Was Stadträte zur Radtunnel-Idee sagen

Heilbronn  Die Idee einer Interessensgruppe, den stillgelegten Lerchenbergtunnel zwischen Süd- und Oststadt zu einem Erlebnis-Rad- und Fußweg auszubauen, kommt bei vielen Heilbronnern gut an. Die Fraktionen im Gemeinderat sehen die Sache nach einer Stimme-Umfrage differenziert.

Von Kilian Krauth

Email
Was Stadträte zur Radtunnel-Idee sagen
Der Lerchenbergtunnel rückt in den Fokus. Am Samstag, 25. März, 15 Uhr, wird bei Arkus an der Happelstraße 17 die Radler-Tunnel-Idee vorgestellt.Foto: Andreas Veigel

Von einer "sympathischen Idee" spricht Alexander Throm (CDU). "Bisher haben wir nur negative Auskünfte hinsichtlich Kosten und Zustand des Tunnels erhalten." Für eine externe, unabhängige Begutachtung sei die CDU offen, zumal sich die IG durch Spenden und Sponsoren beteilige. Wenn die Bahn den Tunnel verkaufen will, müsse sie sich an den Voruntersuchungen finanziell beteiligen. Neben Sanierungskosten müsse der dauerhafte Unterhalt berücksichtigt werden.

Rainer Hinderer (SPD) spricht von einer "reizvollen Ergänzung" des Rad- und Fußwegenetzes. Wenn die Bahn bereit sei, "die Trasse der Stadt zu annehmbaren Konditionen zu überlassen und Radler-Landesmittel bereitstehen, kann das Vorhaben Fahrt aufnehmen". Die SPD begrüße die Initiative und erwarte ein Gutachten mit Spannung. Man werde im Gemeinderat die Planung positiv begleiten, sofern sowohl Investitions- als auch Betriebskosten im angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehen. Hinderer würde "das Vorhaben auch der Bürgerstiftung ans Herz legen".

Eine Ertüchtigung des Tunnels "erscheint auf den ersten Blick sehr reizvoll", meint Nico Weinmann (FDP). Beim zweiten Blick stellten sich jedoch viele Fragen, etwa die der Kosten für Ertüchtigung und Unterhaltung. Auch die Sicherheit sollte beachtet werden, denn aufgrund einer Krümmung sei "das Ende des Tunnels von der jeweils anderen Seite nicht zu sehen". Weinmann begrüßt den Vorschlag, die Chancen und Risiken einer Ertüchtigung und die Kosten in einem Gutachten zu bewerten. Ob allerdings eine Realisierung angesichts der Haushaltslage und der Vielzahl vorrangiger Projekte auf absehbare Zeit möglich ist, bezweifelt er.

Wichtiger Lückenschluss

Die FWV unterstütze jedes "sinnvolle" Projekt, das von Bürgern angestoßen wird, betont Heiner Dörner, der Tunnelradweg sei unter "nice to have" einzuordnen. Ein Gutachten müsste durch die Initiative "beigebracht" werden. Dörner kennt Fotos, die "den maroden und renovierungsbedürftigen Innenzustand des Tunnels" zeigten, weshalb ihn die Bahn AG natürlich gerne verkaufen würde. Eine Sanierung dürfte im Millionenbereich liegen. Die Folgekosten seien nicht zu unterschätzen. Erst wenn Sponsoren- und Fördergelder feststehen würden, sollte die Stadt einsteigen.

Die Trasse wäre "ein sehr wichtiger Lückenschluss im Radnetz", so Susanne Bay (Grüne). Die Innenstadt könnte über den Südbahnhof mit dem Pfühlpark verbunden werden. Parks, Wald sowie die östlichen Wohngebiete wären ohne Barriere − Gemmingstal / Einsteinstraße − mit dem Rad zu erreichen. Die Radnutzung zu Arbeit oder Schule würde attraktiver, Landesmittel könnten fließen. Die Grünen sind deshalb für ein Gutachten und erwarten von der Verwaltung "eine wohlwollende, ergebnisoffene, nicht von vorneherein negative Prüfung", unterstreicht Bay. Schön wäre eine vielfältige Unterstützung durch die Bürgerschaft.

Alfred Dagenbach (Pro) fordert zunächst eine Kostenanalyse und solange Heilbronn "wichtigere Verkehrsprobleme" habe − Stichwort Staus und holprige Kanaldeckel − sollte der Kosten-Nutzen-Effekt genau abgewogen werden. Es spreche aber nichts dagegen, dass die Initiative den Tunnel kauft und ihr Wunschprojekt umsetzt. Einer Bebauungsplanänderung würde Dagenbach dann gute Chancen geben.

Notwendiges vor Wünschenswertem

Für Birgit Brenner (Bunte Liste) hat "Notwendiges vor Wünschenswertem Vorrang", auch im umweltfreundlichen Fuß- und Radwegebereich. Diesbezüglich gebe es in Heilbronn noch viel aufzuarbeiten − etwa das längst beschlossene Radroutenkonzept. Sollte die Tunnelreaktivierung mit Sponsoren angegangen werden können, sei es wichtig, im Vorfeld Nutzungsfrequenzen und Folgekosten abzuschätzen, sagt Brenner. Sobald Sicherungsmaßnahmen erforderlich würden, seien sowohl die Privatinitiative wie auch die Stadt "sicherlich finanziell überfordert − die Bahn aber erleichtert, dass sie dafür nicht mehr verantwortlich ist".

 

 

Abenteuer ins (Tunnel-)Ungewisse

 
 
Es ist ein großes schwarzes Loch, in das sich unsere Volontäre begeben haben. Sie wollten sich selbst ein Bild von dem vor kurzem freigelegten Lerchenbergtunnel unterm Heilbronner Hauptfriedhof machen. Ein Abenteuervideo.
 
Es ist so dunkel, dass man nicht einmal die eigene Hand vor Augen sieht, es ist kalt, feucht und riecht leicht modrig – kein Wunder, seit 15 Jahren waren in dem mit Gestrüpp zugewachsenen Tunnel nur wenige Menschen. Graffitis zieren die Wände der ersten 50 Meter, auf den stillgelegten Bahnschienen sind Warnungen wie „death inside“, also „der Tod lauert drinnen“, geschrieben.
 
Zeugnisse der Vergangenheit

Verbrannter roter Kerzenwachs und alte Kaugummipapiere zeugen davon, dass sich in dem 350 Meter langen Lerchenbergtunnel vielleicht einmal Abenteuerlustige aufhielten. An der Seite sind einige, rund ein Meter tiefe Löcher im Boden, in regelmäßigen Abständen sind Einbuchtungen an der Tunnelwand vorhanden. Mehr erkennt man auf den ersten Blick nicht. Alles ist schwarz. Man hört nichts – nur sein eigenes hallendes Echo…

Was als Entdeckungsreise in die Vergangenheit begann, endete in einem kleinen - nicht ungefährlichen - Abenteuer, das nicht zur Nachahmung bestimmt ist. Der Tunnel soll nach unseren Informationen auch wieder versperrt werden. Nach wie vor gehört das Bauwerk der Bahn AG.

Historie

Der Lerchenbergtunnel war 1900/1901 auf Druck einiger in der Südstadt angesiedelter Firmen gebaut worden. Er machte vom Südbahnhof über Karlstor und Sülmer Tor eine direkte Schienenverbindung zum Hauptbahnhof möglich.

Vor 15 Jahren wurde die Strecke mit der Stilllegung des Südbahnhofs geschlossen. Vor einigen Wochen wurde der 350 Meter lange Tunnel unterm Heilbronner Hauptfriedhof vom Gestrüpp befreit und damit beinahe barrierefrei zugänglich gemacht.