktioniert und sie waren eine Bereicherung für Heilbronn." 

 


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