Wildschweine helfen Steinei-Künstler im Wald

Untergruppenbach  Seit die Stimme über die besonderen Steinei-Kunstwerke von Klaus Waldbüßer in Wäldern der Region berichtet hat, ist großer Trubel bei dem 66-Jährigen ausgebrochen.

Von Carsten Friese

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Klaus Waldbüßer vor der Bildergalerie im heimischen Arbeitszimmer mit seinen vielen Naturkunstwerken. Foto: Friese

Fernsehen und Radio wollten über den Untergruppenbacher berichten, eine Wandergruppe und andere Stimme-Leser suchten ihn und ein zwischenzeitlich beschädigtes Stein-Kunstwerk im Jägerhauswald zwischen Heilbronn und Weinsberg. "Die haben mich richtig gelöchert", erzählt Waldbüßer beim Stimme-Besuch.

An die 20 solcher filigraner "Monumente", wie Waldbüßer sie nennt, hat er in Wäldern der Region erschaffen, seit er Rentner ist. Eine beeindruckende Foto-Galerie mit den Objekten ziert zwei Wände im heimischen Arbeitszimmer. Warum er die imposanten Steineier, auch mal Steinsäulen oder riesengroße, bis zu 4,80 Meter hohe "Sauriernester" aus Eichenholz im Wald erbaut?

CD-Geschenk seiner Tochter war Auslöser

Der gelernte Werkzeugmacher ist ein Naturmensch, ist rund 40 Jahre in Wäldern gejoggt und kennt die schönen Standorte der Region. Er ist selbst fasziniert, wenn er an den Steineiern vorbeikommt, die akkuraten Gebilde in schönem Licht erstrahlen oder im Winter mit Schneehaube bedeckt sind. "Da schlägt mir das Herz über."

Auslöser der emsigen Waldarbeit war ein CD-Geschenk seiner Tochter mit Musik eines schottischen Künstlers, der solche Steineier baut. Als Waldbüßer im Jägerhauswald bei einem Wegebau Natursteinbrocken liegen sah, dachte er sich, "das könnte eine Herausforderung sein".

50 bis 100 Stunden pro Kunstwerk 

Wildschweine helfen Steinei-Künstler im Wald
Imposant: ein "Sauriernest" aus Eichen-ästen mit drei Meter Durchmesser im östlichen Landkreis Heilbronn. Fotos: privat

Er suchte nach geeigneten Steinen, flachen, dreieckigen, kleinen zur Stabilisierung. Ein ebenes Fundament aus Steinplatten, ausgefugt mit Erde, "ist das A & O", erzählt Waldbüßer. Schicht um Schicht arbeitet er sich empor. 14 Tage benötigte er für sein erstes Werk. Je nach Größe und Aufwand für die Suche nach Natursteinen braucht er nun 50 bis 100 Stunden, bis alles sitzt. Eine Wasserwaage ist immer mit dabei. Für die bis zu 4,80 Meter hohen Werke hat er sich eine breite, doppelstufige Leiter gebaut. Und manchmal "helfen mir auch Wildschweine", wenn sie auf Nahrungssuche in der Erde Steine freilegen.

Von der Steinkultur der Kelten ist er fasziniert, vom einfachen Leben, das sie führten. "Damals wurde die Natur noch nicht so beschädigt wie heute", vergleicht er. Sorge bereitet ihm der Klimawandel. Die Wälder bräuchten mehr Wasser, an den Austrieben sieht er deutliche Veränderungen, die ihm nicht gefallen.

Glücksgefühle beim Arbeiten in der Natur

Sein Ziel sei auch, Menschen mit den Kunstwerken eine Freude zu machen. Ein Spaziergänger belohnte ihn für seine Feinarbeit und brachte mal Gulasch mit Rotkohl zur Stärkung vorbei; ein Ehepaar, das in der Nähe eines Objekts einen Weinberg hat, schickt Waldbüßer kleine Geschenke zu Weihnachten. Er selbst ist nach der Fertigstellung der akribischen Werke "schon stolz". Für ihn sind es Glücksgefühle, wenn er zwischen Vogelgezwitscher und Spechtklopfen in der Natur arbeitet. Die Werkbank zu Hause, die er sich fürs Rentnerleben aufgebaut hat, liegt brach. "Im Freien macht es mehr Spaß."

Wildschweine helfen Steinei-Künstler
Das höchste Steinei misst 2,60 Meter, steht bei Löwenstein. Bis zu zwei Tonnen wiegt es, schätzt Waldbüßer.

Dass seine Objekte zerstört werden, hat Waldbüßer schon öfter erlebt. Mal war es ein umgestürzter Baum, mal Erschütterungen durch Fällarbeiten. Auch vier bis fünf Fälle, in denen Menschen Hand anlegten, zählt er auf. "Es ist ärgerlich. Es gibt eben gute und böse Menschen." Zuletzt im Jägerhauswald tippt er auf Geocacher, die auf ihrer Suche nach einer versteckten Botschaft im steinernen Ei suchten und die Spitze abtrugen. Er baute das Werk ein zweites Mal wieder auf.

Eine Herausforderung wäre für den Waldkünstler, mal ein Objekt als Kugel oder Pyramide zu erschaffen. Dafür brauche man aber viele flache Steine in allen Größen und einen festen Untergrund. Ehefrau Gisela unterstützt das Hobby ihres Mannes, half schon beim Aufbau mit. Wenn ihr Gatte aus dem Wald zurückkomme, "ist er immer gut gelaunt".

 

Klaus Waldbüßers Werke im Internethttp://siggissc.de/kuenstler.html