Taugt Tunnel zum Geh- und Radweg?

Heilbronn  SPD und Grüne lassen eine Umnutzung der stillgelegten Bahnlinie unter dem Lerchenberg prüfen. Einst diente der Tunnel als ein Verbindungsstück für die Firmen aus der Südstadt zum Hauptbahnhof.

Von unserem Redakteur Kilian Krauth

Taugt Tunnel zum Geh- und Radweg?
Vor 15 Jahren wurde die Bahnstrecke in der Oststadt stillgelegt. Danach wuchsen die Öffnungen des 350 Meter langen Lerchenbergtunnels mit Gestrüpp zu. Seit wenigen Tagen ist der Zugang von Norden her wieder frei zugänglich.Foto: Andreas Veigel

Unterm Heilbronner Hauptfriedhof gibt es eine neue Attraktion, die eigentlich schon 115 Jahre alt ist: den Lerchenbergtunnel. Seit wenigen Tagen ist der Tunnelmund von Norden, also vom Wannental her vom Gestrüpp befreit und damit beinahe barrierefrei zugänglich.

Nicht nur abenteuerlustige Lausbuben freuen sich darüber, ganze Familien erkundeten inzwischen die 350 Meter lange Röhre. Dieser Tage tauchte sogar ein Tross von Gemeinderäten auf. In "nicht öffentlicher Sitzung", so bestätigt Rathaussprecher Anton Knittel, machten sich die Räte und Verwaltungsexperten ein Bild von dem Bauwerk, dessen Zugang "alleine zu diesem Zweck" freigeräumt wurde.

Anlass zu der Begehung, die für abgewiesene Außenstehende wie eine geheime Kommandosache anmutete, gaben Anträge von Grünen und SPD. "Es wurde völlig ergebnisoffen geprüft, ob man theoretisch was draus machen könnte", übt sich Germanist Knittel in Konjunktiven. Nur so viel: "Die Röhre ist lang, dunkel, feucht, die Gleise liegen noch drin." Vor einer Umnutzung müssten "etliche Hürden" überwunden werden: von der Sanierung über die Beleuchtung bis zur Finanzierung. Nach wie vor gehöre das Bauwerk der Bahn AG.

Wiederbelebung?

Weniger bedeckt als das Rathaus geben sich die Stadträte Gerd Kempf (SPD) und Wolf Theilacker (Grüne). Sie machen sich seit Jahren für die Wiederbelebung der Röhre stark. In einem gemeinsamen Prüfungsantrag drückten sie im Rathaus gegen alle Widerstände von Baubürgermeister Wilfried Hajek die Begehung durch. "Man kann doch nicht von vornherein abblocken, wenn man gar nicht weiß, was machbar wäre", betont Kempf.

Die kreativen Räte haben schon eine gute Idee: Sie regen die Umwidmung zu einem Rad- und Fußweg an. Damit ließe sich eine bequeme und autofreie Verbindung zwischen Südstadt und Oststadt herstellen, die gut ins neue Routenkonzept der "fahrradfreundlichen Stadt Heilbronn" passen dürfte. Die Umwidmung sei keinesfalls utopisch, betonen die beiden.

Bundesweit würden 700 ehemalige Bahnstrecken so genutzt, etliche führten durch Tunnel. Theilacker erkennt darin im Umfeld der Buga auch touristische Reize und verweist auf eine spezielle Homepage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs: www.adfc.de/16_1. Gelungene Beispiele gibt es auch in den Südtiroler Dolomiten und bei Parenzana in Istrien.

Das an den Zugängen aus Sandstein und im Innern aus Backstein gemauerte Gewölbe unterm Heilbronner Lerchenberg ist noch gut in Schuss, "bis auf eine Stelle, an der Wasser eindringt", bestätigt Roland Rösch. Der ehemalige Hauptfahrdienstleiter am Hauptbahnhof und Lokalhistoriker kennt sich mit der regionalen Bahn-Infrastruktur so gut aus wie kaum ein zweiter.

Historie

Der Lerchenbergtunnel war 1900/1901 auf Druck einiger in der Südstadt angesiedelter Firmen, allen voran Knorr, gebaut worden. Er machte vom Südbahnhof über Karlstor und Sülmer Tor eine direkte Schienenverbindung zum Hauptbahnhof möglich. Stadtbaumeister Ludwig Heuss, der Vater des späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss, hatte sogar vorgeschlagen, unterhalb des Hauptfriedhofs am heutigen Recyclinghof Wannental einen weiteren Bahnhof zu bauen − um dort die einst europaweit gefragten Heilbronner Sandsteine vom Jägerhaus her zu verladen.

Vor 15 Jahren wurde die Strecke mit der Stilllegung des Südbahnhofs geschlossen. Dort wächst heute ein Wohngebiet − mit neuem Radweg Richtung Osten, der, so betont Kempf, "doch nicht auf Dauer im Niemandsland enden kann".